Nazis im Weltall


Keine politische Massenbewegung hat sich so stark auf übernatürliche Denkbilder, Esoterik, Astrologie und Okkultismus gestützt, wie der Nationalsozialismus. Führende Nazis waren dem Hellseher Erik Jan Hanussen verfallen, Hitler selbst schickte 1934 einen Wünschelrutengänger durch die Reichskanzlei, zum Aufspüren von gefährlichen Strahlungen. In Berlin gab es ein Institut der Kriegsmarine für paranormale Begabte, wo über Meereskarten die Position britischer Schlachtschiffe ausgependelt wurde. Die SS versammelte 1943 am Wannsee 40 Hellseher. Heinrich Himmler ließ in alten Hexenprozessakten nach Belegen für die Überlegenheit der germanischen Rasse suchen.

Selbst das Weltall bekam eine nicht-jüdische Physik verpasst und sollte aus einem Kampf aus Eis und Feuer entstanden sein und die arischen Menschen aus göttlichem Sperma, das mit einem Meteoriten auf der Erde eingeschlagen war. Hitler, Himmler und viele andere Nazis fanden das überzeugend. (Wer das nicht glaubt, kann es jetzt wunderbar in dem neuen Buch vom Historiker Erik Kurlander nachlesen: „Hitler´s Monsters – A Supernatural History of the Third Reich.“, Yale Univerety Press, 2017)

Die Nazis träumten von einem Planeten, auf dem ein besseres, höheres Leben stattfinden sollte. Hier schließt sich der Kreis, zu Elon Musk, als großen Entrepreneur des Silicon Valley, der ab 2025 mit ausgewählten Menschen auf dem Mars eine bio-soziale Musterkultur schaffen will und dem Papst, der am 25.10.2017, zum Ende seiner „Katechesenreihe“ vom Paradies sprach, „als schönsten Platz überhaupt“.

Nach Jahrhunderten der Hybris und ihrer immer zerstörerischen Folgen, wäre eine „Philosophie der Selbstkritik“ durchaus angebracht. Doch unsere narzisstische Sehnsucht ist immer weiter dabei, neue „paradiesische Höhen“ zu erklimmen, eine zukünftige „totale Befriedung“ zu versprechen: mithilfe modernster Technik, Weltraumreisen, künstlicher Intelligenz, einer angeblich exakten Vermessung unseres Innenlebens (auf Basis unserer Netzdaten), für eine Art überirdische Leistungs- und Selbstoptimierung.

Und wieder steht uns also eine höhere, paradiesische Zukunft und scheinbar absolute Freiheit (von allem Übel) bevor – ohne zu vermerken, wie unfrei wir gerade durch diese innere Sehnsucht sind, wie manipulierbar wir gerade durch diese infantil-narzisstische Ansprüche an unsere Unsterblichkeit werden. Wenn wir die schwerwiegenden Probleme auf unserer Erde nicht in ihrer allzumenschlichen Grundlage erkennen und verwalten lernen, unsere vielgepriesene Vernunft in ihrer narzisstischen psycho-somatischen „Verankerung“ miteinberechnen, werden wir unser „narzisstisches Talent zur Selbstzerstörung durch Selbsterhöhung“ in jede andere Zukunft und Welt mitnehmen. Die Regierungsbildung in Berlin ist insofern nicht nur ein Symptom, sondern das Sinnbild unserer Grenzen.

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