Freiheit und Frieden

Wir sollten so schnell wie möglich selbstfahrende Autos im Straßenverkehr einsetzen. Denn mit diesen wäre ein terroristischer Anschlag auf Passanten unmöglich: Weder Islamisten (wie in Spanien, Nizza, Berlin), noch Rechte (wie in der USA) könnten in ihrem Größenwahn ihre angeblichen Gegner der eigenen Größenphantasien einfach tot fahren. Die Autos würden einfach vor jedem Hindernis automatisch stoppen.

Aber selbst nach der Attacke in Charlottesville diese Woche, nach Trumps offenem Bekenntnis zu Rechts, würden ihn immer noch 34% der US-Bürger wählen. Das heißt, sie finden es o.k., wenn mit Gewalt rechte, nationalsozialistische Ideologie umgesetzt wird, Demokraten niedergemetzelt werden.

Allgemein begegnen mir in vielen Statistiken, die sogenannte „Fail-Outs“ erfassen (also Menschen, die scheitern, herausfallen aus einem kompromissbereiten, reifen, konfliktlösenden Verhalten, aus normalen bisher gekannten Lebensumständen oder dem, was wir dafür bisher gehalten haben), eine 35-50% Gruppe. Das heißt, extremes Verhalten ist ca. bei einem Drittel bis zur Hälfte der Bevölkerung verbreitet. Das Wählen von Donald Trump zähle ich dazu, aber auch die narzisstischen Auffälligkeiten bei Kindern in Deutschland (34%) und natürlich das ihrer Eltern, die dafür verantwortlich sind. Man kann mittlerweile davon ausgehen, dass ein Drittel der Menschen in westlichen demokratischen Staaten eigentlich keine gesunden Beziehungen führen und 35-50% der Ehen scheitern werden (je nach Wohnort), mit langwierigen psychologischen und finanziellen Folgen. Wohl 47% der Menschen werden in den nächsten Jahren vom Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht werden. 50% sind zu dick und 25% sogar im Bereich von Adipositas, also krankhaft übergewichtig, mit entsprechenden Folgen für ihren Körper und das Gesundheitssystem. Und Frauen bekommen nur halb so viel Rente wie Männer und über 30% werden zukünftig von Altersarmut betroffen sein (gerade sind es schon über 20%).

Es scheint also so, als ob mindestens 1/3 der Menschen mit den Umständen der westlichen Kultur nicht gut zurechtkommen: Sie essen falsch, erziehen ihre Kinder falsch (reproduzieren die Probleme also), führen ihre Beziehungen falsch und sind nicht gut genug qualifiziert, um weiterhin nicht durch Maschinen ersetzbar zu sein (dazu gehören auch viele Juristen, Bauingenieure etc.) oder ausreichend Rente zu bekommen. Und dabei sind die wachsenden Gruppen der Süchtigen und Süchte, Kindesmisshandlungen, die oft durch den Lebensfrust verursacht werden, noch nicht einbezogen, genauso wenig, wie psychische Probleme, die zunehmend diagnostiziert und behandelt werden. (Hier ist sowohl die Dunkelziffer groß, aber auch die Verfälschung durch schlechte Erhebungen aus früheren Zeiten, die zum Vergleich stehen).

Was wird aus diesen Menschen, in einer von Menschenrechten, von Würde und dem „Streben nach Glück“ bestimmten Kultur? Lange dachten wir, es muss nur genug politische Freiheit geben und dann wird alles gut, die Menschenrechte, demokratische Freiheit mit kapitalistischem Wohlstand, ermöglichen direkt das Glück der Menschen. Vertragen diese Menschen die Freiheit nicht? Kommen sie nicht damit klar sich zu mäßigen, willensfrei ihr Verhalten, ihren Umgang mit ihrem Körper, mit ihren Kindern und Partnern selbst zu maßregeln, zu verbessern, wenn das keine moralische oder politische Instanz mehr tut? Es ist erst seit 70 Jahren möglich, dazu Beobachtungen zu machen: was anhaltender Wohlstand, die konstante Versorgung der Primärbedürfnisse mit Menschen macht, was passiert, wenn sie Möglichkeiten der Lebensgestaltung erhalten.

Die Gegenfrage ist natürlich die: Ging es den Menschen vorher besser? Sicher nicht. Hunger, Patriarchat und Kirchenmoral sind sicher nicht die Lösung. Vielleicht gibt es gar keine Lösung. Vielleicht gab es die 35-50% Regel schon immer: schon immer kam das untere Drittel der Menschen arm-seelig, hilflos und sehnsüchtig nicht gut zurecht mit dem Leben und weitere 15% hatten berechtigte Angst, dorthin abzurutschen, mussten hart kämpfen, um Würde und Selbständigkeit, Gesundheit und etwas Lebensstandard zu wahren. Doch dazu gibt es keine statistischen Erhebungen, sie sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

Und die Moral von der Geschicht? Sigmund Freud hat mal gesagt, dass das Glück der Menschen im Schöpfungsplan der Welt nicht vorgesehen ist. Trotzdem haben wir im neuen Jahrtausend eine wirklich neue einmalige Situation in der Menschheit. Maschinen und Datenanalysten machen zunehmend alle Arbeit. Der Mensch könnte frei sein – so unbestimmt er sich das immer vorgestellt hat. Er müsste neue Umverteilung, Verhaltensregeln und einen antimaterialistischen Sinn, anti-materialistische Statussymbole schaffen, ein soziales freundliches Miteinander, statt ein konkurrierendes Gegeneinander. Doch dazu müssten wir uns unseren Narzissmus selbstkritisch eingestehen, Regeln gegen größenwahnsinnigen Narzissmus und Wachstumsstreben finden, die Träume von etwas Höherem (außer einem friedlichen, gerechten Leben) aufgeben.

Vielleicht bricht ja, bevor die mindestens 34% Nationalisten und Islamisten etc. weiter ihre unheilvollen Gedanken der Zerstörung anderer vorantreiben, das Zeitalter selbstkritischer Bescheidenheit aus. Aber politisch-korrekt wegdiskutieren lassen sie sich sicher nicht mehr.

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