Danke Donald!

Wahrscheinlich wird Donald Trump der größte Umweltschützer der Welt – wenn auch unfreiwillig. Sie haben richtig gelesen: Seit Beginn der sogenannten Finanzialisierung und Digitalisierung, also seit der Jahrtausendwende mit ihrem Turbokapitalismus des billigen Geldes, der Globalisierung und den digitalen Billigeinkaufsmöglichkeiten weltweit, hat niemand mehr so auf die Bremse getreten, wie unser lieber Donald. Als tumber Tor aus Washington vermag er, was keine Klimakonferenz bisher vollbracht hat: Den weltweiten Turbohandel herunter zu fahren – was automatisch die Umwelt schont.

Denn die ewigen Warnungen von Klimawandel, Artensterben, Abholzung, Vermüllung der Meere usw. haben eine Ursache: Die Weltwirtschaft. Der durch die Globalisierung hervorgerufene Aufstieg der Billiglohnländer (vor allem China) zu Wirtschaftsmächten, deren Arbeiter immer mehr konsumieren, reisen, Energie und Wasser verbrauchen, verschärft die Lage auf der Erde. Aber dagegen geht ja jetzt Donald Trump vor.

Das dumme daran ist nur: Seine heimischen Arbeiter aus dem sogenannten „Rustbelt“ der USA, kaufen selbst schon lange keine USA Produkte mehr, sondern Billigware aus Fernost. So konnten sie ihre stagnierenden Gehälter bzw. ihre Arbeitslosigkeit kompensieren, sich immer noch einen konsumreichen westlichen Lebensstil mit Auto, Fernseher, Kühlschränken, Billigfleisch, Billigkleidung leisten. Was passiert wohl, wenn sie nun weiterhin durch Maschinen und Fernostproduktion ersetzt werden, aber die Billigangebote teurer werden? 

Unsere Bundesregierung war da schlauer: Sie hat den deutschen Arbeitern, im Gegensatz zu allen anderen Industriestaaten, weit weniger Lohnzuwachs gegönnt und gleichzeitig weit höhere Zölle erhoben. So kaufen Deutsche immer noch genauso teuer heimische Produkte wie Fernostprodukte, vor allem bei den technischen Geräten, die gleichzeitig in Deutschland immer noch recht günstig produziert werden (für Westverhältnisse). Der daraus entstehende Exportüberschuss wird lange kritisiert, hält aber unsere Arbeitslosenquote niedrig. 

Bleibt die Frage: Was passiert, wenn die Löhne der amerikanischen Arbeiter weiterhin für die einheimischen Produkte, die sie herstellen, zu hoch sind, was die Sachen so teuer macht, dass sie sich selbst diese Produkte nicht leisten zu können, weil sie dafür dann immer noch zu wenig verdienen? Unruhen? Ein Turbo-Donald an der Macht?

Vielleicht verkaufen die deutschen Autokonzerne zukünftig ein paar Autos weniger in den USA. Das würde den Status der Autos erhöhen und vielleicht einen normalen Milliardengewinn, statt einen exorbitanten Milliardengewinn (trotz Dieselkrise) bescheren. Mitleid muss man da nicht haben. Und wer mehr nach China verkaufen will, muss bessere Elektroautos entwickeln… 

Und wie gesagt: Wegen der Umwelt und der Roboterentwicklung müssen sich Wirtschaft und Menschen früher oder später ohnehin daran gewöhnen, dass diese Entwicklungen nur der Anfang sind. Denn über die Grenzen unserer Erde gibt es keinen Verhandlungsspielraum. Es werden die Menschen und ihr Lebensstil, ihre Anzahl sein, die am Ende in Frage stehen. Donald macht heute nur den Anfang, mit seinem Ausstieg aus dem „weiter so“! Wir akzeptieren ungerne Verluste, meiden jede Veränderung – der Druck muss groß sein, bevor wir umdenken. Also: Danke Donald!

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Fair-Trade

Vergangene Woche war ich in Kopenhagen, wo ich noch niemals vorher war. Trotzdem kam mir die Stadt an vielen Stellen sehr bekannt vor. Es gibt in Kopenhagen Straßen, da könnte man schwören, man wäre am Prenzlauer Berg: Man sitzt an Biertischen und auf Stühlen mit verwetzter Polsterung, vor historistischen Fassaden und trinkt ökologische Ingwer-Lemon-Limonade aus Flaschen mit hippen Etiketten. Die vielen Backsteinfassaden lassen aber auch an New-York denken. Und selbst in Prag und in Lima in Peru findet man, wie mir neulich eine Freundin erzählte, solche „Fair-Trade-Cafés“ wo man auf Bananenkisten sitzt. Die Globalisierung und auch Gentrifizierung der „Weltstädte mit Herz“ ist heute schon weit fortgeschritten.

Im Gegensatz zu Berlin, glaubt man aber den Dänen ihr entspanntes Leben in den Cafés. Sie sind weit weniger zwischen Piltes-Studio und Start-Up unterwegs, sie sind nicht verkniffen und schon gar nicht arrogant. Ihr moderner Hipster-Life-Style scheint geradezu der dänischen Kultur entsprungen, eine natürliche Fortsetzung des entspannten Hygge-Lebensstils, den die Dänen schön lange pflegen. Sie fahren mit Fahrrädern, mit extra breitem Sattel auf extra breiten Radwegen. Niemand ist von Kinderwägen und deren schreiendem Inhalt genervt.

Warum spielen die anderen Weltstadt-Hipster nur den entspannten Lifestyle, während sie eigentlich mit ihren Apple-Geräten doch nur weiter dem kapitalen Erfolg nachrennen? Was gibt es noch zu erreichen da draußen, was nicht letztlich doch nur mit weiterem Konsum und Zerstörung unsrer Lebensgrundlage oder zumindest unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts zu tun hat? Kann der Mensch sich nicht damit begnügen mit Freunden im Fair-Trade-Café zu sitzen, nach 3-4 Stunden Arbeit und mehr nicht? Warum muss er herumreisen, nach Kopenhagen und New York, um dort im Fair-Trade-Café zu sitzen (so wie ich)? Denn am Ende wird unsere Erde trotzdem nicht ausreichen, für unseren humanistischen Anspruch, die Welt mit Fair-Trade aus der Armut zu befreien und allen 7,5 – 10,2 Milliarden Menschen (die wir sind und sein werden) einen Fair-Trade-Café Lifestyle zu verschaffen. Die Fakten sind hier eindeutig. Aber vielleicht ist in dieser Situation Café trinken ohnehin das einzig Sinnvolle, was wir tun können.

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Wer hat Angst vor Freiheit und Vertrauen?

Meine Dachrinne ist kaputt und da habe ich einen Dachdecker zur Begutachtung einbestellt. Die Reparatur wird ca. 300 Euro kosten. Der Dachdecker hat mir darüber hinaus, mit seinem Kostenangebot, einen 8 seitigen Vertrag zugeschickt, voller juristischer Klauseln (Widerrufsrecht, Mängelhaftung etc.). Ich verstehe kein Wort. Es geht wohlgemerkt nicht um ein neues Dach für tausende Euro, nur um die Reparatur eines Dachrinnenablaufs.

Ich glaube, vielen Menschen geht es heute wie diesem Dachdecker: Sie wollen sich absichern, gegen jeden Unbill des Lebens. Unser Bayrischer Staat versucht deshalb gerade, mit einem verabschiedeten neuen Polizeigesetz, auf Wählerstimmenfang bei den Verunsicherten zu gehen. Doch das Leben ist nicht sicher, genauso wenig werden wir jemals unsterblich sein. Und wer versucht, das Leben zwangsweise sicher zu machen, verliert das Vertrauen der anderen (Wähler), weil er deren Freiheit pauschal beschneidet und alle unter Generalverdacht stellt. Vertrauen, auch wenn es gerade schwindet, erweist sich (nicht zuletzt durch sein Schwinden) als das wichtigste soziale Element für Gruppenwesen, wie wir Menschen es sind.

Auf der Schultoilette der katholischen Mädchenschule, die ich 10 Jahre besucht habe, hatte eine Schülerin mit Edding an die Klotür geschrieben: „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“ Ich werde diesen Schriftzug niemals vergessen – und seinen Inhalt auch nicht. Die Angst, die sich stets nach dem paradiesischen Weiterleben nach dem Tod sehnt, zerstört nicht selten das Leben davor. Oder zumindest einen Dachdeckerauftrag oder Wahlerfolg in Bayern.

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ESC – Europäisches – Schablonen – Casting

Wenn man Dinge oder Menschen lange nicht gesehen hat, dann bemerkt man deutlich ihre Veränderung bei einer Wiederbegegnung. Mir ging es so gestern Abend beim Eurovision Song Contest: Den hatte ich bestimmt seit 25 Jahren nicht mehr gesehen. Zum einen ist die Show mit all den Effekten mittlerweile wirklich beeindruckend. Zum anderen ist die Typisierung der jeweiligen Sänger ein deutliches Zeichen dafür, wie unsere Sehgewohnheiten, die Schablonen der Selbstbilder, als Manipulation unserer „inneren Freiheit“, vermarktet werden.

Man hat das Gefühl, als Beobachter aus der Ferne, jeder Typ, der gewonnen hat in den letzten Jahren, wird wieder und wieder wiederholt, als Abziehbild und genaue Berechnung des Erfolgsschemas. Während der ESC ja eigentlich für Toleranz und Diversität steht, wurden diese längst eingeholt, von einer perfekten Typisierung des Ungewöhnlichen (schrille Nudel, bekennender Schwuler, hübsche starke lesbische Frau, verletzlicher junger Mann etc.). Daneben gibt es natürlich die wunderschönen Glamour- Moderatorinnen/Sängerinnen, die über die Ländergrenzen hinweg alle ununterscheidbar gleich aussehen: Maximal falsche Wimpern, sehr schlank, perfektes Dekolleté, Wallemähne. Dazu noch ein paar hübsche durchtrainierte junge Männer (nicht eindeutig schwul, aber mit perfekten Körpern, Frisuren und Charm).

Was scheinbar im echten Leben so schwer gelingt, die Vereinigung der Leistungsträger mit denen, die dem Ideal nicht entsprechen (können oder wollen), scheint beim ESC wunderbar zusammenzupassen. Doch letztlich geht es bei allen Typen nur um Vermarktung: Wer sich nicht auf körperliche Perfektion trimmen lässt, findet sich in einem der anderen Typen wieder, fühlt sich in einem der anderen vorgegebenen Identitäten angesehen, akzeptiert – und kauf die dazugehörigen Produkte. Denn es geht auch hier darum, die (durch den neoliberalen Kapitalismus) wachsende Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Orientierungslosigkeit, wiederum in Erfolg und Gewinne zu wandeln.

Während Conchita Wurst, sowohl als Diva und gleichzeitig als hübscher schwuler Mann mit perfektem Bart, eine letzte ungewöhnliche Kombination aus zwei der Grundtypen darstellte, möchte er/sie sich selbst mittlerweile von dieser „Figur“ verabschieden (zu abgenutzt mittlerweile). Doch was dann? Untergehen in den immer und immer wieder aufbereiteten anderen Typen, die genauso abgegrast und bis-zum-geht-nicht-mehr vermarktet sind, perfekt zugeschnitten auf die Erwartungen der Fans? Etwas völlig Neues (was immer schwieriger wird), das dann sofort wieder vermarktet wird, bis es zu abgenutzt ist? Vielleicht bleibt dem modernen Menschen nur noch ein völliger Abschied von der Identitätssuche und Selbstvermarktung in den Medien, ohne dass diese stille Revolte und Authentizität jemand öffentlich bemerkt, anerkennt oder vermarkten könnte.

Die Unregelmäßigkeit, als erster Schritt gegen die berechenbare Vermarktung, veranlasst mich, die ich mich bisher an dieser Stelle seit fast 8 Jahren jedes Wochenende regelmäßig vermarktet habe (als verkaufswillige Autorin meines Verlages Randomhouse ), mit meinen Texten nun zu ungewöhnlichen Wochentagen zu erscheinen (immerhin gibt es ja ganze 7 Grundtypen an Wochentagen!). In diesem Sinne: Bis bald. Und immer schön selbstkritisch bleiben!

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Eine Philosophie der Selbstkritik

Ein Asylbewerber aus den syrischen Kriegsgebiet hat einen Juden mit Kippa auf offener Straße in Berlin mit einem Gürtel attackiert. Die Geschichte lässt die politisch-korrekte Linke, blickt man in die Feuilletons der Zeitungen dieser Woche, ratlos zurück. Wo bleibt da der Humanismus des Vernunftwesens Mensch, dem humanistisch geholfen wurde?! Schnell ist die rechte Politik als Schuldiger gefunden: Muslimen werden durch sie täglich gedemütigt (gehört der Islam jetzt zu Deutschland oder nicht?) und lassen dann ihren Hass an ihrem Erzfeind, den Juden, aus – selbst in dem Land, das ihnen selbst gerade aus Krieg und Vernichtung heraushilft.

Da mir selbst, mit meinem jüdischen Namen, schon der ein oder andere Antisemitismus begegnet ist, sowohl von urdeutschen „Ariern vom Tegernsee“, die zu 100 % Herrn Seehofer wählen, als auch von Menschen aus der arabischen Welt, muss ich berichten, es ist nicht der Antisemitismus: Es ist der Hass, die Selbstaufwertung in der Feindschaft, die mir entgegen schlägt. Aber das tut sie auch ausgehend von meiner Nachbarin, die gar nicht weiß, dass mein Name ein jüdischer ist und nur sauer ist, dass ich sie angezeigt habe, weil sie meine Gartenhecke einfach in meiner Abwesenheit niedergemetzelt hat.

