Prometheus


Prometheus hatte den Göttern das Feuer gestohlen und zu den Menschen gebracht. Zur Strafe wurde sein Bruder mit Pandora verheiratet (einer aus Lehm geformten Frau), die den Menschen das Übel bringen sollte: Durch eine Büchse, die sie kurz nach der Hochzeit öffnete. So kam Leid und Tod und Krankheit und Mühen in die Welt und alles andere, worunter der Mensch noch heute leidet. Doch Pandora öffnete die Büchse noch ein zweites Mal und so entwich der letzte Inhalt: Die Hoffnung.

Der Philosoph Nitzsche hat behauptet, die Hoffnung wäre das größte aller Übel, weil sie den Menschen im Hamsterrad seines elenden Geschicks festhalte, weil sie ihm quasi immer weiter die Karotte seiner Phantasien vom besseren Leben vor´s inne Auge halte und das Elend gerade durch die Hoffnung so immer weiter gehe.

Die Warnungen vor Klimawandel und Überbevölkerung, vor (zukünftigen) Kriegen und Völkerwanderungen der Armen, vor Seuchen und Datenspionage und anderem Unheil begleiten uns dauerhaft. Die Warnungen vor Politikern wie Trump, sind grotesker Alltag geworden. Doch seine Wähler halten zu ihm, weil er ihnen eine absurde verlogene Hoffnung gibt.

Früher waren die Hoffnungen auf ein perfektes, luxuriöses Jenseits gerichtet, das all das Leid vergolden würde. Heute zeigt sich das Paradies in neuen glamourösen Louis-Vuitton-Stores und Porsche-Show-Rooms, im Traum vom Wohlstand oder sogar vom großen Ruhm, der gegen das Elend schützen soll. Er zeigt sich aber auch im Traum vom perfekten Partner oder im Anspruch an das perfekte, leistungsstarke Kind (siehe Blog von letzter Woche). Und viele verlieren ihr Leben dabei, weil sie ihr Leben lang diesem Traum hinter her rennen.

In der Philosophie gibt es sogenannte a priori Annahmen: Behauptungen, die nicht weiter begründet werden, von denen angenommen wird, sie sind grundsätzlich und daher wahr. Bei Kant war es z.B. der menschliche Verstand mit seinem kausalen, logischen Denken (in wenn-dann Zusammenhängen) und seinen Kategorien (was gehört mit was zusammen). Aber der Verstand war – im Gegensatz zu Kants Annahme – nicht das, was den Menschen eigentlich ausmacht. Heute wissen wir der menschlicher Verstand macht nur 5% der neuronalen Vorgänge im Hirn aus und er ist nicht zu separieren von den Emotionen, die wahr und falsch bestätigen, denn ob etwas logisch richtig ist, ist ein Gefühl.

Heute kann man behaupten die Hoffnung d.h. die Sehnsucht nach einen besseren Wohlbefinden ist a priori eine Eigenschaft des Menschen, etwas wovon man immer ausgehen kann. Sicher ändert sich der Inhalt der Hoffnung (früher war es die Hoffnung für immer satt zu werden, heute sind es diarröh-braune Handtaschen mit drei verschlungen Buchstaben). Auch unser Selbstwertgefühl ist stark an die Hoffnung nach Besserem gebunden. Als ich für mein letztes Buch („Mr. Right. Von der Kunst den Richtigen zu finden. Und zu behalten.“) in New York Erfolgsmenschen auf der Suche nach der Liebe interviewte, war der zentrale Satz, den ich immer wieder zu hören bekam: „Jeder hier hofft immer noch <was Besseres> zu finden.“

Die Hoffnung (auf Besseres): Angeblich das, was in der Büchse der Pandora als letztes zurück blieb und dann dem Menschen gegeben wurde, um sein Dasein zu ertragen… Es fragt sich nur, was wäre aus dem Menschen geworden, wenn es die Hoffnung nicht gegeben hätte, wenn sein Hirn sein Streben, seinen Selbstbild nicht darauf ausgerichtet wäre, ein höheres Wohlbefinden zu erlangen? Er wäre wohl als Mensch nicht vorstellbar. Und deshalb kann man sich darauf einstellen, dass es auch zukünftig diese elenden Populismus geben wird, denn nichts hat der Mensch bisher geschaffen, was seine Hoffnung so sehr anspornt und gefangen hält, wie überlegen zu sein, einfach so, weil man Deutscher ist oder Amerikaner oder Franzose. Das kann fast jedes emotionale Elend verblenden. Wer nichts hat, worauf er hoffen kann, hofft einfach so alles verdient zu haben, ist es auch noch so widersinnig

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