#Face-it

Gerade gibt es einen neuen Hype: Darts! Was sich authentisch in verruchten Kneipen entwickelt hat (dicke Männer werfen stundenlang Pfeile auf eine langweilige analoge Scheibe), wird jetzt im großen Stil vermarktet: Wachsende Fanpartys, wilde Verkleidungen der Protagonisten, Merchandisingprodukte und eine Promi-Darts-WM. 

Doch was mich wirklich richtig wütend macht, zumal wir nun mindestens 3 Monate #Mettoo-Debatte hinter uns haben, ist wiedermal die herabwürdigende Deko: hübsche Frauen in kurzen Röcken und hohen Schuhen, die neben den zumeist glatzköpfigen, dicken Darts-Helden dummlächelnd rumstehen und sie beklatschen (und ich schreibe das hier extra betont äußerlich). Schon bei der Tour de France ist mir das nach jeder Etappe ein Greul, auch wenn da wenigstens die Sportler noch halbwegs knackig sind.  

Wenn ein Leser an dieser Stelle, ob der kritischen Äußerungen über das Äußere von Männern, einen kleinen Stich fühlt: Bitte das Gefühl gut merken. Frauen begegnet dieses Gefühl ein Leben lang.  

Gibt es irgendeinen Frauensport, wo bei der Preisverleihung nette knackige Männer in kurzen Hosen danebenstehen und die Frauen beklatschen? Sind Laura Dahlmeier oder Claudia Pechstein, zwei Ausnahmeathletinnen, je von Jünglingen in Glitzertops zum Podest geführt worden? Ich finde, wir können diese ganze #Metoo-Debatte sparen, wenn Frauen weiterhin bei medialen Ereignissen, bei denen sich Männer mit ihren Helden identifizieren (sollen), damit die Industrie weiter Millionengewinne einfährt, als „Beifallschlampen“ (wie es ein Freund von mir nannte) gezeigt werden.  

Dabei ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, jetzt wo der Kapitalismus den Sport zur Gewinnmaschine trimmt, bis auch die Spieler attraktiver und durchtrainierter werden. Ist ja kaum möglich, dass der optimierte Leistungsbürger sich nicht auch im Darts wiederfinden soll. Und trotzdem wird es wohl dann auch weiter die archaische Inszenierung der Helden, durch die Bewunderung schöner Frauen geben. (In spätestens zwei Jahren, müssen diese dann nicht mehr, wie auch bei Harvey Weinstein, so tun, als fänden sie die Männer, die sie da beklatschen, attraktiv.) 

Wirkliche Gleichberechtigung ist wohl erst dann erreicht, wenn junge Heteromänner eine #Metoo-Campagne starten, weil sie von Leistungsfrauen belästigt werden, sich ekeln vor grapschenden Frauenhänden, den schwabbeligen Frauenleibern ihrer Cheffinnen, geifernden Frauensprüchen, die ihre Macht ausnutzen, die sich junges muskulöses Fleisch in ihre Nähe holen, um die unansehnlichen alten männlichen Kollegen optisch zu neutralisieren.  

Wie gesagt liebe Leser: Gefühl merken, das sich einstellt, wenn über das eigene Geschlecht derart (und meist ungebeten) geurteilt wird! Und wer das jetzt unangebracht findet: Viele Frauen erleben das im Leben solange, bis sie zu alt werden, für die Gier der Männer, für den Posten als Beifallschlampen, als Bewunderin von geprotzten Heldentaten – weil die Männer sich dann Jüngeren zuwenden (ohne selbst jünger oder einsichtiger oder weniger dreist und eklig zu werden.) 

Und da es zahlreiche Beschwerde gab, warum in der #Metoo-Debatte sich nicht mehr Männer eingeschaltet haben: Ich denke mal, die meisten Männer können es nicht nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Leute, degradiert und abgewertet, inszeniert werden oder – weit schlimmer noch – wenn man, korpulenter und älter und unansehnlicher, beleidigt wird, weil man nicht mehr in das Bild der Beifallschlampe passt. Und ich weiß jetzt schon mit Sicherheit, dass der ein oder andere Shit-Post mich erreichen wird, von männlichen Lesen, die mir tröstend erklären a.) ich hätte so einen Zynismus doch noch gar nicht nötig. Oder hämisch schreiben b.) so wäre das nun mal „in der Natur“ für ältere Frauen.

Dabei ist sind diese ungefragten Bewertungen und Urteile das eigentliche Problem: Ich habe nicht nach einer Beurteilung über mein Äußeres, meine Sexyness gefragt! Denn jenseits dieser Zeilen gebe auch ich nicht ungefragt über Euer Äußeres ein Urteil ab. Es steht nieManndem zu!

#Face-it!

 Meine Texte können, als meine Leistung, dagegen gerne jederzeit kritisiert werden.

 

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