Gelikte Weihnacht all überall

Im Radio hörte ich dieser Tage Backanweisungen für Hundekekse zu Weihnachten. Direkt danach wurde verkündet, das Trump die amerikanischen Atombomben nachrüsten will: Kosten 1 Milliarde Dollar. Beide Informationen auf einem ARD-Sender – also nicht postfaktischer, sondern seriöser Journalismus.

Gleicht das eine das andere aus? Ist die private kuschelige westkapitalistische Welt ein Bollwerk gegen die wachsende Bedrohlichkeit? Oder bedingt das eine das andere? Sind die millionenfach gelikten Katzenbilder im Netz mitschuld, an den Milliardenkosten für neue Atombomben?

70 Likes auf Facebook braucht es, um genaue Persönlichkeitsprofile zu erstellen, die findige Wahlberater in Donald Trumps Wahlsieg verwandet haben. Fakenews zeigen dabei deutlich, wer sich mit seiner Wut am besten manipulieren lässt.

Zwischen Bestätigung und Aufmerksamkeit auf der einen Seite und Manipulation und Ausbeutung auf der anderen Seite, müssen wir unsere Identität im Zeitalter des Internet behaupten. Diversität gegen Ressentiment scheint sich als Grenze dabei einmal um den Erdball ziehen.

Selbstreflexion der eigenen emotionalen Muster kann man jedem fürs nächste Jahr empfehlen. Und: Die kuschelige Nische der netten Neutralität wird nicht mehr reichen, um darin weiter zu leben. Sie bedroht sich selbst. Sie ist längst durchdrungen, von den Interessen der Menschen, die daraus aktiv ihren Nutzen ziehen – leider nicht zum Nutzen von Frieden und Sicherheit und nachhaltigem Leben.

„Das Private ist politisch“, pflegten die 68er zu skandieren. Sie hängten die Klotüren in den Wohngemeinschaften aus. Heute sind die Türen an den Köpfen längst ausgehängt: Facebook weiß besser, wer wir sind, als unsere engsten Angehörigen – und sogar als wir selbst. Wir sollten dringend mit Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung nachrüsten, sonst ist das Politische bald zu 100% das Private.

Wer also Weihnachten liked, sollte direkt danach Adolph Hitler googeln. Das verwirrt sie.

 

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