Umgekehrt habe ich schon an dieser Stelle gewünscht, Herr Erdogan und Herr Putin möge der frühe Herztod ereilen, einfach weil, vergleichbar mit Stalins plötzlichem Tod, das Leben sehr vieler Menschen, die ich schätze und mag, dadurch besser würde. Und auch meine Verwünschungen gründen schlicht und ergreifend auf meinem Narzissmus, auf dem Wunsch, die Welt möge so laufen, wie ich will, nach meiner Werteordnung.

Oft werde ich gefragt, wo mein Name her kommt. Wenn ich dann sage Ohana ist ein typischer sephardisch-jüdischer Name, also aus Nordafrika, genauer aus Marokko, dann fragen die Leute: Bis Du Jüdin? (Sie fragen nie, bist Du Marokkanerin oder Afrikanerin.) Ich antworte dann immer: Nein, ich bin Mensch. Und in der Tat ist das die einzige Gruppe, der ich mich zugehörig fühle. Meine Eltern sind Deutsche und Flüchtlinge, beide sind sogar deutsche Kriegs-Flüchtlinge (aus den Sudetenland und aus der Nähe von Weimar). Und ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Aber ich fühle mich nicht „als Deutsche“, wenn ich es rechtlich auch bin. Ich fühle mich nicht mal „als Frau“, weil ich ehrlich gesagt nicht weiß, was das alles sein soll. Ich fühle mich als Mensch, weil ich konkret jeden Tag, meine allzumenschlichen Schwächen in meinen Handlungen und Denkweisen erleben, das Ringen um ein gutes Selbstwertgefühl, mit allen narzisstischen Tricks, Zielen und Hoffnungen.

Ich empfehle der Linken, in deren Hochburg, der Frankfurter Schule, ich studiert habe, eine „Philosophie der Selbstkritik“. Letztlich können und konnten wir uns unseren demokratischen Humanismus nur leisten, weil wir kapitalen Wohlstandzuwachs auf Kosten anderer betreiben, sie ausgebeutet und uns abgeschottet haben. Also: Bei der nächsten guten Flasche Wein aus Kalifornien und beim nächsten Nachhilfeunterricht der eigenen Kinder für die teure Privatschule, einfach mal ehrlich in den Spiegel schauen. Dann klappts auch mit dem Verständnis des Narzissmus der anderen.

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Fehler!!!!!

In den letzten Wochen habe ich teilweise bewusst, teilweise fahrlässig, ein paar Fehler in meine Texte im Blog eingestreut – um zu sehen was passiert. Manchmal war es nur ein Komma oder eine falsche Endung oder ein Rechtschreibefehler, manchmal etwas Inhaltliches (z.B. Verfassungsgericht, statt BGH), was nicht den Sinn des Textes verfälscht, aber doch ein deutlicher FEHLER ist.

Angeblich tolerieren wir Fehler heute nicht mehr – weswegen sich auch kaum mehr jemand traut, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen. Jeder hat Angst vorm totalen Absturz. Der Fußballer Per Mertesacker hat gerade wieder deutlich darauf hingewiesen, wie sehr die vielbewunderten und hochbezahlten Helden des Platzes davor Angst haben, einen spielentscheidenden Fehler zu machen. Es geht ja um Millionen. Und hier haben wir auch schon den Grund, für all die extremen Ängste und krassen Reaktionen gegenüber Fehlern.

Es scheint ständig auf Messers Schneide zu stehen: Sieger oder Verlierer. Gymnasiast oder kein Abitur. Gut bezahlter Job oder Harz IV. Dazwischen gibt es scheinbar nichts. Man gehört zu den oberen 50% oder wird abgehängt. Der neoliberale Kapitalismus braucht nur noch die Leistungsträger, der Rest wird zum Sozialfall, zu entwerteten Wertlosen. Und ein einziger Fehler kann entscheiden, über die Seite, das eigene Leben.

Ich glaube wir können uns weitestgehend befreien, von dieser Angst, indem wir auf sämtliche Statussymbole verzichten. Alleine dieser Akt würde uns unabhängig machen, von der Angst, weil nicht absteigen kann, wer die Zeichen des Erfolgs selbst entwertet. Was in dem Zusammenhang interessant war, war die Reaktionen bei Facebook auf meine Fehler. Sie reichten von Beschimpfungen, bis dahin, dass man mir meine verschiedenen Qualifikationen absprach. Meist waren es Männer, die mich aufgrund von kleinen Fehlern, der totalen Vernichtung anheim wünschten. Selten wurde ich nett darauf verwiesen; einmal nur wurden meine sonst gerne gelesenen Texte erwähnt, wo einer Leserin trotzdem etwas aufgefallen war, was nicht stimmte. Der Ton war, selbst ohne Shit-Storm-Attitüde, mindestens oberlehrerhaft, besonders von Menschen, die selbst viel im Netz publizieren (was bei meinen Lesern anscheinend nur Männer sind, da es bei mir ja nicht um Mode oder Kochen geht, sondern um Politik und Psyche).

Natürlich kann ich mir als Psychologin diese teilweise brutale Kritik erklären. Und auch, dass das Netz Hass verstärkt, ist mir selbst an meinem Experiment klar geworden (ich bin ja sonst nie auf Facebook unterwegs). Die Unfreiheit und Ängste, zwischen Versagen und Sieger, Tollen und Blöden, liegt auch genau darin begründet, dass das Netz keine Zwischentöne kennt: Nur totale quasi metaphysische Sehnsucht oder vernichteter Hass, überschöne Fotos oder aktive Zerstörung. Zwischentöne, eine sogenannte angemessene Reaktion, wie im ganz normalen Leben, wenn man ein ganz normales Leben führt, wird wahrscheinlich nicht mehr für erwähnenswert gefunden, bleibt unkommentiert und ungesehen.

Selten hatten wir, in der Geschichte der Menschen, unser eigenes kleines Schicksal selbst so in der Hand, wie im Netz. Wir müssen uns das nur bewusst machen, was wir dort für eine Macht haben, über unsere Kritiker: Wir können sie einfach nicht beachten, oder – in meinem Fall – die nächsten 8 Jahre wieder nicht mehr beachten.

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Das echte virtuelle Leben

Diese Woche habe ich mir den Film „Ready Player One“ angeschaut. Dort existiert, neben einer armseligen echten Welt, in der die meisten Menschen in Wohnwagensiedlungen leben, eine virtuelle Welt, in der die Menschen als Avatare alles sein und erleben können, was sie wollen. Zu arbeiten haben die meisten Menschen nichts mehr und wenn sie von etwas träumen, dann vom Cyber-Anzug, der ihnen ein Ganzkörper-Feeling in der virtuellen Welt gibt. Am Ende muss der junge Held im Film in der virtuellen Welt Probleme lösen, um in der echten Welt sein Leben und seine Liebe zu verteidigen. Dafür sind er und seine Freunde aber dann die reichsten Menschen der Welt – in allen Welten.

Das Problem mit der Realität ist aber, dass unser Gehirn in diese echte Welt gehört und das hin und her zwischen den Welten nicht erträgt: Zum Teil aus banalen Gründen, wie Gleichgewicht und Wahrnehmungsverarbeitung. Zum entscheidenderen Teil aber aus narzisstischen Gründen: Wer mit einem Mausklick ein Held sein kann, wunderschön und tolle Abenteuer und Freundschaften erlebt, der wird süchtig. Das Selbstwertgefühl, das mit jeder Form von Droge gepuscht wird (was eine Droge erst zu einem Suchtmittel macht), will nicht mehr in der unerträglichen, unzureichenden, echten Welt leben. Denn der Grund für jede Art von Sucht ist immer: Weltflucht.

Die virtuelle Welt, die quasi seit 50 Jahren kurz vor dem großen Durchbruch steht, wird genau daran scheitern, in all ihren Versprechungen, sofern sie denn dann endlich real wird. Die meisten „Gamer“ sind heute schon hochgradig süchtig oder suchtgefährdet und der völlige Übertritt in eine andere Welt, wird das noch potenzieren. Aber vielleicht ist das ja der Plan: Die Leute, die von unserer Wirtschaft nicht mehr gebraucht werden, in der virtuellen Welt zu entsorgen, ruhig zu stellen. Vielleicht sind damit für die anderen, denen es in der echten Welt gut geht bzw. die immer reicher werden, endlich alle Probleme gelöst.

Wir haben ja auch gewusst, dass Facebook unsere Daten verkauft – und haben uns nicht um diese Gefahr gekümmert. Wer sich darüber jetzt plötzlich entsetzt, ist nicht Opfer von Facebook, sondern Opfer seiner eigenen Dummheit und Bequemlichkeit.

Man kann Facebook übrigens auch für seine eigenen Zwecke nutzen, indem man gezielt wenig Daten frei gibt und somit das Wissen der virtuellen Welt, von der eigenen Person, selbst gestaltet. Doch dann muss man vielleicht – selbständig und eigenverantwortlich – seine Eitelkeit managen, die glaubt für jeden geposteten Nudelsalat Likes und Anerkennung erwarten zu können. Wer nicht in der virtuellen Welt verloren gehen will, sollte sie vielleicht einfach nicht betreten oder nur kontrolliert Daten frei geben. Es gibt auch eine Menge Lebensnischen in der echten Welt. Dann ist man vielleicht nicht „der Held“ oder superreich – aber vielleicht selbstwirksam glücklich.

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Brainbook

Neue sogenannte „Catbots“ sollen, auf dem Therapiemodell der „kognitiven Verhaltenstherapie“, als Allzeit-Coaches und Ansprechpartner die Verhaltensmuster ihrer User erfassen. „Woebot“, aus dem Hause Facebook, kommt wie ein neuer Freund daher, den man als App für 39 Dollar im Monat seine Handlungen und einhergehenden Empfindungen erzählt und der daraus die Verhaltensmuster analysiert. Dabei geht es hauptsächlich um die Muster, die einen träge und ungesund, übergewichtig, schlaflos, erfolglos und „negativ“ machen.

Was viele Menschen nicht wissen: Dieses „therapeutische“ Leistungs- und Optimierungsdenken ist keine Erfindung von Facebook oder der Digitalisierung. Es ist Teil einer offiziell anerkannten Psychotherapie, die in den 90er Jahren, sogar als einzige Psychotherapie von den Krankenkassen noch bezahlt werden sollte. Zum Glück gab es dagegen vehemente Proteste – und mittlerweile ausgewertete Langzeitstudie, die nachweisen konnten, dass Leistungscoaching die Menschen nicht nachhaltig glücklich macht (die sogenannten Prozess-Outcome-Studien).

„Psycho“ ist für viele Menschen ein „Herumstochern in der Kindheit“ und eine einseitige Schuldzuweisung an die Eltern und ihre Erziehungsfehler. Doch wenn sich das Gehirn erst nach der Geburt verknüpft (sichtbar in jedem CT-Hirnscan), wenn der bestätigende und zurückweisende, d.h. liebevolle oder lieblose Umgang unserer Eltern unser Gehirn erst entstehen lässt, ist mittlerweile auch physiologisch bewiesen, wie wichtig das Verhalten unserer ersten Bezugspersonen für unser Leben und Lernen, für unser Selbstwertgefühl und unsere Bewertung der Welt ist. Wir lernen unseren sozialen Umgang unseren Wert in der sozialen Gemeinschaft, unsere Verhaltensweisen erst durch unsere Eltern. Daran gibt es wissenschaftlich nichts mehr zu rütteln.

Und deshalb ist es aberwitzig, unsere Defizite, unser „Nicht-gut-genug-sein“, über eine App korrigieren zu wollen. Dabei sind diese Coaching-Apps darauf ausgelegt, alles was uns faul, ungesund, erfolglos macht, heraus zu finden, um uns dann zu ermahnen, gesünder zu essen, mehr Sport zu treiben und mehr die unangenehmen Dinge weg zu arbeiten. Scheinbar geduldig wiederholen Sie ihre Mahnungen und versuchen unser Gehirn umzuprogrammieren. Dafür hat man früher bei der eigenen Mutter oder Schwiegermutter angerufen, die hat das ganz umsonst gemacht – in jeder Hinsicht.

So braucht es vielleicht die Computer und ihre künstliche Intelligenz, um unseren Eltern, der kapitalistischen Leistungsgesellschaft und der Verhaltensforschung endlich klar zu machen: Wir sind keine Computer, unser Denken hat nichts mit reinen Berechnungen und KI zu tun, man kann uns nicht umprogrammieren, mit andauernden Ermahnungen. Vielleicht dürfen wir dann irgendwann wir Selbst sein, unoptimierbares Fleisch und Blut, Narzissmus ohne Effizienz.

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Risiko-Mädels

Das BGH hat entschieden: Ich muss mich in Bankformularen als „Kunde“ bezeichnen lassen, auch wenn ich eine Kundin bin. Eine 80Järige hatte wiederholt, ihr und mein Recht auf das richtige Geschlecht, eingeklagt und ist mit dem Argument der „wachsenden Komliziertheit“ abgewiesen worden.

Ein Freund von mir spielt gerne mit anderen Männer-Freunden das alte, analoge Brettspiel „Risiko“. Frauen sind bei diesen Spieleabenden nicht zugelassen. Es hatte sich bei einigen Versuchen gezeigt: Der verbitterte Kampf bis morgens um sechs Uhr, damit dann endlich „DER GEWINNER“ feststeht, der der alle „platt“ gemacht hat und als Sieger vom Tisch aufsteht – das interessiert Frauen nicht. Sie brechen vorher ab, weil sie müde sind, eine harte Woche vor sich oder hinter sich haben. Dabei sind sie auch nicht so konzentriert auf das Spiel und den Kampf, sondern schwätzen nebenher über anderes.

