Fake-Olds. Oder: BlaBla-Möhrchen


Wotan Wilke Möhring sagt im neuen Werbeheft von Red Bull, das aussieht wie eine Frauenzeitung für Männer: „Wer neugierig bleibt, führt ein erfülltes Leben“. Er macht Fallschirmspringen und hatte eine Begegnung in Mexico mit einer Giftschlage. Mehr Klischee geht nicht. Während die „toxische Männlichkeit“ diskutiert wird, die die Gleichberechtigung und unseren Planeten zerstört, feiert eine zuckersüße Limo weiterhin die „Allzweckwaffe“ Männlichkeit. Umringt von Fotos mit Motorädern, Rennautos und halbnackten jungen Frauen (alles Powerfrauen, natürlich, das braucht Mann von heute, denn der Sieg wächst mit der Kraft der Besiegten, der man doch immer noch zeigen kann, wo´s lang geht).

Hach ja, und dann reiht sich im Laufe des Interviews Floskel an Floskel, wie in den dämlichen Liedern des neuen deutschen Pop. „Von Gewohnheiten muss man manchmal Abschied nehmen; Chaos tut auch mal gut; neuen Dingen muss man offen begegnen; Sport stößt den Geist an und man kommt auf andere Gedanken; der Wert eines Menschen hat nichts mit seinem Äußeren zu tun; es kommt aufs Innenleben an; niemand hat das Recht zu sagen, wie man sein soll; etwas aus erster Hand zu erfahren, ist besser als Halbwahrheiten wieder zu kauen ….“(ach was!).

BlaBla ist lange schon- viel länger schon als Fake-News – zum Standard geworden; Marketing regiert die Wahrheit des Alltags. Wenn man alle diese Floskeln mal mit Inhalt, Handlungen füllen würde, wäre die Welt eine bessere. Doch so ist es nicht. Nicht nur im Politischen werden Worte nicht zu Taten, der Diskurs geht an der narzisstischen Verhaltens-Wirklichkeit völlig vorbei. Insofern ist das ganze Life-Styl-Gerede auch nur Fake, Fake-Olds um genau zu sein.

Wilke Möhring sagt nicht: O.K. Jungs, es kommt ein neuer Film mit mir raus und ich will natürlich, dass alle da rein gehen und deshalb erzähl ich mal, worum es da geht. Der Regisseur ist ein Arsch, hat aber Ahnung von Drehbüchern und es war der Horror mit Kollege xy zu drehen, das ist ein dämlicher Narziss, das kann ich z.B. mit folgender Szene belegen … so oder so ähnlich. Wahrscheinlich würden alle den Film sehen wollen, denn seltsamer Weise stehen viele Menschen auf Ehrlichkeit oder vielmehr nervt sie dieses ewige Lifstyle BlaBla.

Das gilt natürlich nicht, für Menschen, die gerne deutschen Pop hören, wo immer mit Pseudo-Tiefgang von irgendwelchen Horizonten gesungen wird, wo dahinter alles anders ist und endlich die Freiheit lauert. Doch wer das glaubt oder auch nur hört, ist alles, aber nicht frei. Denn Freiheit und LifeStyle BlaBla schließen sich aus: Das eine erträgt man nicht, wenn man weiß, dass Freiheit von täglichen unbequemen realen Handlungen abhängt und nicht von Utopien und Horizonten. Und darüber hinaus verfestigt LifeStyle Blabla nur die Fremdbestimmung. Wer sowas liest, hört und ernstnimmt (und warum sollte man es sonst lesen und hören, es sei denn man will sich mal wieder so richtig aufregen oder es gibt zwischen Berlin und Frankfurt einfach keinen anderen Radiosender), hat ein Problem. Es ist das Problem der westlichen Kultur, die ihr Leben an Pseudofreiheiten misst und glaubt die Politik ist schuld, das man nicht so leben kann, wie in den Magazinen.

Unser gesamtes Getwitter und Gefacebooke ist voll von diesem BlaBLa, Floskeln von der Suche nach Lebensinhalt, aber bitte nicht zu unbequem. Und wehe man konfrontiert die Menschen mit ihren Heile-Welt-LifeStyle-Lügen…. Wir sind ja alle so nett, lieb, lustig und wollen nette und interessante Leute treffen… Sehen Sie liebe Leser: Manchmal bin ich regelrecht froh um Donald Trump und seine Fake-News. Er erhöht den Druck, auf all diese BlaBlaler, mehr zu werden, als Klischees.

 

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