Welcome to Fictionality

Nun ist Donald Trump also seit einem Jahr gewählter Präsident und seit 10 Monaten im Amt. Das ist Realität. Und die Welt ist noch nicht untergegangen. D.h. es gibt nicht weniger Atombomben, Kriege, Hungersnöte und Klimaerwärmung. Wir fliegen immer noch Co2 haltig durch die Welt, kaufen immer mehr und größere SUVs und es fallen immer noch täglich mehr Jobs der Digitalisierung zum Opfer. Arme bleiben arm und ihre Kinder haben weniger Chancen. Und Glyphosat und andere Gifte landen weiter in rauen Mengen auf den Äckern und in unserem Essen. Aber daran ist nicht Donald Trump schuld. Das haben wir in unseren westlichen demokratisch-kapitalistischen Kulturen genauso vor ihm gemacht, und es würde sich nichts daran ändern, würde er morgen abgewählt. Denn, wie er, sind wir alle gierig nach mehr Gewinn und wenig Veränderung, nach Bequemlichkeit und Sicherheit. Und das geht seit Jahrzehnten auf Kosten der armen Abgehängten, überall auf der Welt – und natürlich auf die Natur. Wir sind eben alle Narzissten, auch die Armen, die noch ärmer wären, würden wir umweltgerechter und teurer produzieren.

Wir wollen das alles anders wird, aber sich nichts ändert. D.h. Wir wollen, dass alles besser wird, für uns. Und so irrsinnig das ist, um so deutlicher wird, warum Donald Trump Präsident ist und die AfD im Bundestag sitzt. Die Realität spiegelt sich in ihren Extremen. Und als wäre es ein geplanter Witz der Geschichte, wird Kevin Spacey nun als US-Präsident Frank Underwood in der Serie „House of Cards“ abgesetzt, also in seiner Rolle in der 5. Staffel, weil er so viele Lügen und Verbrechen und Manipulationen begangen hat – und im echten Leben, weil der Schauspieler seit Jahren sexuell übergriffig wurde, gegenüber junge Männern.

Dabei hatte die Serie schon in der diesjährigen 5. Staffel das Problem, dass sie in ihrer Krassheit hinter der Realität der Donald Trump Wahl zurückblieb. Und als man sie dann sah (und wer sie seit Jahren als Fan verfolgte, dem war das irgendwie seltsam unheimlich), war das ein ver-rücktes Gefühl, nicht mehr denken zu können: Ist ja nur Fiktion, der mächtigste Mann der Welt ist nicht so, in Realität, er setzt nicht, mit Kriegen und manipuliertem Terror, das Leben der Menschheit aufs Spiel…

Alle haben davon gewusst, von dem Gegrapsche und Gelüge und der Verlogenheit hinten dran, durch all die Menschen, denen es egal war oder sogar gerade recht war, dass die alten Verhältnisse, am entscheidenden Punkt, bestehen bleiben, trotz all dem schnellen Wandel. Denn letztlich wandelt sich dadurch alles zum Alten hin, zu immer mehr Konzentration der Macht, in immer weniger Männerhänden. Also ich meine: Wir haben es alle gewusst und wir fahren unsere Autos weiter und Fliegen weiter herum und seufzen kurz über den Klimagipfel in Bonn und die Hungernden im Jemen und die etwas teurere Butter. Und die führenden Macht-Grapscher, als Präsidenten oder gespielte Präsidenten, in unserer Kultur und Weltwirtschaft, sind Männer – in echt, selbst wenn sie zur Fiktion werden.

Nun geht das Gerücht um, es würde eine Frau demnächst das höchste Amt weiterführen. Leider erstmal nur in der Serie. Aber anscheinend ist sie ja visionär. Vielleicht gibt es ja bald mal eine Serie über echten Klimaschutz, also nicht das, was wir gerade in Realität machen, sondern eben wirklich.

 

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