Erdogan, Ritter der Kokosnuss

Es gibt in dem Film „Ritter der Kokosnuss“, von der britischen Komiker-Truppe „Monty Python“, eine Szene, die mir diese Wochen immer wieder in den Kopf kommt, wenn es um den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan geht.

Ein Ritter hat im Zweikampf verloren, ihm wurden beide Arme und beide Beine abgeschlagen, es ist nur noch sein Torso übrig. Und trotzdem schreit er immer noch seinem Gegner entgegen: „Nein, ich hab nicht verloren. Komm doch, komm doch Feigling, Du hast mich nicht besiegt“.

Was in dem ganzen Trubel um die Türkei letzte Woche nur eine Randnotiz war, zwischen all den Nazi-Vorwürfen und Vergeltungsdrohungen (die seit gestern auch die Niederlande betreffen): Die Türkei hat Deutschland gerade um Hilfe gebeten, weil der Tourismus am Boden liegt. Sie hat riesige Stände aufgebaut, auf der gerade laufenden Tourismusmesse in Berlin. Doch Deutsche haben nicht nur Angst vor Anschlägen in der Türkei, die Erdogan mit seiner Kurdenpolitik vermehrt hat. Sie lehnen ab in ein Land zu fahren, das die Demokratie mit Füßen tritt. Sie lehnen ab in ein Land zu fahren – und sei es auch noch so billig –, dessen Präsident die Deutschen als Faschisten beschimpft, wären er selbst gerade, wie aus dem Handbuch für Faschismus, sein Land in eine Diktatur wandelt. Ach was.

Auch Investoren ziehen ihr Geld ab, aufgrund der zunehmend unsicheren Lage. Und mittlerweile denkt sogar auch die EU darüber nach, ihre Beitrittszahnungen an die Türkei einzustellen. Na sowas.

Aber Erdogan schreit weiter. Und die Menschen, die ihn hierzulande wählen dürfen und die ihn in der Türkei wählen, halten das für „türkische Stärke“. Sie fühlen sich sonst als Menschen zweiter Klasse, als minderwertige Nation – besonders gegenüber den Deutschen. Und Erdogan vermittelt ihnen, dass sie die eigentlichen Sieger sind, die beste Nation, die es mit allen aufnimmt und jetzt können alle mal zittern, vor den Türken. So!

Das, was jedoch noch nie in der Geschichte der Menschheit geklappt hat, ist die bloße narzisstische Behauptung der eigenen Stärke, ohne dass das mit irgendeiner entsprechende Tat oder Handlung oder Verhalten begründet werden kann. Und was schon gar nicht klappt ist, ohne Hände und Bein weiter zu schreien: „Ich bin der Größte, ich werde Euch alle nieder machen, das wird noch Konsequenzen haben….“. Konsequenzen wird es sicher haben, denn kein Nationalgefühl verträgt einen leeren Geldbeutel. Gerade die, die von Behauptungen leben, mehr als vom guten Verhalten und Handeln, suchen dann ganz schnell einen Schuldigen.

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