Wenn ich meinen Freund frage, wie der Abend gelaufen ist, was es Neues gibt, bei den anderen, welche Ehen, Kinder, Jobs gerade wackeln, dann weiß er davon auch nach 10 Stunden Spiel nichts zu berichten. Man hätte sich höchstens gegenseitig geärgert, am liebsten mit Mädelsnamen (Alex heißt dann Alexa, Tom wird zu Tanja und Andi zu Andrea etc.). Die erste Provokation des Abends, noch vor dem Aufbau des Spiels, ist die Begrüßung unter Jungs mit einem: Hallo Mädels.

Ich habe versucht zu verstehen – als Frau und Psychologin – warum ist „das Weibliche“ für Männer minderwertig genug, um die Kumpels damit zu ärgern. Umgekehrt ist es ja nicht so, im Gegenteil: Es ist eher ein Kompliment, wenn eine Frau kämpft wie ein Mann, erst dann wird ihre Leistung ernst genommen, gesehen. (Ja und ich weiß, sie meinen es nicht so, die Männer, und sie wollen auch gerne mal unter sich sein, damit wir Frauen uns nicht schon wieder über ihr Missverhalten Gedanken machen, weil sie sich Mädchenamen geben, um sich zu necken… blabla)

Die ehrliche Antwort ist wohl, auf die Frage nach der Abwertung der Frau, die eigentliche Abhängigkeit von Frauen, die man niedermachen muss, schlichtweg: weil es so ist. Als Psychologin kenne ich eine Menge Frauen, die gerne alleine leben, ihre Netzwerke haben, ihre Jobs, ihre Freunde – ohne einen Mann im Privatleben, auch nicht am Lebensende, zu vermissen. „So einen tu ich mir nicht mehr an“, hört man dann. Ich kenne dagegen kaum einen Mann, der so gut alleine zurechtkäme. Alterseinsamkeit trifft Männer härter, Männer kriegen nach Scheidungen weit schlechter die Kurve, als Frauen. Und diese Abhängigkeit wird nieder gemacht, um das eigene Selbstwertgefühl zu heben: Die anderen sind die Mädchen, also quasi die Abhängigen Jungs. Jahrtausende haben Männer vor nichts so sehr Angst gehabt, wie vor unabhängigen, gleichberechtigten Frauen. Zu Recht, wie sich heute zeigt. Man muss einen reifen Charakter haben, damit die Frau freiwillig bleibt. (Umgekehrt, bei schwachen weiblichen Charakteren, leben Frauen lieber allein, ohne „die bösen Männer“ – aber das ist ein anderes Thema.)

Und natürlich bleibt es Mädchenkram, wenn man sich mit seiner Abhängigkeit auseinandersetzt. Lieber wird verdrängt oder so getan, als wäre Mann der Sieger, am Ende in diesem Risikospiel der Einsamkeit.

Wie würden Männer wohl reagieren, wenn sie auf jedem Formular als Kundin bezeichnet würden, mit dem Argument, ihr Geschlecht schaffe separat nur Verwirrung? Denn diese Beleidigungen unter Freunden haben natürlich in der Öffentlichkeit eine andere Bedeutung: Da hört der Spaß auf, wenn man als Pussy bezeichnet wird. Und es stört die am meisten, erfahrungsgemäß, die die größte Abhängigkeit von Frauen haben, die nicht genug Stärke haben, um sich mit dieser Abhängigkeit auseinander zu setzen. Doch ein Versuch wäre es wert: Vielleicht sollte man nur noch von Richterinnen sprechen, da der Richter da ja auch schon mit drinsteckt. Die sollen sich da mal nicht so haben, die Mädels, in ihren roten Talaren…

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Seehofer gehört nicht zu Deutschland

Nach dieser Woche haben wir Deutschen nun endlich wieder eine Regierung und wissen, dass der Islam nicht dazu gehört, sondern unsere christlichen Werte unsere Grundlage sind. Da frage ich mich natürlich sofort, was denn mit diesen Werten gemeint ist. Vielleicht die Ausgrenzung und Demütigung von Frauen, die die katholische Kirche seit Jahrhunderten praktiziert? Oder den Missbrauch von Kindern durch Priester, der dann gemeinschaftlich geleugnet und vertuscht wird? Oder das Missionieren minderwertiger Völker, die Hexenverbrennung, das Quälen von Homosexuellen, das Segnen von Waffe und Kriegen? Oder vielleicht auch Ministerpräsidenten von Bayern, die ihre Frauen betrügen, mit jüngeren Frauen außerehelich Kinder zeugen und das anscheinend als echtes „Mannsein“ verstehen?

Als Deutsche und Bayerin und Kind zweier Kriegsflüchtlinge, als ehemalige Klosterschülerin und Studentin der Frankfurter Schule, als freie Wissenschaftlerin und beratende Psychologin kann ich, wenn ich mich um Objektivität bemühe und aus Erfahrung rede, Herrn Seehofer eine Diagnose aussprechen: Grau und blass und abgekämpft, wie er aussieht und daherredet, ist seine Zeit vorbei. Herr Seehofer gehört bald nicht mehr zur deutschen Politik. Und noch einen Schritt weitergedacht, gehört er einer Vergangenheit an, für die man sich schämt und hoffentlich auch immer noch die Verantwortung übernimmt, als Deutsche und Kind von Flüchtlingen und Frau und Wissenschaftlerin. Denn wir leben immer noch in einem Land, das Schuld und Scham für solch demütigende, dumme, hassschürende Abwertungen, die unsere Politiker verschulden, auf sich läd. Denn sie werden immer noch von uns (wenn auch nicht von mir) gewählt.

Ich möchte keine Männer in diesem Land haben, die glauben, sie hätten ein Recht darauf, sich nicht an die Regeln zu halten, die Frauen abwerten, sich mit dummen Machoallüren brüsten, glauben, ihnen gehöre die Welt und alle anderen müssten sich, minderwertig, unterordnen. Dabei ist mir ihre Hautfarbe und Staatsangehörigkeit egal und es ist mir auch egal, ob sie gewählte Politiker sind. Sie müssen bestraft werden, in ihre Heimat zurückgeschickt werden, egal ob Kaukasus oder die Alpen. Und dort sollte man sie, mit allen Mitteln bestrafen: Sie ins Abseits des Geschehens verbannen, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können.

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Asoziale Netzwerke

Es hieß einmal, das Internet würde die Welt verändern. Heute wird behauptet die KI wird alles anders machen. Und wenn die Menschen von „der Welt“ reden, meinen sie immer ihre menschliche Welt. Heute wissen wir: Facebook (als Plattform) wird unter gehen – aber nur weil noch schlimmere Egonetzwerke, wie Instagram, die Ego-Funktionen übernehmen. Und auch die künstliche Intelligenz bleibt immer an unseren Narzissmus gebunden, ob wir damit nun Aufmerksamkeit zu erreichen suchen (wie all die Teenager auf Instargram) oder nach Macht streben (wie die GAFAM-Firmen Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft).

Ich glaube nicht, dass das Internet oder die KI die Welt verändern wird, so wie viele Menschen das hoffen. Wie sollte das auch gehen? Keine Technik kann die menschlichen Veranlagungen verändern. Sie macht nur umfangreich die menschlichen Schwächen sichtbar. Und leider lässt sie sich nicht genauso gut für die menschlichen Stärken einsetzen. So steht jedem Shitstorm auf Asozialen Netzwerken vergleichsweise wenig  gerechte Revolution gegenüber, jede neue KI-Funktion führt potentiell zu mehr Bequemlichkeit, Abhängigkeit, Fremdbestimmung, Datenklau.

Da der Mensch im Internet jede Form der Verantwortung für seine dort möglichen Taten leicht umgehen kann, läd diese Schwachstelle massenhaft ein, Schwächen auszuleben (die normalerweise von der Gemeinschaft und dem Rechtsstaat geahndet würde, wär der Übeltäter als Person greifbar). Und wir wissen, was passiert, wenn unreife, infantile Wesenszüge des Menschen nicht bestraft werden: Der Mensch wird in mindestens 66% der Fälle schnell zu dem, was wir auch gerne als Monster bezeichnen (siehe Stanford- Prison Experiment bzw. Hitlerregime). Er lebt sein Ego aus, auf Kosten anderer. Natürlich gibt es im Netzt auch die etwas harmloseren Mitläufer. Nicht jeder wird zum Demütiger, Stalker, Gewaltmensch – nur weil er es darf. Ein paar Egobilder machen noch keinen zum Monster – aber doch immerhin zu jemandem, der sein Selbstwertgefühl offen zu Schau stellt, der seine unreifen psychischen Anteile auslebt, weil er es mit den Asozialen Netzwerken kann, der mit immer neuem Konsum diese Welt zerstört, nur weil es seinem Selbstwertgefühl einen kurzen Pusch verschafft. Und auch die KI ist nicht da, um Menschen zu helfen, sondern bisher nur um sie weiter zu entmündigen, effizienter zu verwalten, zu ersetzen.

Aha, denken Sie jetzt vielleicht. Wieder einmal jemand der vor dem bösen Internet, der bösen KI warnt. Ich glaube aber, der Mensch wird nicht schlechter durchs Internet oder die KI. Er war schon immer so: Man bekommt es durch das Netz nur häufiger und deutlicher mit, wird durch die KI nur besser ausspioniert und manipuliert. Und darin bin ich nicht alleine: Die TU Berlin hat gerade in einem großen Datencheck über die Auswirkungen der Digitalisierung festgestellt: Das Netz und die KI haben (bis auf wenige Nischen) vor allem die Umwelt mit noch mehr Konsum belastet, zu Hass und Verunsicherung geführt, unsere Privatsphäre massiv unterwandert, eine neue Kriegsplattform geschaffen.

Die böse Banalität unserer kindlichen Sehnsüchte und Bequemlichkeit findet hier ein neues Spielfeld. Selten wurde, was wir sind, so offensichtlich, wurde unser kindlicher Narzissmus so hervorgelockt, wie durch Asoziale Netzwerke und KI. Und oft genug wird sie dann leider sogar zur Banalität des Bösen. Immer hofft der Mensch irgendwie durch irgendwas doch ins goldene Zeitalter zu gelangen. Und auch das Netz und die KI haben diese Hoffnung wieder mal eine Zeit lang befeuert. Und immer zeigt genau dieser Wunsch, wie unmöglich dem Menschen das ist, er bleibt banal und irdisch, narzisstisch und machtsüchtig. Das Internet hat die Bedingungen des menschlichen Lebens also nicht verändert. Sondern nur besonders deutlich sichtbar gemacht.

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Alleen und Blumen und Männer

In Berlin gibt es eine große Aufregung, um ein Gedicht von Eugen Gomringer, das eine Fassade eines Gebäudes der Alice Salomon Hochschule ziert.Gomringer gilt als Mitbegründer der konkreten Poesie. Und in diesem Sinne, hier ein konkreter Vorschlag: Wie wäre es das Gedicht folgender Maßen abzuändern und entsprechend auf die Hauswand zu malen… 

Alleen

Alleen und Blumen

Blumen und Männer

Alleen

Alleen und Männer

Alleen und Blumen und Männer und

Eine Bewunderin

 So kann jeder Mann selbst beurteilen, wie es ist, wenn man so etwas über sich und die eigenen Geschlechtsgenossen liest: Schön, seltsam, entwürdigend oder funktioniert nicht…. 

Es würde wohl allgemein helfen, sich einfach mal in die Rolle oder das Leben des anderen zu versetzen. Menschen, die das können, nennt man in der Psychologie: Selbstreife Menschen. Sie haben ihren Narzissmus, ihre eigene Weltsicht, ihren Willen besser zu (Über-)Leben, so weit heranreifen können, dass sie es schaffen, die narzisstische Strategie des anderen zu begreifen, ihre Kränkungen und Vorteile im Machtgefüge unserer Gesellschaft verstehen – halbwegs jedenfalls. Narzissten bleiben wir natürlich alle: Einige lassen sich gerne bewundern und ziehen ihren Vorteil daraus, andere wären lieber in der Position der Bewunderer, derjenigen die Werte machen und die Bewertung über andere aussprechen und ausleben.

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#Menot (reloaded)

Gerade hat wieder eines der letzten erfolgreichen TV-Events angefangen, dass über Wochen das gute alte Fernsehen mit dem Internet versöhnt, hier wie dort für ehebliche Zuschauerzahlen sorgt: GNTM. Deutschlands nächstes (angebliches) Top-Model wird gesucht, von unserem bekanntesten Model, das selbst nie Top-Modell war, nie für einen der großen Designer gelaufen ist (was die zweifelhafte Qualifikation für ein echtes Top-Model ist), sondern als Bademoden- und Unterwäschen-Modell Karriere gemacht hat.

Als würde es die gerade laufende #Metoo Kampagne nicht geben, werden also junge Mädchen, zum Teil noch nicht mal volljährig, zum Beispiel vollkommen nackt, vor einem vielfach männlichen Fototeam, sich sexy räkelnd, am Strand gezeigt. Sie werden gedemütigt und reduziert auf ihren Körper und ihren entspannten oder lüsternen Gesichtsausdruck. Und die Teilnehmerinnen und jungen Zuschauerinnen machen alle begeistert mit, lassen sich von Industrie, zweifelhaften Juroren und Mitbewerberinnen auf das reduzieren, was allüberall gerade als einseitiges Frauenbild angeklagt wird: Körperformen und deren Präsentation.

