Sozialdarwinismus unter Grundschülern

Nirgendwo mischen sich die verschiedenen Wahrheiten und Wissenshaften unserer Welt so sichtbar, wie in: Grundschulen. Diese Woche wurden wieder mal die neusten Studienergebnisse bekannt gegeben, die die Lesefähigkeiten der 6-10 Jährigen in Relation zu anderen Ländern darstellen. Das Ergebnis: Die Kinder lesen im Durchschnitt so gut, wie alle Jahre zuvor –, doch Deutschland ist in der Gesamtwertung stark abgefallen. Und das liegt – und hier wird es politisch heikel – an den Kindern mit Migrationshintergrund und an den Kindern aus sogenannten „sozialschwachen“ Familien.

Eltern aus besser gestellten Familien versuchen deshalb ihre eigenen Kinder zunehmend diesen „schlimmen Einflüssen“ der „schwachen“ (sozial- und überlebensschwachen) Kindern zu entziehen. Denn nicht nur, dass diese mal schlechtere Jobs haben werden und dem eigenen sozialen Netzwerk nicht dienen können: sie werden sich auch ungesünder ernähren und früher sterben. Wer also glaubt, der Sozialdarwinismus wäre vorbei und die Menschenrechte würde in Deutschland gelten, sieht sich am Beispiel der Grundschüler eines Besseren belehrt. Denn wenn es um die eigenen Kinder und ihre Möglichkeit in der Zukunft geht, ist alles linke Gedankengut der Bildungseliten hinfällig: An dieser Stelle darf auch die Mutter, die nur umweltfreundliche Produkte kauft und der Vater, der nur Fahrrad fährt und die Eltern, die für die Schulbildung der Kinder in Afrika viel spenden, gnadenlos die eigenen narzisstischen Interessen hemmungslos und ohne schlechtes Gewissen vertreten!

Und hier sind wir bei der FDP und dem Grund für ihre Ablehnung einer Regierungsbeteiligung. Schaut man sich nämlich das Wahlprogramm der FDP an, dann gibt es für das Problem der Leseschwäche und frühen Entscheidungen über ein ganzes Leben nur die eine Lösung, nämlich die guten Kinder noch mehr zu fördern, von jedem Verteilungszwang zu befreien und die schlechten haben halt Pech gehabt. Durch den zunehmenden Rechtsruck unserer Gesellschaft ist diese Denke hoch gefährlich geworden, denn – oh Wunder – die Abgehängten und Entwerteten, die Enttäuschten und Nicht-Sieger, beginnen sich zu wehren. Auch sie wollen keine Migrationskinder mehr, damit ihre eigenen Kinder wieder besser dastehen und besser gefördert werden. Würde die FDP ihre Politik umsetzen dürfen, würde der Riss in der Gesellschaft noch tiefer und der AfD würden noch mehr Wähler zulaufen, die offene Fremdenfeindlichkeit leben. Denn: Gerade die osteuropäischen Länder, die jede Zuwanderung ablehnen, haben enorme Fortschritte gemacht, bei den Leseleistungen ihrer Grundschüler.

Gerade läuft wieder oft das Weihnachtsmärchen von Dickens im vorweihnachtlichen Fernsehprogramm: Die arme Familie, ohne Chance auf Zukunft für ihre Kinder, wird vom reichen Geizhals, ohne Mitgefühl, weiter dem Elend überlassen – bis der Geist der Weihnacht im Traum zeigt, was am Ende aus dem Reichen werden wird, welches Elend auf ihn selbst wartet, durch sein Verhalten. So möge man fromm hoffen, dass Christian Lindner und seinen Wählern und allen Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen vor den sozialschwachen anderen Kindern schützen wollen, so ein Geist erscheinen wird, der ihnen zeigt, was aus der Welt und den demokratischen Nationen wird, wenn die Zweiteilung der Gesellschaft(en) voranschreitet. Sie können aber auch einfach mal in die USA fliegen oder ihren Fernseher anmachen und die Nachrichten schauen, statt Weihnachtsmärchen.

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