Unlustige Witze

Paula White-Cain ist Trumps spirituelle Beraterin. Sie hat bei seiner Vereidigung, als berühmte evangelikale Predigerin, sehr blond und sehr einseitig, das Volk der Verunsicherten und Gespaltenen eingeschworen: auf ihre und Trumps calvinistische, neoliberale Weltsicht. Diese lautet: Gott bevorzug die Reichen; Reichtum ist ein Zeichen Gottes dafür, dass er den reichen Menschen besonders lieb hat. (Da es mehr reiche Männer als Frauen gibt, ist natürlich klar, dass die Männer Gott näher stehen, prinzipiell.)

Politische und religiöse Wahrheiten kann man wissenschaftlich überprüfen – selbst in der Religion. Also wenn man Gott, zumal den christlichen Gott, von seinem zentralen Element, der Nächstenliebe, aus betrachtet, kann es nicht sein, dass er Menschen wegen ihres Geldes bevorzugt. Er könnte sie wegen ihrer guten Taten bevorzugen, die sie mit dem Geld machen. Er könnte sie, wegen ihres kritischen Verstandes, ihrer Selbstkritik, trotz Reichtum besonders lieben. Aber dann würde Trump wohl eher nicht zu den von Gott besonders geliebten Menschen gehören und jetzt die Chance bekommen, noch reicher zu werden.

Im christlichen Gott war unsere „Geltungslogik der Menschenrechte“ vorangelegt. Doch missbraucht wurde dieser schöne Gedanke der Gleichheit und Gerechtigkeit aller Menschen (vor Gott und dem Gesetzt), stets von Menschen, die das andere glauben ließen, um sich zu bereichern. Trump und die anderen Eliten Amerikas sind da nicht die ersten.

Trump will ja das Geld von den armen Mexikanern nehmen, damit die reichen US-Amerikaner noch reicher werden können – ungestört von den Unterschichten ihrer eigenen Gesellschaft, die angefangen haben, zu protestieren. Für Trump gibt es demnach wieder Untermensch bzw. von Gott erwählte Amerikaner und den Rest der Menschheit. Das passt gut zur israelischen Außenpolitik. Auch hier begründet man, dass manche Menschen, also die eigene Gemeinschaft, wertvoller ist, als andere, durch Gott: Der will das so. Einfach so.

Wissenschaftlich gesehen sind wir erst mal alle Bewusstseinswesen. Aber dieses Bewusstsein, das Wissen, um unser Leben und Sterben, hat uns auch zu Narzissten gemacht, zum einzigen Wesen, das gezielt sein Leben verbessern will und kann. In der Gruppe bedeutet das immer Hierarchie, Status, Aufstieg. Wir wollen für uns und unsere Leute ein besseres Leben.

Insofern predigt Frau White-Cain den puren Narzissmus. Und leider bestätigt sie damit nicht so sehr Gottes Willen, aber das wissenschaftliche Modell der Neuro-Psychoanalyse vom Menschen. Letztlich ist Gott und Trump somit ein großer narzisstischer Witz. Aber keiner kann über ihn lachen, nicht mal Trump selbst. Denn großen Narzissten fehlt die Selbstironie, das macht sie so gefährlich.

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