Der berühmte französische Soziologe, Pierre Bourdieu, nannte diese Mitttäterschaft der Opfer: symbolische Gewalt. Die Mädchen und Frauen unserer Gesellschaften praktizieren, worunter sie selbst leiden. Bei jungen Mädchen kommt das daher, dass sie sich (wie junge Männer auch) an den „Leaderinnen“ ihrer Kultur orientieren, an den vielbewunderten hochgestellten Figuren. Und das sind und bleiben seit Jahrzehnten: Models, also Frauen die nichts können müssen – außer gut auszusehen. Sie müssen bei Männern ankommen, die die eigentliche Macht haben und wenn sie damit besonders erfolgreich sind, dann dürfen sie Heidi Klum sein.

Es gibt bei der Show einen Modelvertrag zu gewinnen und ein kleines buntes Cabriolet – nicht etwa ein Stipendium, für eine gute Uni oder ein Gründerinnenkredit, für eine eigne Fima (in den nächsten 10 Jahren abrufbar). Nein, das Spiel des Präsentierens, des ohnmächtigen Sich-Zeigens, Bewundertwerdens, soll weitergeht. Die Industrie und somit die mächtigen Männer, haben ein großes Interesse, an diesen ohnmächtigen Weibchen, die glauben, Schönheit würde ihr Leben glücklich machen. Und wenn sie begrapscht werden: Hey, das gehört dazu…wer sexy ist und sein will darf sich da nicht wundern.

Was würde wohl passieren, wenn alle Kleider und Artikel zukünftig von perfekten Roboterfrauen vorgeführt werden? Im Silicon Valley gibt es schon eine Firma, die diese perfekten Puppen produziert, als Sexpuppen. Man stelle sich vor, keine Frau müsste sich mehr nur über ihr Äußeres Anerkennung verschaffen, müsste sich nicht mehr demütigen lassen. Der Protest dagegen wäre wohl noch größer, als die #Metoo-Proteste.

 

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Grippe

…nachdem mich zuerst der „digitale Virus“ erwischt hat, ist es jetzt der allzumenschliche Grippe-Virus. Sorry, liebe Leser, für die Ausfälle bei den hier gewohnt zuverlässigen wöchentlichen psychologischen Deutungen des Weltgeschehens. Bald geht es analog und digital gesundet weiter… Allen Mitbetroffenen: Gute Besserung!

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Digital genial?

Bisher habe ich mich beim Thema Digitalisierung vor allem mit dem Datenschutz und Fremdbestimmung der User durch ihre Datenanalyse auseinandergesetzt. Es gab Versuche, meine Web-Seite zu häcken, denn ich hatte versäumt diese up-zu-daten. Ich beschäftige mich nicht gerne mit sowas, aber heute kann diese Nachlässigkeit bzw. der Protest gegen den „Internet-Stress“ lebenseinschränkende Folgen haben (so konnte ich jetzt 3 Wochen meinen Blog nicht schreiben). Wir haben also ein digitales Leben und müssen uns darum kümmern. Und angeblich bedeutet das ja auch unsere Zukunft und irgedwann wird dann ja durch die Digitalisierung alles besser. 

Doch jetzt bin ich auf erschreckende neue Daten gestoßen, wissenschaftlich hochseriös, psychologisch eigentlich nicht überraschend. Aber für unsere Zukunft und unsere Hoffnung auf die Digitalisierung, die alle Probleme lösen soll, absolut bedenklich:  

Das Forschungsprojekt „Digitalisierung und sozial-ökologische Transformation“ der TU Berlin hat, in Zusammenarbeit mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, 2018 das erst Mal die Umweltfakten zur Digitalisierung vorgelegt. (Sie sind in dem Buch von Tilman Santarius und Steffen Lange: „Smarte grüne Welt – Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit“, ab nächste Woche nachzulesen.)

Die Studie der TU belegt, dass die Digitalisierung ihr versprochenes und existentiell notwendiges Ziel, den öko-sozialen Wandel des Wirtschaftslebens, nicht erfüllt: Die Zustände werden durch die Digitalisierung nur massiv verschlimmert. Die Digitalisierung versöhnt nicht Ökonomie und Ökologie, schont nicht Ressourcen, sondern fördert den Stromhunger in allen digital unterstützen Lebensbereichen (von Kommunikation bis Banktransfer, Datenspeicher für Filme, Bilder, Dokumente und als besonders schlimmes Strommonster, die digitale Währung).  

Die Digitalisierung ist für Wirtschaft und Politik in erster Linie ein Wachstumsmotor. Allein das „Internet der Dinge“ oder eine effizientere Kommunikationstechnik wird nicht sparsamer produzieren, sondern zu Ungunsten der Umwelt. Der Aufbau neuer Infrastruktur und das gesteigerte Konsumverhalten zerstören unseren Planeten noch schneller, als je zuvor (jenseits vom Thema Arbeitsmarkt und Datenschutz, die bisher im Fokus der Diskussionen stehen). Mit der Produktion von immer neuen Buchlesegeräten, iPads, Smartphones und digitalen Brillen, die ständig als Statussymbole neu gekauft werden, übersteigt der Ressourcen und Energieverbrauch jede Einsparung um ein Vielfaches: Das Wirtschaftswachstum hat großes Interesse daran – auf Kosten der Umwelt.  

Alles Geld, was Menschen im Netz einsparen oder mit dem Netz und den davon profitierenden Firmen immer mehr verdienen, stecken sie in: neuen Konsum (angeheizt durch immer geschickteres Marketing). Dazu kommt, dass Kleidung und andere Produkte immer schneller, zugunsten neuer Dinge, entsorgt werden. Und diese Entwicklung wird, durch alle Einsparungen und mehr Effizienz mithilfe der Digitalisierung, nicht nennenswert aufgehalten. Allein unser Filmkonsum wird, durch die neue 3D-Technik, erneut um das 40fache Energie verbrauchen (heute schon entfallen darauf 70% des Datenaufkommens und des digitalen Stromverbrauchs).

Auch die erneuerbare Energie ist nicht unendlich erweiterbar, da Stahl und seltene Erden, genauso wie Lebensraum für seine Gewinnung, begrenz sind.

Die vielgepriesene effizientere Mobilität, als Lieblingsprojet der IT-Propheten, vermeidet darüber hinaus kein Verkehrsaufkommen, sondern steigert noch die Auslastung der Verkehrsmittel: Auch hier ist nur, mit all der schönen neuen Technik, ein Anstieg von Individualverkehr, Güterverkehr und entsprechender Infrastruktur und Ressourcenverschwendung geplant (und wird vielfach politisch unterstützt). Selbstfahrende Autos sollen den Privatwagen-Markt beleben, nicht vermeiden!

Der Rebound-Effekt zeigt sich auch jenseits der Ökologie und des Wirtschaftswachstums , in unserem Leben: Wir sparen mit der Digitalisierung Zeit, machen Überweisungen und Urlaubsbuchungen etc. in der U-Bahn – und investieren die gesparte Zeit nicht in Ruhe und Erholung. Wir verwenden sie für stressige Aktivitäten und weiteren Konsum, für die Kommunikation mit noch mehr Menschen, eine umfangreiche Selbstdarstellung (die ständig erneuert werden muss) und Informationen, die wir so schnell wie möglich wissen wollen, ohne sie sinnvoll für unser Leben zu nutzen. Der Kapitalismus ist auch hier spitzfindig, um die aus Effizienz gewonnene Kapazität sofort wieder für sich zu reklamieren. Ein aufgeklärtes verantwortungsvolles Leben, findet trotz all der alternativen Informationen im Netz, nur in Nischen statt, die kaum Wachstum erfahren (Carsharing, Teil- und Tauschsysteme, nachhaltige Produkte), da sie nur in privater Eigenverantwortung und gegen Politik, Industrie und den Mainstream entstehen.

Demnach ist meine gehäckte Internet-Seite nicht mein größtes Problem. Auswege liegen – wie immer – in unserer Vernunft, die leider wenig Macht über unseren Narzissmus, unseren inneren Schweinehund hat.

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…in eigener Sache…

…die Seite muss neu programmiert werden, da ein Fehler aufgetreten ist….

Hoffe bald wieder meinen Lesern am Wochenende Neues mitteilen zu können.

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FrauenQuote. FlüchtlingsQuote. FrauenFlüchtlingsQuote?

Heute habe ich mich gefragt (als Gedankenspiel), was wohl passieren würde, wenn wir nur junge Flüchtlingsfrauen, aus allen anderen Ländern, in unser Land bzw. nach Europa lassen würden? (Natürlich ist das weder mit unserem Grundgesetz, noch mit den Menschenrechten vereinbar.)

Hätten die Rechten dann immer noch ein Problem, mit den Flüchtlingen? Wo läge dann die Obergrenze der CSU? Hätten die Deutschen mehr Mitgefühl und würden sich weniger bedroht oder ausgenutzt fühlen? Würde die Integration schneller gehen, besonders da viele Flüchtlinge ja aus Ländern kommen, die Frauen abwerten und unterdrücken: Würde diese sich also hier, auf sich gestellt und endlich freier in der Selbstbestimmung, besser zurechtfinden, entfalten? Wären Frauen solidarischer: Deutsche Frauen mit Flüchtlingsfrauen, Flüchtlingsfrauen untereinander? Würde sie schneller Partnerschaften schließen, mit hiesigen Männern, als umgekehrt?

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#Face-it

Gerade gibt es einen neuen Hype: Darts! Was sich authentisch in verruchten Kneipen entwickelt hat (dicke Männer werfen stundenlang Pfeile auf eine langweilige analoge Scheibe), wird jetzt im großen Stil vermarktet: Wachsende Fanpartys, wilde Verkleidungen der Protagonisten, Merchandisingprodukte und eine Promi-Darts-WM. 

Doch was mich wirklich richtig wütend macht, zumal wir nun mindestens 3 Monate #Mettoo-Debatte hinter uns haben, ist wiedermal die herabwürdigende Deko: hübsche Frauen in kurzen Röcken und hohen Schuhen, die neben den zumeist glatzköpfigen, dicken Darts-Helden dummlächelnd rumstehen und sie beklatschen (und ich schreibe das hier extra betont äußerlich). Schon bei der Tour de France ist mir das nach jeder Etappe ein Greul, auch wenn da wenigstens die Sportler noch halbwegs knackig sind.  

Wenn ein Leser an dieser Stelle, ob der kritischen Äußerungen über das Äußere von Männern, einen kleinen Stich fühlt: Bitte das Gefühl gut merken. Frauen begegnet dieses Gefühl ein Leben lang.  

Gibt es irgendeinen Frauensport, wo bei der Preisverleihung nette knackige Männer in kurzen Hosen danebenstehen und die Frauen beklatschen? Sind Laura Dahlmeier oder Claudia Pechstein, zwei Ausnahmeathletinnen, je von Jünglingen in Glitzertops zum Podest geführt worden? Ich finde, wir können diese ganze #Metoo-Debatte sparen, wenn Frauen weiterhin bei medialen Ereignissen, bei denen sich Männer mit ihren Helden identifizieren (sollen), damit die Industrie weiter Millionengewinne einfährt, als „Beifallschlampen“ (wie es ein Freund von mir nannte) gezeigt werden.  

Dabei ist es natürlich nur eine Frage der Zeit, jetzt wo der Kapitalismus den Sport zur Gewinnmaschine trimmt, bis auch die Spieler attraktiver und durchtrainierter werden. Ist ja kaum möglich, dass der optimierte Leistungsbürger sich nicht auch im Darts wiederfinden soll. Und trotzdem wird es wohl dann auch weiter die archaische Inszenierung der Helden, durch die Bewunderung schöner Frauen geben. (In spätestens zwei Jahren, müssen diese dann nicht mehr, wie auch bei Harvey Weinstein, so tun, als fänden sie die Männer, die sie da beklatschen, attraktiv.) 

Wirkliche Gleichberechtigung ist wohl erst dann erreicht, wenn junge Heteromänner eine #Metoo-Campagne starten, weil sie von Leistungsfrauen belästigt werden, sich ekeln vor grapschenden Frauenhänden, den schwabbeligen Frauenleibern ihrer Cheffinnen, geifernden Frauensprüchen, die ihre Macht ausnutzen, die sich junges muskulöses Fleisch in ihre Nähe holen, um die unansehnlichen alten männlichen Kollegen optisch zu neutralisieren.  

Wie gesagt liebe Leser: Gefühl merken, das sich einstellt, wenn über das eigene Geschlecht derart (und meist ungebeten) geurteilt wird! Und wer das jetzt unangebracht findet: Viele Frauen erleben das im Leben solange, bis sie zu alt werden, für die Gier der Männer, für den Posten als Beifallschlampen, als Bewunderin von geprotzten Heldentaten – weil die Männer sich dann Jüngeren zuwenden (ohne selbst jünger oder einsichtiger oder weniger dreist und eklig zu werden.) 

Und da es zahlreiche Beschwerde gab, warum in der #Metoo-Debatte sich nicht mehr Männer eingeschaltet haben: Ich denke mal, die meisten Männer können es nicht nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn die eigenen Leute, degradiert und abgewertet, inszeniert werden oder – weit schlimmer noch – wenn man, korpulenter und älter und unansehnlicher, beleidigt wird, weil man nicht mehr in das Bild der Beifallschlampe passt. Und ich weiß jetzt schon mit Sicherheit, dass der ein oder andere Shit-Post mich erreichen wird, von männlichen Lesen, die mir tröstend erklären a.) ich hätte so einen Zynismus doch noch gar nicht nötig. Oder hämisch schreiben b.) so wäre das nun mal „in der Natur“ für ältere Frauen.

Dabei ist sind diese ungefragten Bewertungen und Urteile das eigentliche Problem: Ich habe nicht nach einer Beurteilung über mein Äußeres, meine Sexyness gefragt! Denn jenseits dieser Zeilen gebe auch ich nicht ungefragt über Euer Äußeres ein Urteil ab. Es steht nieManndem zu!

