Die Hoffnung stirbt zuletzt



Was den Menschen am meisten schmerzt ist Hoffnungslosigkeit. Nimmt man Menschen die Perspektive auf ein besseres Leben oder immerhin ein besseres Leben für ihre Kinder, ist es das Ende jeder Toleranz und der Beginn von Unruhen und Revolutionen. Kann man in religiösen Gesellschaften den Menschen immer noch ihr Leid als Weg ins Himmelreich verkaufen, ist der Kapitalismus davon abhängig, im hier und jetzt andauernden Wachstum und Fortschritt zu schaffen, ein besseres Morgen bereit zu stellen.

Gerade können wir sehen, was passiert wenn es für viele Menschen dieses „bessere Morgen“ nicht mehr gib. Der Boden für abstruse und unsinnige Versprechen der rechten Populisten und nationalistischer Größenwahngedanken ist die Hoffnungslosigkeit. Die Abgehängt glauben, in ihrer existentiellen Verzweiflung, jedem, der ihnen ein noch so verlogenes besseres Morgen verspricht.

Denn der Mensch hat sein Bewusstsein mit dem Wissen um sein Leben und Sterben bezahlt. Er ist dadurch zum Narzissten geworden, der immer einem besseren (Über-)Leben entgegen streben will, sei sie auch noch so irreal (Paradies mit fliegenden Hähnchen, Vollbeschäftigung im Rust-Belt der USA, 72 Jungfrauen, alte Größe durch EU-Austritt, Reform der Harz IV Reform gegen den Auseinanderfall der Gesellschaft).

Die Menschen, die rechte Populisten gewählt haben, denken nicht daran, dass es auch noch sehr viel schlechter werden kann.

Unsere Erde als Heimat für 7,5 und bald 10 Milliarden Menschen lässt das diesseitige Wachstum aber nicht mehr zu: Es wird kein Morgen mit noch mehr Wohlstand für alle geben. Es sind einfache Rechnungen die diese Wahrheit bestätigen. Kaum einer will sie hören, keine Regierung und Wirtschaftsverwaltung richtet sich danach. Denn einhergehend mit unserer Hoffnung auf ein besseres Morgen, verkraften wir keine Verlust (das hat der Nobelpreisträger Kahneman schon festgestellt, in seinem berühmten Buch „Langsames denken, schnelles Denken“).

Man kann das Dilemma nur auflösen, indem man Umweltschutz zur gemeinschaftlichen Perspektive macht, zum Nationalstolz und Fortschritt, an dem alle, in kommunalen Gruppen und darüber hinaus, als Gesellschafts-Wert Teil haben – völlig unabhängig davon, was der Rest der Welt macht. Der Widerstand eines kleinen gallischen Dorfes gegen die Weltmacht der Römer, ihr eigener Weg zu leben und die Dinge zu sehen, hat nicht um sonst seit Generationen Menschen begeistern können.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.