Trump-Frauen

Eines der großen Phänomene der Trump-Wahl ist die Tatsache, dass ihn, trotz seiner Frauenfeindlichkeit, so viele Frauen gewählt haben. Ich glaube das hat verschiedene Gründe.

Zum einen ist Hillary Clinton zu selbstverständlich davon ausgegangen, dass Frauen nur sie wählen können. Doch viele Frauen hassen das Establishment noch mehr, als Frauenfeindlichkeit. Hillary ist mit ihrer abgehobenen Art und ihrem falschen Lachen eine Frau, die gerade Frauen hassen, als falsch und selbstsüchtig bezeichnen, selbst wenn sie nicht Präsidentin hätte werden wollen, sondern nur in der Nachbarschaft wohnen würde. Es gibt kein härteres Urteil von Frauen über Frauen, als den Vorwurf der Arroganz und Abgehobenheit. Umgekehrt gibt es kein größeres Kompliment, als von Frau zu Frau zu hören: Du bist ja gar nicht arrogant, so wie ich Dich anfangs eingeschätzt habe.

Doch ein zweites, vielleicht noch wichtigeres Element, sind die Frauen, die Trump umgeben: Seine Ehefrau Melania, seine Töchter und Schwiegertöchter. Sie sehen alle perfekt aus, Models im amerikanischen Maßstab. Und sie stylen sich auch so, wie jede Amerikanerin Weiblichkeit versteht: Tiefer Ausschnitt, vollbusig, kurzer Rock hohe Schuhe, langes lockiges Haar. Wer je „Let´s dance“ gesehen hat in den USA und nach 5 Minuten die Kandidatinnen und Eintänzerinnen nicht mehr auseinander halten kann, weiß dass es in den USA ein völlig einheitliches Schönheitsideal gibt, von dem niemand abweicht, das sich als maximaler Erfolg von Weiblichkeit universal von der Ost- zur Westküste etabliert hat. Und es scheint mir so, als gäbe das Orientierung in den für Frauen so neuen Zeiten der Emanzipation. Wer so aussieht kann Hausfrau sein oder Karrierefrau, Kellnerin oder Managerin: Frau hat dann einen absoluten indiskutablen Wert, den ihr niemand absprechen kann.

Es ist seltsam zu sehen, wie selbst in New York jede Durchschnittsfrau oder hart arbeitende Managerin versucht an dieses Ideal heranzureichen, wie sie, ob es ihr nun steht oder nicht, sich verkleiden, Haare anklebt, operieren lässt, um möglichst viele Punkte des Einheitsmaßes zu erfüllen. Die Machbarkeit als amerikanisches Kulturgut zählt dabei viel. Man ergibt sich nicht in das Schicksaal, holt raus, was möglich ist. Das wird nicht als künstlich, sondern als tuff und erfolgsorientiert empfunden.

Und: Männer geben Frauen ihren Wert, ihr sexuelles Interesse , steht über allen anderen Bewertung. Ob ein Mann Intelligenz, Fleiß, Erfolg, Fairness oder Häuslichkeit an einer Frau schätz: Immer soll sie so aussehen wie die Trumpfrauen. Das ist unabhängig vom Rest. Daher ist nicht nur von viele Männer Trumps Bekenntnis zum Grapschen als eher ehrliches Statement bewertet worden („Jeder Mann will doch schöne Frauen begrapschen…“). Sondern auch viele Frauen haben das als Kompliment gesehen, als Aufwertung. Wenn ein erfolgreicher Mann (und materieller Erfolg ist in den USA das Leitbild der Kultur) eine Frau begrapscht, dann muss das wirklich eine sehr sehr attraktive Frau sein, eine die aussieht, wie die Frauen, die Trump umgeben. Wer als Frau Macht haben will oder in die Nähe der Macht kommen will, muss so aussehen. Und wenn die Welt zusammenfällt: Diese Orientierung bleibt.

Doch denkt Frau mal länger drüber nach: Auch hier in Europa und überall anders auf der Welt, ist es immer noch selbstverständlich, dass Männer ständig und ungefragt ihr Urteil über Frauen fällen. Kaum ein Mann würde es umgekehrt ertragen, wenn er über seine Frisur, seine Kleidung, seine Figur oder seine Fitness täglich irgendeinen eindeutigen Blick (der Zustimmung oder Abwertung) oder Kommentar hören würde. Man stelle sich vor, Trump stände im Aufzug seines eigenen rosa-goldenen Marmor-Towers und eine Frau würde ihm zwischen die Beine grapschen. Oder eine Moderatorin würde ihm erklären, dass er sich ganz gut gehalten habe für sein Alter, ein paar Pfunde weniger wären aber trotzdem gut.

Vielleicht sollten wir Frauen als Protest gegen Trump und das Weltbild seiner Wähler und Wählerinnen mal nicht mehr hinter all dem Lob von Männern hinter her rennen, sondern selbst lautstark und ungefragt urteilen. Ab und zu ein „geht ja gar nicht“ oder ein „na Du sahst auch schon mal besser aus“ würde auch den schlimmsten Macho aus der Fassung bringen und zur Empathie zwingen.

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