#Face-it!

 Meine Texte können, als meine Leistung, dagegen gerne jederzeit kritisiert werden.

 

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Gute Nachsätze

40% der Berufstätigen wollen kürzer arbeiten. Für viele ist es ein Vorsatz fürs neue Jahr. Mehrere Studien haben ergeben, dass 4 Stunden Arbeit am Tag die höchste Produktivitätsrate haben.

In seinem Essay „Lob des Müßiggangs“ beschwor der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russel bereits 1935: „Der Weg zu Glück und Wohlfahrt liegt in einer organisierten Arbeitsbeschränkung.“ Sie erlaube angeblich, dass sich der Mensch mit hehren Dingen beschäftige wie Malerei, Literatur, Forschung und Kunst. Russel, der schon versucht hatte, letztgültige Formeln der Mathematik zu beschwören und daran scheiterte, dass diese immer nur selbstbezüglich und weltfremd um sich selbst kreisten, irrte auch in seinem Plan, die Menschen mit 20 Stunden Arbeit die Woche glücklicher zu machen. (Denn Russel war Positivist, rechnete sich die Welt schön, ohne selbstkritisch gerade in dieser Hybris, das prinzipielle Scheitern jeder Utopie an sich selbst zu erkennen.)

Denn jede utopische Schönrechnerei wird an der Psyche und Lebenswirklichkeit des Menschen und seiner narzisstischen Veranlagung scheitern. Zum einen (und Wichtigsten) stellen sich viele Menschen mehr Freizeit schön vor – und wüssten sie nach spätestens 6 Wochen nicht mehr selbständig zu füllen. Fernseh- und Internetsucht werde die Leere füllen, die die Mühe und das mangelnde Interesse an Literatur und Kunst, dass bei den meisten Menschen realistisch gesehen vorherrscht, hinterlässt. Kunst und Kultur gehören zum typischen Statusblabla und gehen meist über ein Musical und den Restaurantbesuch nicht hinaus. Die realen Zahlen der Theater- und Museumsbesuche und verkauften und gelesenen Bücher, im Verhältnis zur Bevölkerung, lassen da kein Zweifel zu. Der Rest ist Langeweile, sinnloser Konsum und Status-Verlustängste.

Außerdem ist „die Arbeitsmenge“ eine Scheingröße. Sonst wären die massiven Reduzierungen von Arbeitsplätzen in Firmen, zur Kostenersparnis, in den letzten Jahren kaum möglich gewesen. Man braucht für die Arbeit genau die Zeit, die einem dafür vorgegeben wird. Und wer die Arbeit in 20 Stunden macht, statt in 40, oder wer sich Stellen teilt, verdient eben auch nur die Hälfte.

Doch der weit größere Irrtum ist die – schon im Kommunismus und gerade in der Utopie vom bedingungslosen Grundeinkommen – immer wieder auftauchende Annahme: Der größte Teil der Menschen hätte die Fähigkeit zu echten Selbstverwirklichung, ohne narzisstische und neurotische Kompensation. Denn „der Mensch“ wird nur zur Hälfte von außen geknechtet und in seiner Freiheit von fremden Mächten beschränkt. Die andere Hälfte seiner Freiheit und seines Glücks verdirbt er sich selbst, mit seinen Ängsten und Eitelkeiten, seinem Geltungsdrang und Egoismus und seiner Sehnsucht, irgendwann,würde für ihn alles gut und das Paradies auf Erden wäre für ihn machbar. Vor allem scheitern wir nämlich an unseren Erwartungen. In diesem Sinne: Einen guten Rutsch ohne gute Vorsätze.

 

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Von Kerzen und Käufern

Ein Freund von mir hat einen Laden für skandinavisches Design und in der Weihnachtszeit ist da natürlich Hochkonjunktur. Eine Frau kaufte bei ihm einen schönen Kerzenständer aus Holz – und brachte ihn 2 Tage später zurück. Sie hatte die Kerzen so weit runter brennen lassen, dass das Holz angekokelt war. Jetzt wolle sie einen neuen. Als mein Freund sagte, das wäre nicht möglich, da das Produkt einwandfrei den Laden verlassen hatte und man natürlich bei einem Holzkerzenständer aufpassen müsse, das hätte Holz nun mal so an sich, dass es ankokelt, wenn man nicht aufpasst, er hätte aber auch sehr schöne Kerzenständer aus Metall, da könne sowas nicht passieren – da wurde sie beleidigend. Sie kam sogar am nächsten Tag noch mal wieder, nur um noch mal beleidigt zu sagen, sie würde nie wieder etwas in dem Laden kaufen.

Papst Franziskus hat vorgeschlagen, das Vater-Unser in einer Zeile zu ändern: Statt „führe uns nicht in Versuchung“, wollte er zukünftig „lass uns nicht in Versuchung führen“ gebetet haben. Die kleine Änderung würde nämlich die Verantwortung für das Böse von Gott auf den Teufel verschieben. Nicht Gott hätte das Böse in die Welt gebracht, um uns in hinterlistig in Versuchung zu führen (zu prüfen). Sondern „das Böse“ wäre „des Teufels“, hätte also weder mit Gott noch mit den Menschen zu tun. Netter Versuch. Der Streit ist so alt wie die Christenheit: Wie kommt das Böse in die Welt?

Für uns Psychologen gibt es den „bösen Narzissmus“: Unreife, Gier, Dummheit, Neid, Eifersucht, übermäßige Sehnsucht, Selbsterhöhung (in der Fachsprache heißt dieses Kleinkindverhalten deshalb auch „infantiler-Narzissmus“ – ich bin hier schon häufiger darauf zurück gekommen, denn der infantile Narzissmus erklärt das Übel dieser Welt, dass die Menschen selbst verursachen, also neben den Naturkatastrophen, so ziemlich jedes Übel.). Doch es gibt auch den „guten Narzissmus“: Selbstreife, objektive Selbstkritik, Empathie, die Fähigkeit, eine Situation und Konflikten, die eigenen narzisstischen Bedürfnisse richtig zu erfassen, und in Gerechtigkeit, Fürsorge, liebevollen Umgang, gesunde Grenzen und Hilfsbereitschaft aufzulösen. Und beides ist in uns, von Natur aus beginnen wir als infantile Narzissten und einige schaffen es zu erwachsenen, eigenverantwortlichen weitsichtigen Individuen mit einem selbstreifen Narzissmus heranzuwachsen, im Laufe ihres Lebens. Die meisten Menschen aber bleiben auf diesem Weg irgendwo hängen.

Die Tiefenpsychologie hat gegenüber dem Papst und Christentum den eindeutigen Vorteil, bestimmte Konflikte der Menschen sehr deutlich zu erklären und eindeutige Lösungsvorschläge zu erteilen. (Vor weltlichen Gerichten findet das quasi täglich statt, dass aufgrund von psychologischen Gutachtern geurteilt wird, wer für was verantwortlich ist und zu schwach, unreif, selbstgerecht war.) Wer also einen Kerzenständer aus Holz kauft und glaubt der ehemalige Verkäufer müsse für die Dummheit des Käufers die Verantwortung übernehmen, wer dann noch glaubt, andere beleidigen zu können, für 1.) die eigene Dummheit 2.) die eigene Unverschämtheit 3.) die eigene Unreife – der kann einem zutiefst leidtun. Denn so ein Verhalten zeugt von einem grundsätzlichen Fehlverhalten (Strukturunreife sagt der Psychologe) und dass er/sie im Leben mit Sicherheit keine glückliche Beziehung führen wird. Nur hat das wenig mit dem Teufel zu tun und auch nichts mit Gott. Und der Papst ist wenig hilfreich, wenn er die Verantwortung von den Gläubigen nimmt.

Nicht Gott oder der Teufel hat gesagt: „America first“, „Deutschland über alles auf der Welt“, „La Grande Nation France“, „das ist Unpolnisch“, „Österreich den Österreichern“, etc. Das absolut Böse, der Nationalismus, der zwangsläufig andere abwertet und zu verdrängen sucht und aus diesem, seinem infantilen Narzissmus heraus, immer zu Zerstörung und Vernichtung geführt hat – das war keine Prüfung Gottes oder des Teufels. Das war immer nur der Mensch, der glaubt, ihm stünde mehr zu als den anderen, der nicht selbstkritisch seine Fehler zu bessern sucht, sondern andere dafür verantwortlich macht und sogar von ihnen Wiedergutmachung verlangt, für seinen unreifen Mist, den er verursacht. Das bedenke, wer Kerzen anzündet dieser Tage. In diesem Sinn: Frohes Fest.

 

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Kreuzfahrer

„Wir zerstören das, was wir suchen, indem wir es finden“, hat Hans Magnus Enzensberger schon 1958 gesagt. Heute wird dieser Satz an vielen Stellen überdeutlich. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, wo alle herum hetzen, Geld für Geschenke ausgeben, dass sie nicht haben und die die Beschenkten zumeist nicht brauchen, wird genau das, was wir an Weihnachten gut finden (Besinnlichkeit, stressfreies Zusammensein, Ruhe) zerstört.

Reiseziele wie Mallorca, Venedig, Barcelona, Berlin gehen mittlerweile mit harten Gesetzen und Vorschriften gegen diese Zerstörungen von dem, was wir suchen vor. Es darf kein Wohnraum mehr für Touristen verwendet werden, es gibt Ökosteuern und Kreuzfahrtschiffe werden massiv reduziert. Die Menschen müssen vor sich selbst geschützt werden. Denn jeder Aufruf zur Vernunft ist gescheitert: an narzisstischer Rücksichtslosigkeit und Bequemlichkeit.

7,5 Milliarden Menschen suchen frei das schöne erfolgreiche Leben – und zerstören diesen Planeten. Das gestehen uns ausgerechnet die Menschenrechte zu: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“ Das ist der erste Artikel der Menschenrechte. Leider ist er ungenau und falsch. Er definiert nicht, was Freiheit ist, denn nur weil man niemandem anderem gehört, gibt es zum Thema Freiheit unendlich viel mehr zu sagen. Und dass wir alle mit Vernunft und Gewissen begabt sind, ist schlichtweg falsch bzw. sinnlos, wenn unsere Vernunft und unser Gewissen keine Wirkung auf unsere Handlungen haben.

Wenn wir nicht so im unfreien Konsumstress wären und unser Verstand irgendeine Macht hätte, könnten wir das alles jetzt und hier ändern und den Menschenrechten gerecht werden. Tun wir aber nicht. Hoffentlich wird es irgendwann mal ein Gesetz geben, dass Weihnachten vor uns schützt, um unser selbst willen.

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Sozialdarwinismus unter Grundschülern

Nirgendwo mischen sich die verschiedenen Wahrheiten und Wissenshaften unserer Welt so sichtbar, wie in: Grundschulen. Diese Woche wurden wieder mal die neusten Studienergebnisse bekannt gegeben, die die Lesefähigkeiten der 6-10 Jährigen in Relation zu anderen Ländern darstellen. Das Ergebnis: Die Kinder lesen im Durchschnitt so gut, wie alle Jahre zuvor –, doch Deutschland ist in der Gesamtwertung stark abgefallen. Und das liegt – und hier wird es politisch heikel – an den Kindern mit Migrationshintergrund und an den Kindern aus sogenannten „sozialschwachen“ Familien.

Eltern aus besser gestellten Familien versuchen deshalb ihre eigenen Kinder zunehmend diesen „schlimmen Einflüssen“ der „schwachen“ (sozial- und überlebensschwachen) Kindern zu entziehen. Denn nicht nur, dass diese mal schlechtere Jobs haben werden und dem eigenen sozialen Netzwerk nicht dienen können: sie werden sich auch ungesünder ernähren und früher sterben. Wer also glaubt, der Sozialdarwinismus wäre vorbei und die Menschenrechte würde in Deutschland gelten, sieht sich am Beispiel der Grundschüler eines Besseren belehrt. Denn wenn es um die eigenen Kinder und ihre Möglichkeit in der Zukunft geht, ist alles linke Gedankengut der Bildungseliten hinfällig: An dieser Stelle darf auch die Mutter, die nur umweltfreundliche Produkte kauft und der Vater, der nur Fahrrad fährt und die Eltern, die für die Schulbildung der Kinder in Afrika viel spenden, gnadenlos die eigenen narzisstischen Interessen hemmungslos und ohne schlechtes Gewissen vertreten!

Und hier sind wir bei der FDP und dem Grund für ihre Ablehnung einer Regierungsbeteiligung. Schaut man sich nämlich das Wahlprogramm der FDP an, dann gibt es für das Problem der Leseschwäche und frühen Entscheidungen über ein ganzes Leben nur die eine Lösung, nämlich die guten Kinder noch mehr zu fördern, von jedem Verteilungszwang zu befreien und die schlechten haben halt Pech gehabt. Durch den zunehmenden Rechtsruck unserer Gesellschaft ist diese Denke hoch gefährlich geworden, denn – oh Wunder – die Abgehängten und Entwerteten, die Enttäuschten und Nicht-Sieger, beginnen sich zu wehren. Auch sie wollen keine Migrationskinder mehr, damit ihre eigenen Kinder wieder besser dastehen und besser gefördert werden. Würde die FDP ihre Politik umsetzen dürfen, würde der Riss in der Gesellschaft noch tiefer und der AfD würden noch mehr Wähler zulaufen, die offene Fremdenfeindlichkeit leben. Denn: Gerade die osteuropäischen Länder, die jede Zuwanderung ablehnen, haben enorme Fortschritte gemacht, bei den Leseleistungen ihrer Grundschüler.

