Die Banalität des Mr. Bannon

Gestern habe ich einen Brief bekommen, der mich dazu aufrief, einen Antrag zum Bürgerentscheid zu unterstützen: Die Stadt München, von Feinstaub belastet, unterhält auf dem Stadtgebiet ein Kohlekraftwerk, das ca. 20% der Luftbelastung verursacht. Man könnte es 2020 abschalten und alles wäre besser. Die Initiative geht von einer Hand voll Menschen aus, die ihre demokratischen Rechte nutzen, viel Einsatz und Zeit bereitstellen, um etwas zu verbessern, in ihrer Lebenswelt. Es gab mir das Gefühl: Die Menschen wachen auf, sie tun etwas, sie engagieren sich und motzen nicht nur.

Dann habe ich das Radio angemacht und die neusten Bedenklichkeiten über Donald Trump und seinen Chefideologen Stephen Bannon gehört: Sie erklären die kritische Presse zu Lügnern, Schädlingen des amerikanischen Volkes und sperren sie von Informationsgesprächen in Weißen Haus aus. Es ist mir selbst als Psychologin unerklärlich, wie man die Wahrheit so behandeln kann. Ich glaube durchaus, dass Donald Trump so narzisstisch gestört und ungebildet ist, dass er seine Weltsicht für die Wahrheit hält, vergleichbar einem Stammtisch, der die Welt in eigener narzisstischer Weise deutet. Aber Mr. Bannon ist schlau. Will er nur die Macht oder glaubt er, (vergleichbar dem Philosophen Heidegger oder dem österreichischen Schriftsteller Doderer während der Nazizeit), dass es etwas Höheres gibt, eine Art „Reinheit des amerikanischen Way of Life“ oder Reinigung durch Revolution, die es auch mit schrecklichen Mitteln des Krieges zu erreichen gilt?

Ich glaube, man kann nicht leben, ohne an eine bestimmte Wahrheit zu glauben. Selbst wenn man nach Macht strebt, muss man daran glauben, diese eigene Macht wäre das Beste für alle. Man kann nicht glauben, das die Wahrheit etwas anderes ist, als das was man tut, sei es auch mit unlauteren Mitteln, um die eigene Wahrheit umzusetzen.

Insofern glauben Trump und sein Trupp, selbst Mr. Bannon, an ihre seltsamen Verzerrungen, an ihre Zukunftsvisionen. Und deshalb glauben sie wohl wirklich daran, dass eine Zeitung wie die New York Times oder CNN lügen und dem Volk schaden. Egal, wie viele Bürgerinitiativen es gibt und Engagement für Umwelt und Demokratie und Frieden und Gleichberechtigung: Dass es Menschen gibt, die an etwas glauben, wie „America first“ und alles, was das bedeutet, die Selbsterhebung einiger Menschen über den Rest der Welt und die Leugnung der Tatsachenwahrheit, die dieser Selbsterhöhung immer entgegen steht, ist schlimm. Gerade, dass es solche Menschen gibt, zeigt wie wenig wir für etwas Höheres taugen, irgendeine Überlegenheit besitzen oder erreichen können – selbst, wenn wir gegen Kohlekraftwerke kämpfen und unser Leben in den Dienst des Guten stellen.

Unsere Banalität können wir nur selbstkritisch akzeptieren, um dann das Beste daraus zu machen. Alles andere ist Schrecken.

 

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