Populäre Populisten

Was geht eigentlich in den Köpfen der neue Rechts-Wähler vor? Das werde ich immer wieder gefragt. Wieso blüht er immer wieder auf, der Populismus, ohne gefördert zu werden, während man für Demokratie und „das Gute im Menschen“ bewusst kämpfen muss? Warum ist Demokratie keine Selbstverständlichkeit, während  Populismus quasi „von Natur aus“ im menschlichen Verhalten verankert scheint? Zuerst mal: Was ist das eigentlich, Populismus?

  1. Populisten glauben, dass Homogenität (ein „reiner Volkskörper“, Rasse, Abstammung) alle Probleme lösen wird. Ein echtes, wahres Volk würde in einer Art unbestimmten Glückseligkeit, aus Wohlstand, Fairness, Zusammenhalt endlich das Leben führen, das „man verdient“.
  2. Das eigene wahre Volk ist anderen überlegen – von Natur aus – also in der genetischen Abstammung (früher hieß das Blutlinie) und durch seine darauf basierende Kultur.
  3. Das wahre Volk braucht keine Demokratie; es  funktioniert einfach so. Die guten Machthaber beschließen stets das Richtige für das wahre Volk. Es sind immer Männer. Frauen bekommen eine sekundäre Rolle als Dienstleister für die Männer (bestätigende Sexpartnerinnen, Mütter ihrer Kinder, Heimbewahrerinnen, Putzfrauen, Köchinnen). Und die Frauen des wahren Volkes wollen das auch so, denn es ist besser so und tut allen gut.
  4. Alle haben die gleiche richtige gesunde wahre Religion, Sexualität, Abstammung.
  5. Es gibt Feinde des wahren Volkes, Eliten und Schmarotzer, innen und außen, die das echte Volk unterwandern, schwächen wollen, zersetzen. Sie lügen und manipulieren Wahlen, um den wahren Volkswillen zu verhindern.

Wer das für dumm und albern hält, stellt sich selbst über dieses einfache schwarz-weiß Bild der Nationalisten – und befördert die Populisten genau durch diese pauschale unbegründete Haltung. Leider. Denn es fällt wirklich schwer, das seltsame Weltbild zu verstehen und die psychodynamische Funktionsweise dahinter.

Es braucht eine differenziertere Analyse dieser Selbst- und Weltsicht der Populisten, um ihrer Gefahr zu entgehen. Wenn wir nicht verstehen, was hinter dieser einfachen Ordnung, diesem Traum von „wir sind die Überlegenen, Guten“, die anderen sind die „schlechten, Neider, Verseucher“ steht, kann man es nicht auflösen. Vom dritten Reich bis zum Balkankrieg, vom USA Wahlkampf bis Polen und Ungarn, Frankreich, Sachsen, Brexit etc. tauchen seit einiger Zeit diese Parolen und Wählerstimmen wieder offensichtlich und als Massenbewegung auf.

Es sind so viele, weil die unreife, infantile Psyche ein weitverbreitetes Phänomen ist (und das ist hier als Fachdiagnose gemeint). Der einfache psychische Haushalt, einfache Orientierung, ein einfaches Gut und Schlecht, ist fürs Selbstwertgefühl erleichternd. Man sagt auch in der Psychologie: Es handelt sich um eine einfache Reizberuhigung d.h. eine kindliche Selbstberuhigung der Ängste und Überforderung. Dazu kommt: Die pseudowissenschaftliche Begründung. Man will die absolute Richtigkeit und Wahrheit des eigenen Standpunktes. Etwas soll „von Natur aus“, als gleichsam biologische Wahrheit des Schöpfers, richtig sein.

Infantil ist das also deshalb, weil auch kleine Kinder durch ihre Ohnmacht und hilflose Angst gerne einfache Gut-Schlecht-Regeln haben. Diese entsprechen der noch eingeschränkten Selbst-Entwicklung. Leider bleiben viele Menschen auf dieser Entwicklungsstufe aus emotionalem Notstand stehen, weil schon die Eltern kein reiferes Verhalten vermitteln konnten, dem Kind nicht das Gefühl gaben, es ist sicher und es ist wertvoll und es kann Verschiedenheit und Bedürfnisse anderer aushalten, ohne dass diese seine Existenz bedrohen. Stattdessen vermitteln diese unreifen Eltern Kränkungen und Demütigungen, werten andere ab, um sich selbst besser zu fühlen. Mangelnde Intelligenz, als mangelhafte Fähigkeit der Weitsicht, Abstraktion, Schlussfolgerung aus Erfahrung und Geschichte und mangelhaftes Empathievermögen (ich stelle mir vor, wie es den anderen Ausgeschlossenen geht) kommt oft noch dazu.

Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte ist der infantile Narzissmus an der Macht gewesen – und der Gerechtigkeits- und Wahrheitsanspruch der Unterdrückten hat dagegen getrommelt. Man stellt sich selbst immer als gut und überlegen dar, während man eigentlich durch diese Betonung schon bestätigt, dass es anders sein könnte. Erdogan ist ein trauriges Beispiel von „infantilem Narzissmus an der Macht“. Auch Trump, Le Pen und die AfD-Forderen sind vergleichbare infantile Narzissten. Hoffen wir auf die Mehrheit der Selbstreifen: Ob sie im Laufe der Geschichte, sozusagen als Kulturevolution, die infantilen Geister überwunden haben, auch oder trotz bedrohlicher eigner Lebensumstände von einer reifen erwachsenen Weltsicht nicht abrücken, werden wir in der kommenden Woche´sehen. 

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