Gerade läuft wieder oft das Weihnachtsmärchen von Dickens im vorweihnachtlichen Fernsehprogramm: Die arme Familie, ohne Chance auf Zukunft für ihre Kinder, wird vom reichen Geizhals, ohne Mitgefühl, weiter dem Elend überlassen – bis der Geist der Weihnacht im Traum zeigt, was am Ende aus dem Reichen werden wird, welches Elend auf ihn selbst wartet, durch sein Verhalten. So möge man fromm hoffen, dass Christian Lindner und seinen Wählern und allen Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen vor den sozialschwachen anderen Kindern schützen wollen, so ein Geist erscheinen wird, der ihnen zeigt, was aus der Welt und den demokratischen Nationen wird, wenn die Zweiteilung der Gesellschaft(en) voranschreitet. Sie können aber auch einfach mal in die USA fliegen oder ihren Fernseher anmachen und die Nachrichten schauen, statt Weihnachtsmärchen.

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Nazis im Weltall


Keine politische Massenbewegung hat sich so stark auf übernatürliche Denkbilder, Esoterik, Astrologie und Okkultismus gestützt, wie der Nationalsozialismus. Führende Nazis waren dem Hellseher Erik Jan Hanussen verfallen, Hitler selbst schickte 1934 einen Wünschelrutengänger durch die Reichskanzlei, zum Aufspüren von gefährlichen Strahlungen. In Berlin gab es ein Institut der Kriegsmarine für paranormale Begabte, wo über Meereskarten die Position britischer Schlachtschiffe ausgependelt wurde. Die SS versammelte 1943 am Wannsee 40 Hellseher. Heinrich Himmler ließ in alten Hexenprozessakten nach Belegen für die Überlegenheit der germanischen Rasse suchen.

Selbst das Weltall bekam eine nicht-jüdische Physik verpasst und sollte aus einem Kampf aus Eis und Feuer entstanden sein und die arischen Menschen aus göttlichem Sperma, das mit einem Meteoriten auf der Erde eingeschlagen war. Hitler, Himmler und viele andere Nazis fanden das überzeugend. (Wer das nicht glaubt, kann es jetzt wunderbar in dem neuen Buch vom Historiker Erik Kurlander nachlesen: „Hitler´s Monsters – A Supernatural History of the Third Reich.“, Yale Univerety Press, 2017)

Die Nazis träumten von einem Planeten, auf dem ein besseres, höheres Leben stattfinden sollte. Hier schließt sich der Kreis, zu Elon Musk, als großen Entrepreneur des Silicon Valley, der ab 2025 mit ausgewählten Menschen auf dem Mars eine bio-soziale Musterkultur schaffen will und dem Papst, der am 25.10.2017, zum Ende seiner „Katechesenreihe“ vom Paradies sprach, „als schönsten Platz überhaupt“.

Nach Jahrhunderten der Hybris und ihrer immer zerstörerischen Folgen, wäre eine „Philosophie der Selbstkritik“ durchaus angebracht. Doch unsere narzisstische Sehnsucht ist immer weiter dabei, neue „paradiesische Höhen“ zu erklimmen, eine zukünftige „totale Befriedung“ zu versprechen: mithilfe modernster Technik, Weltraumreisen, künstlicher Intelligenz, einer angeblich exakten Vermessung unseres Innenlebens (auf Basis unserer Netzdaten), für eine Art überirdische Leistungs- und Selbstoptimierung.

Und wieder steht uns also eine höhere, paradiesische Zukunft und scheinbar absolute Freiheit (von allem Übel) bevor – ohne zu vermerken, wie unfrei wir gerade durch diese innere Sehnsucht sind, wie manipulierbar wir gerade durch diese infantil-narzisstische Ansprüche an unsere Unsterblichkeit werden. Wenn wir die schwerwiegenden Probleme auf unserer Erde nicht in ihrer allzumenschlichen Grundlage erkennen und verwalten lernen, unsere vielgepriesene Vernunft in ihrer narzisstischen psycho-somatischen „Verankerung“ miteinberechnen, werden wir unser „narzisstisches Talent zur Selbstzerstörung durch Selbsterhöhung“ in jede andere Zukunft und Welt mitnehmen. Die Regierungsbildung in Berlin ist insofern nicht nur ein Symptom, sondern das Sinnbild unserer Grenzen.

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Koalition #Metoo

…zwischen Koalition und #Metoo und wieder Koalition und weiteren Übergriffen ist mir diese Woche aufgefallen: Warum machen Männer den Frauen, quasi Partei übergreifend, nicht mehr Komplimente, zu ihren Leistungen? Wenn Männer so gerne Komplimente machen und jetzt so verunsichert sind, „was Mann noch sagen darf“: Einfach mal was Nettes über die Arbeit der Kollegin, Mitstudentin, Tochter, Ehefrau, Mitarbeiterin sagen, einfach mal bewundern, dass sie so kompetent und souverän ist, sich so bemüht hat, um Kompromisse, guten Kundenkontakt, eine nette Arbeitsatmosphäre, dass sie das Meeting hervorragend vorbereitet hat etc. Ich verspreche Ihnen, als Psychologin und Frau, keine Frau wird das je in den falschen Hals bekommen, sofern es ehrlich gemeint ist. Und: Vielleicht klappt es ja auch so mit jeder anderen Koalition…

Und: Mann kann dann sogar, als Mann und PolitikerIn, den #Metoo fortsetzen: Einfach mal von den netten oder erstaunten Reaktionen berichten, in Berlin und sonst wo auf der Welt.

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Aus dem Nichts

Aus dem Nichts scheint die FDP Jamaika aufgekündigt zu haben. Gleichzeitig will die SPD partout nicht regieren. Über Rot Rot Grün diskutiert sowieso niemand. Herr Seehofer scheint ohnehin bald nicht mehr relevant, mit seinem altbackenen Amigogehabe und seiner ADF-Fake-Politik. Immerhin ist das in den letzten 4 Wochen deutlich geworden.

Wenn man sich anschaut, was die Parteien vertreten, hat keiner von ihnen eine wirklichkeitsnahe Lösung. Lindner und die CSU vertreten eine Politik, die die Eliten noch wohlhabender machen sollen, die über die freie Marktwirtschaft weiter die einfachen Arbeitsplätze abbauen wird und über Privatschulen die Undurchlässigkeit der Schichten weiter verhärtet. Wir können das hier in Bayern täglich beobachten: Gerade wieder am 1. November wurde in den Kirchen vielfach Achtsamkeit und Verzicht gepredigt, während die Gläubigen danach, mit ihren Kindern im Porsche Cayenne, nach Hause fuhren. Das ist das Sinnbild des globalen „Weiter so Wohlstand“ und „Anders geht es nicht“, „Wir werden sonst abgehängt“.

Die andere linke Seite konzentriert sich auf die Migrationsfrage (die die meisten Bürge nicht mehr hören können, zumal wenn die eigenen Probleme nicht gelöst werden). Und dann wir noch etwas zum Klima angedacht, aber nur wenn der „hart arbeitende Bürger“ keinen Nachteil davon hat und sei es nur ein Windrad, auf dem Gewerbeacker vorm Dorf. Lieber wird die Zukunft der eigenen Kinder, mit immer schlimmeren Rekordhitzen und Wirbelstürmen aufs Spiel gesetzt.

Das Klima ist die größte Krise unserer Zeit (noch vor der Zweiteilung der Gesellschaft). Denn sie ist irreversible. Wir Deutschen verursachen jährlich 11 Tonnen CO2 pro Kopf. Und nur bei 2,5 Tonnen würde sich das Klima nicht weiter erwärmen. Keine Partei kann das umsetzen, sie würde sofort abgewählt und mit Protesten überschüttet, und die AfD würde wohl bei der nächsten Wahl die absolute Mehrheit stellen. Ich frag mich nur, wie gut die Verdrängungsmechanismen von Eltern sein müssen, um damit leben zu können. Viele Jugendliche machen ihre Eltern jetzt schon für ihr Verhalten verantwortlich, und dabei ist es ihnen egal, was die Eltern wählen.

Es gibt also eigentlich keine Lösung, für die eigentliche Krise. Egal was jetzt in Berlin passiert. Wir können nur selbst kein Auto fahren, kaum Klamotten kaufen, nicht fliegen, kein Fleisch essen, unsere Häuser dämmen (sofern wir welche besitzen) und moderne Heizungen einbauen. Statt zu warten und zu schimpfen und die anderen zu beschuldigen, können wir gegen unsere Umweltsauerei eine ganz ganz große Koalition bilden, gegen diese existentielle Krise, parteiübergreifend. Morgen. Denn das meiste davon kostet kein Geld, sondern spart uns eine Menge.

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Welcome to Fictionality

Nun ist Donald Trump also seit einem Jahr gewählter Präsident und seit 10 Monaten im Amt. Das ist Realität. Und die Welt ist noch nicht untergegangen. D.h. es gibt nicht weniger Atombomben, Kriege, Hungersnöte und Klimaerwärmung. Wir fliegen immer noch Co2 haltig durch die Welt, kaufen immer mehr und größere SUVs und es fallen immer noch täglich mehr Jobs der Digitalisierung zum Opfer. Arme bleiben arm, und ihre Kinder haben weniger Chancen. Und Glyphosat und andere Gifte landen weiter in rauen Mengen auf den Äckern und in unserem Essen.

Aber daran ist nicht Donald Trump schuld. Das haben wir in unseren westlichen demokratisch-kapitalistischen Kulturen genauso vor ihm gemacht. Und es würde sich nichts daran ändern, würde er morgen abgewählt. Denn, wie er, sind wir alle gierig nach mehr Gewinn und wenig Veränderung, nach Bequemlichkeit und Sicherheit. Und das geht seit Jahrzehnten auf Kosten der armen Abgehängten, überall auf der Welt – und natürlich auf die Natur. Wir sind eben alle Narzissten, auch die Armen, die noch ärmer wären, würden wir umweltgerechter und teurer produzieren.

Wir wollen das alles anders wird, aber sich nichts ändert. D.h. wir wollen, dass alles besser wird, für uns. Und so irrsinnig das ist, um so deutlicher wird, warum Donald Trump Präsident ist und die AfD im Bundestag sitzt. Die Realität spiegelt sich in ihren Extremen. Und als wäre es ein geplanter Witz der Geschichte, wird Kevin Spacey nun als US-Präsident Frank Underwood, in der Serie „House of Cards“, abgesetzt, also in seiner Rolle in der 5. Staffel, weil er so viele Lügen und Verbrechen und Manipulationen begangen hat – und im echten Leben, weil der Schauspieler seit Jahren sexuell übergriffig wurde, gegenüber junge Männern.

Dabei hatte die Serie schon in der diesjährigen 5. Staffel das Problem, dass sie in ihrer Krassheit hinter der Realität der Donald Trump Wahl zurückblieb. Und als man sie dann sah (und wer sie seit Jahren als Fan verfolgte, dem war das irgendwie seltsam unheimlich), war das ein ver-rücktes Gefühl, nicht mehr denken zu können: Ist ja nur Fiktion, der mächtigste Mann der Welt ist nicht so, in Realität, er setzt nicht, mit Kriegen und manipuliertem Terror, das Leben der Menschheit aufs Spiel…

Alle haben davon gewusst, von dem Gegrapsche und Gelüge und der Verlogenheit hinten dran. Durch all die Menschen, denen es egal war oder sogar gerade recht war, dass die alten Verhältnisse, am entscheidenden Punkt, bestehen bleiben, trotz all dem schnellen Wandel, ist all das heute zum eigentlichen Skandal geworden. Denn letztlich wandelt sich dadurch alles zum Alten hin, zu immer mehr Konzentration der Macht, in immer weniger Männerhänden. Also ich meine: Wir haben es alle gewusst und für normal gehalten, selbst als Opfer. Und die führenden Macht-Grapscher, als Präsidenten oder gespielte Präsidenten, in unserer Kultur und Weltwirtschaft, sind Männer – in echt, selbst wenn sie zur Fiktion werden.

Nun geht das Gerücht um, es würde eine Frau demnächst das höchste Amt weiterführen. Leider erstmal nur in der Serie. Aber anscheinend ist sie ja visionär. Vielleicht gibt es ja bald mal eine Serie über echten Klimaschutz, also nicht das, was wir gerade in Realität machen, sondern eben wirklich.

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Wann…..

….reicht es eigentlich den Männern, dass einige Männer alle mit ihrem schlechten sexistischen Verhalten in Verruf bringen? Wann haben sie keine Lust mehr, sich fremd zu schämen, wenn ein Freund, der für sein Potenzgehabe seit Jahren bekannt ist, die Kellnerin dumm antextet? Wann fürchten sie um den Ruf ihrer Firma, wenn ein grapschender Kollege oder Chef, alle in einem schlechten Licht da stehen lässt?

Mir persönlich reicht es schon lange, in Sippenhaft genommen zu werden, für Frauen, die nach oben heiraten, die als Gluckenmütter alle mit ihren verhaltensgestörten Kindern nerven (und ich meine das als Diagnose) oder diese als Lebenssinn missbrauchen, die nichts als Shoppen im Kopf haben, die keinen Gedanken an ihre Rentenfinanzierung verschwenden, die riesige Ansprüche an Männer stellen, die sie selbst nicht erfüllen? Ich habe einige Freundinnen verloren, weil ich das offen und ehrlich angesprochen habe. Ich habe sie nie vermisst.

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Relative Looser

Diese Woche hat die Lufthansa einen Jahresgewinn von über 2 Milliarden Euro verkündet – und gleichzeitig eine Auffanggesellschaft für über 4000 Mitarbeiter der gerade übernommenen Airberlin abgelehnt.

