Great again – great ever

Der Spiegel hat seit einiger Zeit eine interessante Kolumne. Sie heißt: „Früher war alles schlechter“ und beweist, wie oft wir uns mit unserem Gefühl täuschen, gegenüber den Fakten, den statistisch bewiesenen Zahlen.

Kürzlich wurde dort gezeigt, dass 81% der Trump Wähler davon ausgehen, dass das Leben in den USA vor 50 Jahren besser war. Das mag erstmal nicht erstaunen. Doch beim näheren Hinsehen zeigt sich dazu, dass nur 19% von Hillary Clinton Wähler das auch so sehen. Man kann an so einer statistischen Relevanz wirklich sehen: Trump Wähler sind Nostalgiker. Sie Glauben an den Satz: „Make Amerika great again.“

Doch was war denn „so geat“, in Amerika vor 50 Jahren? Der Vietnamkrieg tobte, Rassenkonflikte waren im vollen Gang, es gab mehr Selbstmorde, Drogentote, Kriminalität, Morde. Die Leute starben 9 Jahre eher, hatten weniger Bildung. Sogar die Armut und Arbeitslosigkeit waren größer, im guten alten Amerika der 60er und 70er Jahre.

Das Gehalt des Mittelstandes in den USA ist erst seit 2008 stagniert bzw. gesunken. Doch niemand möchte die USA von vor 10 Jahren zurück.

Nostalgiker scheinen ihr Gefühl vom „besseren Früher“ also nicht an diesen Zahlen fest zu machen, wahrscheinlich nicht mal in erster Linie an diesen Parametern. Wahrscheinlich trauen sie nicht falschen Kriminalitätsraten und Drogenkonsum hinter her, sondern einem Optimismus, Perspektiven, einem klaren Schwarz-Weiß (im direkten und im übertragenen Sinn). Sie trauern um selbstverständliche Rollenbildern und Wirtschaftswachstum.

Was macht die Demokraten-Wähler also so viel positiver, in ihrer Einstellung der Gegenwart bzw. Zukunft gegenüber? Die Technikgläubigkeit? Die Freiheit von alten Rollenbildern? Das wäre dann eigentlich Selbststärke (bei den Hillary-Wählern) gegen Un-Selbst-Ständigkeit (bei den Trump-Wählern).

„Wir müssen von psychischen Schalentieren zu psychischen Wirbeltieren werden“, hat der Hirnforscher Gerald Hüther gesagt. So sind es nicht Arbeit und Rollenmodelle, die Amerika „great again“ machen. Es ist psychische Reife und Selbstreife, gemessen in Eigenverantwortung, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit. Das lässt sich schwerer in Zahlen und nicht in Wirtschaftsdaten ermessen, sondern im nachhaltigen Wohlbefinden, tragenden Beziehungen, einem erfüllten Leben.

Demnach können Nostalgiker eigentlich nie in der Gegenwart ein großartiges Leben haben.

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