Kreuzfahrer

„Wir zerstören das, was wir suchen, indem wir es finden“, hat Hans Magnus Enzensberger schon 1958 gesagt. Heute wird dieser Satz an vielen Stellen überdeutlich. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, wo alle herum hetzen, Geld für Geschenke ausgeben, dass sie nicht haben und die die Beschenkten zumeist nicht brauchen, wird genau das, was wir an Weihnachten gut finden (Besinnlichkeit, stressfreies Zusammensein, Ruhe) zerstört.

Reiseziele wie Mallorca, Venedig, Barcelona, Berlin gehen mittlerweile mit harten Gesetzen und Vorschriften gegen diese Zerstörungen von dem, was wir suchen vor. Es darf kein Wohnraum mehr für Touristen verwendet werden, es gibt Ökosteuern und Kreuzfahrtschiffe werden massiv reduziert. Die Menschen müssen vor sich selbst geschützt werden. Denn jeder Aufruf zur Vernunft ist gescheitert: an narzisstischer Rücksichtslosigkeit und Bequemlichkeit.

7,5 Milliarden Menschen suchen frei das schöne erfolgreiche Leben – und zerstören diesen Planeten. Das gestehen uns ausgerechnet die Menschenrechte zu: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ Das ist der erste Artikel der Menschenrechte. Leider ist er ungenau und falsch. Er definiert nicht, was Freiheit ist, denn nur weil man niemandem anderem gehört, gibt es zum Thema Freiheit unendlich viel mehr zu sagen. Und dass wir alle mit Vernunft und Gewissen begabt sind, ist schlichtweg falsch bzw. sinnlos, wenn unsere Vernunft und unser Gewissen keine Wirkung auf unsere Handlungen haben.

Wenn wir nicht so im unfreien Konsumstress wären und unser Verstand irgendeine Macht hätte, könnten wir das alles jetzt und hier ändern und den Menschenrechten gerecht werden. Tun wir aber nicht. Hoffentlich wird es irgendwann mal ein Gesetz geben, dass Weihnachten vor uns schützt, um unser selbst willen.

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