Keine andere Institution hat die Entfesselung der Finanzkräfte und des knallharten Share-Holder-Kapitalismus, die Entkopplung von Realwirtschaft und Geld, so vorangetrieben, wie der internationale Währungsfonds IWF. Keine andere Institution trägt mehr Schuld am Zustand der Welt heute und dem politischen Rechtsruck.

Am Freitag den 27.Mai 2016 erklärte diese mächtige Institution erstmals – fast unbemerkt und sehr leise – die neo-liberale Wirtschaftsideologie für gescheitert. (In den katholischen Ländern war das skurriler Weise der Brückentag nach Fronleichnam.)

„Die Vorteile des Wirtschaftswachstums müssen breiter verteilt werden, um Inklusion zu fördern“, steht in der Abschlusserklärung der führenden Wirtschaftsnationen G20 vom 25. Juli 2016. Denn obwohl Ungleichheit bisher zu mehr Anstrengung führte, ist der Reichtum der Oberschichten heute zu weit abgehoben (vom Durchschnitt), um noch zu motivieren. Vielmehr frustriert diese Ungerechtigkeit, Gier und rücksichtslose Umweltzerstörung. Die Möglichkeiten sind unrealistisch beschwerlich (extrem teure Ausbildung in den USA, Abschottung der Eliten, technischer Wandel der Arbeit, Globalisierung). Diese wachsende Ungleichheit heute schadet dem Zusammenhalt und fördert rechte Gruppierungen – und nur das hat den IWF aufschrecken lassen.

Geändert hat sich seither nichts. Donald Trump treibt die Deregulierung der Banken erneut voran. Und am 8. Januar 2017 haben Deutschland und Frankreich, als führende europäische Mächte, das entscheidende Treffen zur Bankenregulierung platzen lassen: Staaten und Bürger sind, genauso wie Frieden, Freiheit und Stabilität, weiterhin ungeschützt der Systemkrise und der Gier der Finanzmarkt-Eliten ausgesetzt. Und auch der Lufthansa Chef verkündet nun siegessicher, die Filetstücke von Airberlin für weitere Milliardengewinne der Shareholder gesichert zu haben, ohne die Verantwortung der „minderwertigen Arbeiter“ (auch hier hatte man sich die besten, wenig kranken, jungen, billigen herausgesucht).

Die wirtschaftlich starken Firmen und Regionen (Katalanien, Norditalien, Bayern) und Länder (USA, England, Österreich) sind nicht mehr bereit, in Zeiten, in denen der globale Druck wächst, die Armen und Hungerleider mit durchzufüttern. Sie werden als Behinderung empfunden – und jeder Kleinbürger und Industriearbeiter versucht, für sich selbst diese Überlegenheit in Anspruch zu nehmen und nach unten wegzutreten, was den eigenen Abstieg angeblich fördern könnte. Der Sozialdarwinismus beherrscht längst die Welt.

Der Chinesische Staatschef Xi hat beim großen Parteitag diese Woche ebenfalls seine Ziele und Werte in die chinesische Verfassung schreiben lassen. Aus der totalen Überwachung aller Verhaltensweisen und Internetaktivitäten wird zukünftig mit einem Punktsystem der jeweilige Wert eines Menschen bestimmt, im Sinne des Fortschritts und Wohlstandes der Volksrepublik und Xis Leistungsdoktrin. Für hohe Positionen, gute Bildungsabschlüsse, politischen Gehorsam gibt es Pluspunkte. Wer aber auch nur die „falschen“ Freunde hat (mit niedriger Punktwertung), über Probleme kommuniziert, Arbeitsausfälle hat, nicht im richtigen Alter heiratet oder gar Kritik übt, bekommt negative Punkte und zukünftig keine Karrierechancen und Kredite mehr, kann kein Auto oder keine Wohnung mehr kaufen.

Das demokratische westliche Politik- und Kultursystem wird dagegen, mit seinen individuellen Freiräumen und Protestmöglichkeiten, seiner verzärtelten Kinder und seinen Arbeiterrechten, als anfällig und schwach bewertet. Man möchte es in 20 Jahren überrunden und beherrschen.

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Opfersein oder Nichtsein, das ist hier die Frage

Eine Demokratie muss andere Meinungen aushalten können. Das ist eine der heutigen Floskel, die unüberlegt, eine Selbstversicherung und Beschwichtigung der Ängste beschwören will. Oft gehört dieser Tage, ist sie dennoch falsch. Wir müssen ganz sicher nicht die Meinungen der Rechten aushalten, die eine Überlegenheit weißer männlicher Dominanz „einfach so“ (ohne überzeugende Beweise und Argumente) beschwören. Wir müssen nicht die Meinungen der Harvey Weinsteins und all seiner Brüder im Geiste aushalten, dieses „ist doch nichts passiert“. Genauso muss ich aber auch nicht der #metoo-Bewegung der ewig klagenden Opfer folgen, als quasi absolut-korrekte Meinung von Frauen über die Ungerechtigkeit dieser Welt. Denn ich habe sehr gute Argumente dafür, dass diese ganze Klagerei und ewigen #Aufschrei-Kampagnen wenig bringen. Handlung ist gefragt, meine Damen! Denn Haltung bzw. Meinung, ohne Taten, ist viel zu schwach.

Ich habe letzte Woche an dieser Stelle beschrieben, dass jeder Frau solche Übergriffe, sexuelle Anspielung (verbal oder haptisch), früher oder später begegnen. Ich frage mich nur, warum so viele, wie die Lämmer, immer nur weiter nach Hilfe blöken, anstatt sich Hörner wachsen zu lassen, mit denen sie das nächste Mal kräftig zustoßen. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ein grapschender Chef, dessen Frau man mal anonym oder direkt darüber unterrichtet hat, was ihr Mann im Büro so treibt, so schnell weitermacht. Auch die einfache Frage, an den Grapscher selbst, ob er seiner Tochter das wünschen würde, bewirkt oft Wunder. Vielleicht muss man dann den Job wechseln, aber das muss man doch sowieso, bei so einem Chef.

Worauf ich wiederum hinaus will: Warum werden wir Frauen nicht gnadenlos kreativ in unserer Gegenwehr?! Warum glauben wir, wie die kleinen Mädchen, dass uns nur von „oben“ geholfen werden kann?! Man braucht nicht mal einen schwarzen Gürtel in Karate, um im Bierzelt auf dem Oktoberfest einem betrunkenen Mann so richtig eine runter zu hauen. Man stelle sich vor, dass würden alle begrapschten Frauen machen. Den seltsamer Weise wehren sich die meisten geschupsten und benachteilten Männer auf irgendeine Weise – und rufen nicht nach Hilfe. 

Sehr gut funktioniert auch – aus Erfahrung in meinem Umfeld– die wöchentliche Postkarte, an die Heimadresse übergriffiger Chefredakteure, mit nur einem Wort in Leuchtschrift. „Grapscher“ oder „perverses Schwein“. Wunderbar verstärken lässt sich der Effekt, wenn man die Hausnummer um eine Ziffer verrückt, mal zu diesen oder jenen Nachbarn schickt (das hat eine Bekannte von mir von ihrem grapschenden Chef befreit).

Außerdem haben wir Frauen die Verpflichtung, all unseren Schwestern und Töchtern gegenüber, laut Beschwerde zu erstatten. Denn, wie man bei Weinstein gerade sieht, irgendwann lässt die Masse der Beschwerden keinen Zweifel und kein „Wegreden“ mehr zu. Und hier wird die Selbstgerechtigkeit der Opfer sehr deutlich: Ich selbst überwinde meine Angst und Scham nicht, fühle mich in meiner Schwäche hilflos, anstatt den entscheidenden Schritt zu gehen, der uns Menschen gegeben ist, der unsere Willensfreiheit ausmacht: Die Eigenverantwortung. Wenn ich mich nicht wehre, anderen Frauen damit helfe und ein Vorbild schaffe, dann bin und bleibe ich Teil des Verbrechens, dann tue ich es mir früher oder später ein Stück weit selbst wieder an. Denn diese Opferhaltung des „ich kann nicht“, „ich schaff das nicht“, ist darüber hinaus die beste Voraussetzung wieder Opfer zu werden. Täter suchen Opfer, finden sie instinktiv, in schwachen wehrlosen Menschen.

Nein, wir müssen die Meinung der anderen nicht hinnehmen, wenn sie so offensichtlich falsch und selbstgerecht ist, über keinen Beweis verfügt. Wir haben heute nicht mal mehr den Spielraum die Meinung von patriarchalen Armleuchtern, Leugnern der Klimaerwärmung oder rechten Vollpfosten hinzunehmen. Das alles, diese Altherren-Dominanz des „weiter so“, des „früher war es für uns besser“, ist etwas, gegen das dringen jede(r) aktiv zu kämpfen hat. Wir können uns diese selbstgefälligen Lügner und Leugner nicht mehr leisten, mit unserem Gejammer. Ein selbstgefälliges Opferdasein ist Teil des Problems und hört dringen auch und gerade im Verhalten von Frauen geändert, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

 

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Schweinehunde

Diese Woche hat Richard Thaler, ein Verhaltens-Psychologe, den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen. Das ist jetzt nach Daniel Kahneman (dem Verfasser des Buches „Langsames Denken, Schnelles Denken“) der zweite Psychologe, der mit seinen Forschungen über unseren „inneren Schweinehund“, diesen Nobelpreis für Wirtschaft bekommt. Beide haben nachgewiesen, dass wir als Menschen, Zitat: „manchmal nicht rational handeln“. Der „homo oeconomicus“, als Grundlage der Wirtschaftswissenschaften und all ihrer Formeln und Erhebungen, existiert also eigentlich nicht.

Wir handeln „manchmal nicht rational“?! Hallo?! Die bessere Frage wäre wohl, wann handeln wir je rational?! Mit Sicherheit handeln wir ständig als Narzissten, unbewusst und bewusst. Wir versuchen ständig eine bessere Stellung in der Gesellschaft zu bekomme, mehr Ansehen, Zuwendung, Macht. Und dabei sind wir oft, wie kleine Kinder: Neidisch, boshaft, selbstsüchtig – und ganz selten mal vernünftig und sozialkompetent. Und die ganz oben, die glauben die beste Stellung erreicht zu haben, lassen dann richtig die Sau raus. Man kann doch nicht im Ernst annehmen, dass Menschen, die einen Donald Trump zum mächtigsten Mann der Welt wählen und Harvey Weinstein über Jahrzehnte den mächtigsten Mann in Hollywood sein lassen, eigentlich rational sind und nur ab und zu ein paar Ausfälle (innere Schweinehunde) haben. Es ist vielmehr umgekehrt: Zu 90-95% der Zeit führt uns der innere Schweinehund an seiner Leine herum.

Zuckerberg und Co. haben das längst kapiert: Sie verkaufen unsere Schweinehund-Daten an Konzerne und Parteien, die damit versuchen die Leine in die Hand zu bekommen, um nicht zu sagen: Die Marionette an ihren Fäden der Hilflosigkeit und Eitelkeit zu packen. In der Digitalen Wirtschaft sind wir längst schon, was auch die Hirnforschung lange von uns behauptet: Fremdbestimmte Leistungsmaschinen, die im Sinne höherer Wirtschaftsinteressen getunt und gelenkt werden. Konzernbesitzer und Politiker (in den USA ist das ohnehin dasselbe), Hirnforscher und Verhaltenspsychologen sehen uns schon lange nicht mehr als willensfreie, selbstbestimmte, rational handelnde Menschen. Und so langsam wird das jetzt anscheinend öffentlich akzeptiert (angeblich werden wir aber natürlich zu unserem Besten gelenkt und gepuscht, vermessen und ausspioniert).

Dass Richard Thaler und Harvey Weinstein also in derselben Woche ihren großen Durchbuch haben, sagt viel über unsere Zeit aus. Der eine begrapscht Frauen und der andere erzählt uns, dass sich die Frauen begrapschen lassen, weil sie nicht rational sind, sondern … ja was? dämlich erfolgsgeil? Sehnsüchtig? Ängstlich auf das bedacht, was die anderen sagen könnten? Warum haben sie die sozialen Netzwerke nicht dazu benutz, mit einem Fake-Profil einen Aufruf zu starten, gegen Weinstein? Warum haben sie nicht, mit versteckten Kameras und Mikros viel mehr und selbstbestimmt Beweise gesammelt?

Warum hat Gwyneth Paltrow nicht bei der Verleihung ihres Oskars (für ihre dumme Rolle in „Shakespeare in Love“) gesagt, was Sache ist: Ich stehe hier und musste mich angrapschen lassen, von diesem widerlichen Sack Weinstein, um dieses Goldjungen in Händen zu halten. Warum müssen wir Frauen uns prostituieren, um diesen Erfolg zu haben? Das wäre unserer Ratio entsprechend das Richtige gewesen.

Warum hat keine ihre Abfindung genommen, die sie bei ausreichenden Beweisen gegen ihn bekommen hat, (teilweise 150 000 Dollar) und alles auf ein Nummernkonto in der Schweiz gepackt und die Beweise trotzdem veröffentlicht?

Aber sobald die Kameras an waren, haben sie alle weiter posiert, den widerlichen Scheißkerl umringt und auf Aufmerksamkeit gehofft. Ein einziger Meter Abstand wäre möglich gewesen, als selbstbestimmtes vernünftiges Wesen. JEDE Frau erlebt solche Sachen und muss, meistens früher als später, einen eigenen Umgang mit den Weinsteins dieser Welt finden. (Das gute am Altern ist, dass diese Angriffe nachlassen). Und auch wenn wir (besonders die Frauen meiner Generation) zu fleißigen Bienchen erzogen wurden, zu sehnsuchtsvoll hoffenden Leisetreterinnen: Irgendwann kapiert jede Frau, dass das Leben kein Ponnyhof ist. Jede kann und muss sich entscheiden, ob sie bei den Harvey Weinsteins mitmacht oder sie bekämpft. Und ja: Man kann das von Frauen verlangen, WEIL sie vollwertige Menschen sind.

