Die PISA-Oper

Die Wiener Staatsoper leidet an schlechten Inszenierungen – trotz hoher musikalischer Qualität. Etwas Vergleichbares könnte man von den westlichen Demokratien behaupten: Auf vielen der demokratischen Gebieten ist Idee und Musik gut, die reale Inszenierung aber schlecht. Das verdirbt das Gesamtbild.

2005 und 2012 haben alle Hamburger Abiturienten die LAU absolviert (Lernausgangsuntersuchung). Beide Gruppen hatten den gleichen Lernstandart – obwohl es 2012: 33% ! mehr Abiturienten gab. Das Abitur und seine Leistungsanforderungen sind also nicht verwässert. Förderung war das erklärende Zauberwort. Zweiklassengesellschaft ist die Folge: Menschen mit und ohne Abitur.

Mittlerweile fängt jeder zweite junge Mensch in Deutschland ein Studium an, trotz wachsender Anzahl von Migrationshintergründen. Gleichzeitig erklären immer mehr Eltern ihre Kinder zu Hochbegabten, um irgendwie eine Exklusivität für sich herzustellen. Aber da gibt nach wie vor nur 2%, denn die IQ-Tests passen sich der Realität an: Der Durschnitt bleibt bei 100, auch wenn dafür heute viel mehr Kompetenz gebraucht wird, als vor 50 Jahren. Hochbegabt ist man erst ab 130 und da haben sich, trotz all der Förderung, eben immer nur 2% der Gesamtbevölkerung finden lassen.

Das Handwerk hat Nachwuchssorgen. Denn dort brauch man nämlich auch Abiturienten, da Klemptner oder Dachdecker ohne digital gesteuerte Maschinen und die Auswertung von Daten nicht mehr auskommen. Doch wer braucht noch all die jungen Menschen ohne Abitur? Sind das jetzt schon die AfD-Wähler von morgen?

Gleichzeitig können immer weniger Schüler gute von schlechten Informationen unterscheiden. Sie halten pauschal Statistiken für gut, so dass sie jeder Verschwörungstheorie oder gesponserten Info, die bunte Graphiken aufweist, Glauben schenken. Das Internet ist das beste Instrument, um Informationen zu bekommen, das wir je hatten. Doch die Menschen müssen heute lernen, gute von schlechten Informationen zu unterscheiden. Dazu braucht es, als Referenzrahmen, eine große Allgemeinbildung und den Willen zum „Selbstdenken“.

Wohlbefinden und Sozialkompetenz sind bei den Erhebungen von PISA übrigens erst seit 2015 dabei – werden aber erst 2017 veröffentlicht. Mal sehen, wie weit die gute Idee und die reale narzisstische Entwicklung hier wieder auseinander fallen werden.

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