Matrix. Oder: Zum Glück sind wir Narzissten


In dem Film Matrix wird der Held Neo aus der Fremdbestimmung der Maschinenherrschaft, die in sein Gehirn ein Schein-Leben einprogrammiert hat, gerettet und in die reale Meta-Welt gebracht. Doch die echte Welt hinter der programmierten Schein-Welt, in der man gegen die Maschinen kämpfen muss, ist ein trostloser Ort. Hier, wo Körper und Geist vereint sind im echten Leben, scheint das Leben ein einziger Kampf zu sein, voller Selbstzweifel und Ängste und Erwartungen anderer Menschen.

Der Film Matrix, der dem Leib-Seele Dualismus der Aufklärung folgt, kommt aber trotz (oder gerade) durch seine ganze Trostlosigkeit nicht ohne Utopie aus, um (tiefenpsychologisch) zu funktionieren: Neo ist „der Erlöser“, „the One“, ein vielbewunderter und beachteter Retter der Welt, der Hero, der am Ende das schöne Mädchen bekommt. Er trainiert seine Geisteskraft zu einer Art höheren Intelligenz voller übernatürlichen Fähigkeiten und bleibt dabei gerade zutiefst menschlich. Letztlich hat er nur die Wahl zwischen der Fremdbestimmung durch den „Heldenkult“ oder die Fremdbestimmung durch die Computer.

Um Menschen zu werden, müssten Maschine Narzissten werden, einen Lebenstrieb haben, der bewusst-narzisstische Strategien einschlägt. Doch dazu müssten sie eben: leben. Sie müssten herangewachsen sein, mit individuellen Erfahrungen, die sie körperlich erleben, in der sozialen Gemeinschaft und die durch Emotionen eine narzisstische Wertung erfahren. Denn wir sind und bleiben alle ein leben Lang Narzissten – einige sogar mit einer narzisstischen Störung. Das fällt dann auf. Doch auch der Rest von uns verfolgt seine zutiefst narzisstischen Ziele vom besseren (Über-)Leben, mehr Status etc.

Maschinen kommen dagegen fertig auf die Welt, selbst wenn sie dann Menschenverhalten versuchen zu kopieren. Sie können Menschen aber immer nur nacharmen: Das Leben, das von sich aus (aus dem großen X heraus) leben will, ist eben das: Leben – und keine Rechentechnik. Es ist eine auf spezielle Art gewertete Energie, in menschlicher Organisationsform. Sie ist geltungslogisch, wirklich und findet evolutioniert und intersubjektiv statt – ohne logische Intelligenz, aber mit der narzisstischen Intelligenz des Lebens. Aus einer Ursuppe von Molekülen entsteht unendlich variables Leben – doch nicht aus Bits und Bytes. Zellen und komplexe Zellorganismen sind das Resultat von Leben – und nicht seine Ursache.

Computer sollen dagegen genau das nicht sein: narzisstisch. Sie imitieren Narzissmus nur und haben gerade dann keinen Sinn, denn sie sollen uns in unsrem Narzissmus-Streben helfen. Sie sollen logisch funktionieren, um geltungslogisch Sinn zu machen: Sie müssen berechenbar sein, um uns zu helfen.

Versucht man umgekehrt ein biologisches System (den Menschen) zu berechnen und diese berechneten Daten als künstliche Intelligenz aufzubereiten, stolpert man über drei Denkfehler:

1.)Maschinen machen andere körperliche Erfahrungen als evolutionierte menschliche Körper.

2.)Leben ist keine Anzahl von interagierenden Molekülen. Es ist irgendetwas mehr (das große X).

3.)Biologie und Bio-Tec sind ein menschliches Erkenntnissysteme, beschreiben vom Menschen erkannte und gewertete Muster. Sie sind von unserer narzisstischen Qualität verzerrt und nicht absolute Wahrheit.

Menschen entsprechen nicht intelligenten Systemen, die mit Erfahrungen Informationen sammeln und aus Rückschlägen und Fehleinschätzungen lernen, Muster erkennen und Lösungen finden. Unsere Synapsen, die unsere Neuronen verknüpfen, bilden sich nicht durch Lernerfahrungen, die als Information eingespeichert werden. Sie bilden sich durch die körperliche Erfahrung im Raum, emotionale, „narzisstisch-lebenswillige“ Wertung und Erfahrungsverarbeitung, die prinzipiell auf unser individuelles Selbstwertgefühl als (Über-)Lebens-Barometer ausgerichtet ist.

Ein Algorithmus ist nur so gut, wie die menschliche Wertung, die er errechnen soll, wie die Über-Lebens-Wichtigkeit und Richtigkeit der Daten, die man ihm einfüttert. Er kann das nicht eins zu eins ersetzen.

(Auszug aus meinem Buch „Willensfreiheit, Wahrheit und Narzissmus“, das nächstes Jahr erscheinen wird.)

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