Paris und die Welt

Paris zeigt, wie in einem Spiegel, den Zustand der Welt. Jedenfalls hat es den Eindruck, wenn man selbst von außen in diese Stadt kommt, um hier einen Monat zu verbringen (man ist nicht mehr Tourist und natürlich weit davon weg, Einwohner zu sein).

In der Sprachschule, die ich gerade besuche, mit all den Koreanern, Chinesen, Japanern, die sich mit der französischen Pronuntiation noch schwerer tun als Brasilianer und wir Deutsche, wird klar: Frankreich und vor allem Paris ist immer noch die vielbewunderte Kultur und Stadt, die das gute Leben, die Lässigkeit verspricht. Und deshalb gibt es so viele junge asiatische Designstudenten, die hier mühevoll und wahrscheinlich auch mit enormen Kosten, erst Sprache und Kultur und dann Design lernen. Doch eigentlich kann man das eben nicht lernen, dieses „je ne sait pas“, dieses „Savoir vivre“.

Deshalb stehen ihre touristischen asiatischen Mitbürger in der Galerie Lafayette Schlange, vor dem Guggi- und Hermes-Abteilungen, um Taschen für 4000 Euro oder mehr zu kaufen. Alle Welt ist in Punkto Status in der Mode: französisch. Und die jungen Studenten aus China und Korea wollen ähnliche Weltmarken kreieren, wie sie mir erklärten, um eines Tages Taschen im Wert von tausenden Euro nicht nur made, sondern designed in China oder Korea, zu verkaufen.

Doch wie entsteht so eine „je ne sait pas“-Wertgefühl für eine Tasche, so ein „savoir vivre“ der Lässigkeit in der Mode? In Frankreich ist es über Jahrhunderte entstanden, an den Fürstenhöfen, die den ersten Chic entwickelten und immer weiter überdrehten, wie sie die Kochkunst und die Lebenskunst entwickelten und über die Fürstenhöfe Europas expandierten – samt dem Subjonctiv, diese seltsamen Konjugation ins überdrehte Mögliche, die es in keiner anderen Sprache sonst gibt.

Was dabei auffällt: Alle asiatischen Kulturen halten die Franzosen (aber im Grunde alle Europäer) für unhöflich. In Europa ist man zu direkt, haut dem anderen seine Meinung um die Ohren, hat eine Streitkultur, die miteinander gegeneinander diskutiert. Das macht man nicht in Asien. In gesamt Asien? Ja, denn anscheinend gibt es dort weder in China, Korea, Japan etc. irgendein Dorf, dass in den Widerstand geht, nicht mal Fokushima. Man redet höchstens mit Gleichgesinnten im engsten Kreis, sich gegenseitig bestätigend in der gemeinsamen Meinung. Man zeigt seinen Status mit z.B. Handtaschen oder dem Studium der Kinder im Ausland: Jeder kann mit einem Blick sehen, wo der andere ökonomisch steht. Es gibt nichts anderes zu diskutieren.

Und bei Nachfrage, wie mit Problemen umgegangen wird: allgemeines Schultern zucken. Irgendein Politiker muss das regeln. Der hat den Status dazu.

Seltsamer, beängstigender Umgang mit den Problemen dieser Welt. Aber die Franzosen stellen auch nur Handtaschen her, die sie mit Lässigkeit über ihre Boulevards tragen, während alle anderen versuchen es ihnen nachzumachen, als gäbe es keine anderen Probleme. Macrons Beliebtheit stützt sich gerade schon nur noch auf den Chic seiner Frau….

 

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