Umwertung statt Umvolkung

Donald Trump hat der englischen Premierministerin Theresa May gratuliert: Die Engländer hätten durch den Brexit die Chance nun wieder „ihre eigenen Identität“ zurück zu gewinnen. Die AfD in Deutschland spricht entsprechend von „Umvolkung“ und der Schande des Holocaustmahnmals für das Volk.

Was soll das sein? Was ist eine nationale Identität? 5 Uhr Tee? Bekannte Gebäude? Automarken? Und kann man für diese abstrakte Identität Schande empfinden? Was haben sie persönlich mit der eigenen Leistung zu tun?

„Die billigste Art des Stolzes ist der Nationalstolz. Denn er verrät … den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die man stolz sein könnte.“, hat Schopenhauer gesagt.

Vor allem verrät der Nationalstolz aber auch einen Mangel an gesunden reifen Selbststrukturen. Nur diese ermöglichen eine kritisch-objektive Einsicht in das eigene Gefühl von Minderwertigkeit und die einfache, schnelle „rauschhafter“ Aufwertung in der Gruppe.

Man könnte stolz sein auf den Sozialstaat, denn für den hat man direkt was geleistet, eingezahlt. Man kann stolz sein darauf, das vorhandene Bildungssystem optimal für sich genutzt zu haben. Man kann sich auch einfach nur glücklich schätzen, ohne Krieg und mit Gleichberechtigung zu leben, in einem Rechtssaat, mit einer wenig korrupten Executive (Polizei, Richter, Beamte), mit kostenlosen Schulen und Universitäten.

Wenn ich Kriegsmahnmäler sehe, wird mir vor allem das Leid der Menschen deutlich – und die psycho-somatische Natur des Menschen, der zur einfachen, schnellen Stärkung seines Selbstwertgefühls in der Gruppe, andere immer wieder für minderwertig erklärt, besonders, wenn er sich minderwertig fühlt und sonst wenig hat, um persönlich stolz darauf zu sein. Der Mechanismus des Ausschlusses ist zwangsläufig ein Thema bei Gruppenwesen. Die Zugehörigen müssen sich den Regeln der Gruppe fügen, um ihren Schutz und das gegenseitige Hilfspotential zu genießen. Deshalb wird es immer wieder zu dem einfach schnellen „weg mit den anderen“ kommen, um für sich immerhin etwas positive Bestätigung in der Gruppe zu bekommen – allein durch die Zugehörigkeit.

Doch das geschieht immer nur, wenn man für sich in der Gruppe keinen Wert mehr findet, den man sich sonst aneignen kann. Wenn alles auf Geld und Erfolg gebürstet wird, wird man aus Mangel an Bestätigung in dieser Hinsicht und aus Mangel an Alternativen eben die Ausgrenzung der anderen benutzen, um sich wenigstens noch eine Gruppenidentität zu verschaffen, ohne persönlichen Inhalt. Es bleibt nur noch ein: „Die anderen sind doof, minderwertig…ist so, weil ist so!“, da man selbst innerhalb der Gruppe als größte Lusche gesehen wird, als Abschaum, den niemand braucht und haben will. Fragt man diese Menschen, was sie denn persönlich beigetragen haben, zur Identität der Gruppe, bleibt nicht viel übrig. Denn wenn sie etwas hätten, was sie persönlich geleistet haben, dann bräuchten sie ja nicht den Nationalstolz.

Wir müssen also Möglichkeiten der Aufwertung schaffen, innerhalb unserer Völker, damit die Abgewerteten in unserem Volk, nicht mehr so tun müssen, als wären sie nur durch die Zugehörigkeit, schon besser als andere, die zu uns kommen.

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