Gleichwertigkeit first

Diese Woche war ich einmal beim Beach Boys Konzert und zum anderen bei den Skatebord Meisterschaften in München. Zum einen stand ein alter Mann auf der Bühne, der vom Surfgefühl des Wellengleitens sangen und den tollen Autos und Mädchen seiner Jugend. Zum anderen sprangen junge und sehr junge Männer auf rollenden Brettern über Rampen. Beides ging es um: Jugendkulturen, Fun, Lifestyle, das, was das Leben sein sollte. Beide Male waren Mädchen: Zweitrangige Menschen, Dekogegenstand, Zuschauer, immer nur im Plural (nie als Individuen).

Besonders auffällig wird dieser Sachverhalt, der sich zwischen 1961 und 2017 nicht geändert hat, wenn man sich das umgekehrte Szenario mal vorstellt: Ein Haufen Frauen machen coole Dinge, Surfen, Skaten und werden dabei von Männern begleitet und beklatscht. Und die Mädels würden diese Jungs nur als Masse wahrnehmen, nur von hübschen Jungs sprechen, wenn sie Jungs meinen und alle anderen ignorieren.

Es mag seltsam sein, dass jemand sich an etwas stößt, das scheinbar nicht zu ändern ist. Jungs machen nun mal ihr Ding, wollen cool untereinander sein und Mädchen außen vorhaben, sie beeindrucken, aber niemals sein, wie sie. Niemals würden sie nur bewundernd dabei sitzen, sich nur in hübsch und weniger hübsch klassifizieren lassen, ohne irgendeinen persönlichen, identitären Aspekt, wie Autos eben, Gegenstände, die am Rande des coolen Mädchenleben stehen.

Ebenso wenig, wie ich weiß, wie es ist schwarz zu sein oder körperlich behindert (und daran nichts ändern könnte), wissen Männer, wie es ist, im Alltag tausendfach benachteiligt, zweitrangig, ja abgewertet zu werden. Wenn man auf die 50 zugeht, hat man es in vielen vielen Kleinigkeiten (wie einem Beach-Boys-Konzert und einem Skatebordnachmittag) so oft erlebt, dass man müde wird, von diesem Kampf, um echte Gleichberechtigung, Gleichdenke, Gleichwertigkeit. Besonders wenn man sein Leben wirklich erfolgreich auf die Reihe gebracht hat, trotz dieser Widerstände, die bei Mitschülern, Schullehrern, Sporttrainern anfangen und Kollegen, Uniprofessoren, Schwiegervätern, Ärzten, Handwerkern, Bankangestellten aufhören, frustriert diese Dauerabwertung. Und es hört scheinbar nicht auf, auch nicht in der nächsten Generation.

Ich kritisiere selbst oft Frauen und eigentlich immer, wenn sie sich in diese alte Minderwertigkeit fügen, versuchen durch angebliche Schwächen zu profitieren, Männern die Macht lassen, um sich nicht anstrengen zu müssen. Ich versuche andere niemals grundlos, weil sie zu irgendeiner Gruppe gehören, abzuwerten. Vielleicht liegt es in unseren Genen, dass wir mit Gleichgeschlechtlichen eine bestimmte Form von Gemeinschaften bilden, wo wir uns besser verstehen, zusammenhalten. Aber wieso, bitte wieso, muss man die andere Gruppe, nicht nur ausschließen, sondern pauschal zum Beiwerk, Gegenstand, zur Zweitrangigkeit machen? Warum kann man nicht jemand sein und jemand anderes darf gleichwertig sein?

Das gilt übrigens auch für die Weltpolitik. Warum muss America first sein? Warum heißt es nicht: America is great like others?!

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