Und so wie Menschen aus Hollywood die Produzenten haben, die sie verdient haben, haben wir alle Präsidenten und Kanzlerinnen, Internetkonzerne und rechtsradikale Parteien, die wir selbst heraufbeschworen haben, mit unseren Kinderverhalten, mit unseren Schweinehunden, deren Leinen wir den anderen allzugerne in die Hand drücken, weil sie unseren Schweinehunden doch versprochen haben, sie zu den schönsten Gassi-Plätzen zu führen und tolles Fressen zu geben. Und ab sofort gilt das – laut Herrn Thaler – als absolut normal.

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Wohlanständigkeit

Es wird in vielen politischen Geschehnissen gerade immer wieder dasselbe Grundproblem der westlichen demokratisch-kapitalistischen Strukturen sichtbar. So auch in der angestrebten Abspaltung Kataloniens von Spanien: Eine reiche Region, die an den ärmeren Rest viel zahlen muss, möchte zukünftig für die Unfähigkeit, Rückständigkeit und Schlamperei der anderen nicht mehr aufkommen. Das gleiche können wir vom Solidaritätszuschlag des deutschen Westens an den deutschen Osten sagen. Es betrifft aber auch die liberale Politik gegenüber der linken Politik weltweit.

Diejenigen, denen es gut geht, die durch Intelligenz, Ausbildung, Umfeld begünstigt sind, die „daraus etwas machen“, wollen nicht mehr aufkommen für die, bei denen nichts selbständig in Gang kommt, die sich schwertun oder sogar als „abgehängt“ gelten. Eine gemeinsame Entwicklung in eine bessere Zukunft scheint nicht mehr möglich. Und während die einen sich von den Versagern behindert fühlen, kämpfen die anderen im ihre Existenz, ihre Würde, ihren Lebenssinn –, ohne dass irgendeine Partei, Wissenschaft oder technische Erfindung dafür eine Lösung wüssten.

Unser allgemeiner Wohlstand wurde jahrzehntelang über Pump finanziert, die Wahlversprechen führten zur Verschuldung der Staaten. (Hier liegt der Schwachpunkt der Demokratie.) Für die Reichen gab und gibt es Steuersenkungen, für die Armen Sozialstaatgeschenke. Doch nach all den Finanzkrisen ist klar: Nur noch mit viel Geld, ohne Gegenwert, konnte ein totaler Zusammenbruch der demokratisch-kapitalistischen Staaten verhindert werde und allgemein muss gespart werden. Die untere Hälfte der Gesellschaft trifft das natürlich viel mehr. Die obere sieht deren auf Pump finanzierten Lebensstandard als Luxus und Geldverschwendung: Wer keine qualifizierte Arbeit leisten kann und will oder gar nicht arbeitet hat kein gutes Leben mehr verdient.

Befragt man die Leute bekommt man mehr oder weniger diese Antwort – von oben. Die unteren protestieren nur dagegen – ohne Ausweg und Lösung. Waren die Versprechen der Demokratie und des Kapitalismus also immer Fake? Dachte irgendein Wirtschaftstheoretiker eigentlich wirklich, Wachstum und Verschuldung wären ewig weiter zu führen? Denn anders funktioniert der Kapitalismus nicht und bleibt keine Demokratie stabil – wie wir jetzt nicht mehr übersehen können.

Die Rufe nach mehr Gerechtigkeit und Mitgefühl sind moralische Feigenblätter, die von den Rufenden selbst, in ihren eigenen Leben, nicht umgesetzt werden. Niemand vermietet deswegen seine Wohnungen billiger, fährt kleinere Autos und schickt seine Kinder nicht mehr auf Privatschulen – auch die linken Bildungseliten nicht. Der Sozialdarwinismus hat längst wieder die Oberhand.

Doch was Katalonien und alle anderen Wohlständigen nicht bedenken: Ihre eigene Sicherheit, die Ruhe, der Frieden, die jeder Erfolgsbürger braucht, um weiter Erfolg zu haben, werden immer instabiler. Mit Knüppeln oder rechten Parolen schlagen die Schlechtergestellten zurück. Die ersten Firmen verlassen Katalonien deswegen schon.

Was sollen wir mit den unteren 30-50% einer Bevölkerung machen, die durch fortschreitende Digitalisierung nicht mehr vom Kapitalismus gebraucht werden? Das ist die politisch-unkorrekte, aber umso realistischere Frage unseres Jahrhunderts, die wir immer noch in ihrer Drastik scheuen. Wir hoffen auf Wunder, wir glauben das seltsam undefinierte Zaubermittel „bedingungsloses Grundeinkommen“ als Hoffnungsschimmer am Horizont zu sehen. Wird die untere Hälfte der Bevölkerung, die nicht Programmierer werden können oder wollen, wirklich friedlich und ungebraucht in ihren Ecken hocken bleiben? Kein Mensch, der sich mit der Psyche der Menschen beschäftigt, ihren narzisstischen Lebensantrieb kennt, kann das glauben.

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Diskursive Hilflosigkeit

Überall werden gerade „diskursive Räume“ gefordert: Zum Austausch, für die freie Rede, für den demokratischen Diskurs, gegen den Hass – sprich: gegen die aufkommende AfD. Das Problem dabei ist ein vollkommenes psychologisches Unverständnis diese Wählerschaft, dem man versucht, mit geisteswissenschaftlicher Ratio und der Macht des Wortes beizukommen. Diese Überschätzung der Worte und unserer Ratio, also unserer vernünftigen Einsicht, weist auf ein anhaltendes falsches idealistisches Menschenmodell hin und auf latente Selbstüberschätzung der Bildungs-Eliten.

Sicher können Worte verletzen und heilen – wobei das eine sehr schnell geht und das andere sehr lange dauert. Und dabei sind es eben nicht die Worte, die unsere Existenz bestimmen (wir waren lange vor unseren Worten da), sondern unsere Gefühle, die immer um unseren Selbstwert kreisen, um unsere Stellung in der Gruppe, unser Ansehen, unsere (Über-)Lebens-Wichtigkeit. Unser Selbstwertgefühl steht hinter all unserer Wahrnehmung der Welt, es ist der Grund für unser Verhalten und Wahlverhalten. Es ist die Grundlage aller Worte. Wenn wir das Selbstbild und Selbstwertgefühl der AfD-Wähler nicht verstehen (wollen), sind „diskursive Räume“ und jede Aufforderung, den Hass fallen zu lassen, nur lächerlich oder sogar Öl ins Feuer.

Die AfD-Wähler sind wütend, weil sie nicht bekommen, was man ihnen versprochen hat: Wohlstand, Wachstum, „einfach so“. Es sind Menschen, die darauf warten, dass die „anderen“ (die Regierung, die Reichen, die Politik) ihnen endlich das geben, was sie erwarten. Es ist eine zutiefst infantil narzisstische Haltung, die die Wählerschaft der AfD ausmacht. Und es ist psychologisch nicht verwunderlich, dass das im Osten, wo 30 Jahre der Staat alles bestimmt hat und selbständiges Denken nicht erwünscht war, so stark verbreitet ist. Sie sind gekränkt, die AfD-Wähler, und mittlerweile merken sie auch, niemand braucht sie mehr, die Welt mit ihren wachsenden existentiellen Problemen nimmt immer weniger Rücksicht auf Menschen, die sich nicht selbst helfen wollen oder können. Ihre Arbeitskraft wird durch Maschinen ersetzt; ihre passive Erwartungseinstellung passt nicht zu all den wachsenden globalen Anforderungen. Wer zukünftig seinen Wohlstand auch nur erhalten will, muss sich richtig anstrengen. Von wachsendem Wohlstand ist längst schon keine Rede mehr.

Letztlich gibt es keine Lösung für all die Menschen, die mit schlechter Ausbildung und mangelnder Eigeninitiative nicht mehr gebraucht werden, von unserer Wirtschaft, deren Fähigkeiten von Maschinen übernommen werden, deren Genörgel und Versorgungsansprüche nicht mehr erfüllt werden können. Sie werden zwar gefährlich, wenn sie, wie in den USA, nur 2 Parteien wählen dürfen und eine davon von nazi-ähnlichen Denkweisen angeführt wird. Ansonsten gibt es keine politische Antwort auf das Problem diese Wählerschaft und man lässt sie wohl auch in Zukunft bei ihren 13-20% herumdümpeln, schließt sie aus, von jeder Entscheidungsgewalt. Die junge nachwachsende Generation wächst mittlerweile heran, im Bewusstsein sich anstrengen zu müssen, nichts mehr erwarten zu dürfen. Wer das nicht schafft, wählt auch in jungen Jahren bald AfD, aber es sind vorwiegend die älteren Männer, die noch anders geprägt, gekränkt und ohne Perspektive als Wutbürger noch ein bisschen Macht spüren: wenigstens die „Bestimmer“ mit ihren albernen Aufforderungen zum Dialog können sie abstrafen und treffen. Die Politik wartet wie Jahrzehnte bei den Arbeitslosenzahlen, darauf, dass sich das Problem durch den demographischen Wandel von alleine löst. „Diskursive Räume“ sind hierbei nur Feigenblätter für die eigene intellektuelle rechtschaffene Überlegenheit.

 

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Kunst-Konsum

Der Idealismus (und in diesem Fall darf man ihn so pauschal benennen) dachte immer, dass die Erziehung mit Kultur den Menschen zu einem vernünftigeren, intelligenteren Wesen machen würde, dass er sich so mit sich selbst und der Welt besser auseinander setzen würde. Mann kann, wenn man hier in den Pariser Museen unterwegs ist, sagen: Zumindest das Interesse an der Kunst ist riesig. Man kommt sich vor, wie in der ehemaligen DDR, überall muss man anstehen, doch eben nicht für Bananen, sondern für andere besondere Konsumprodukte: die berühmten Kunstwerke.

Beobachtet man die Menschen aus allen Ländern dieser Welt in den weltbekannten Museen von Paris, merkt man schnell, dass dieses Streben zur Kunst wenig mit dem Interesse an Bildung und Auseinandersetzung mit der Welt zu tun hat und viel mit Status und Konsum. Man kann hier Menschen sehen, die ohne ein Mal aufzuschauen, mit ihren Smartphones die Bilder abfilmen, schnellen Schrittes von Bilder-Star zu Bilder-Star rennen. Wenn man zu lange die Details betrachtet und ihnen versonnen im Weg steht, wird man aktiv gebeten zur Seite zu treten, für das Trophäen-Foto.

Die Transformation der Kunst in Konsum zeigt sich aber ganz besonders erst in den immer ausgedehnteren Museumshops. Hier wird in Form von Schlüsselanhängern und Kühlschrankmagneten gekauft, was vorher nicht richtig angesehen wurde: Hauptsache Aneignung, Ich-Erweiterung im Haben (nicht im Sein). Statt dass die Kunst den Menschen zum Besseren hin erzieht, ihm sein Sein und Vergehen, seine Kriege und Sehnsüchte vor Augen führt, hat der Mensch die Kunst banalisiert. Nirgends wird einem das so klar, wie hier in Paris. Tausende Touristen aus Asien, Süd- und Nordamerika wollen teilhaben am königlichen Glanz der alten Paläste und des dargestellten Adels, am Genie der großen Künstler, wie Rodin und Delacroix und den pittoresken Cafés berühmter Philosophen. Und dabei zerstören sie den Zauber, banalisieren sie alles, was all die Orte und die Kunst bedeuten, all die Außergewöhnlichkeit geht kaputt durch diese Massen, die ein Stück davon haben und erleben wollen. Nur wenig wird verschont, man muss es suchen.

Andererseits läuft man natürlich selbst gerade durch diese erhabene Vergangenheit und Kunst. Selbst wenn man sich dabei chic genug kleidet (was man daran feststellen kann, dass man auf Französisch und nicht auf Englisch angesprochen wird), bleibt man selbst Tourist. Selbst wenn man Kunstgeschichte studiert hat, interessieren einen genauso die Schönheit und Erhabenheit, wie alle die anderen Touristen – eben nur etwas professioneller, drängender.

Was wäre die Alternative? Ein Test vorm Betreten des Louvres? Reduzierte Besichtigungen? Noch teurere Eintrittspreise? Es gibt für dieses Streben nach dem „schönen erfüllten Leben“ von fast 8 Milliarden Menschen, die weltweit Paris ganz oben auf ihrer Liste stehen haben (als Status, Bereicherung, Erfüllung ihrer Träume), keine Alternative. So wie wir mit unserem narzisstischen Drang unsere Umwelt zerstören, zerstören wir auch Paris.

 

 

 

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J´accuse !

J´ accuse! – so hieß ein offener Brief des französischen Schriftstellers Émile Zola an Felix Fauré (den damaligen Präsidenten Frankreichs), der am 13. Januar 1898 in der Tageszeitung L´Aurore erschien. Er informierte die Öffentlichkeit über die wahren Hintergründe in der sogenannten Dreyfus-Affäre. Der Brief führt in einen Skandal und gab der Geschichte um den jüdischen Hauptmann Dreyfus die entscheidende Wende – in die „richtige Richtung“, hin zu dem, was uns Menschen im Positiven ausmacht und was wir alle gerne wären: Wahrhaftig, mutig, unbeugsam für Gerechtigkeit und Wahrheit.

Völlig zu Unrecht war der französische Hauptmann Alfred Deeyfus (aufgrund von Fälschungen) wegen angeblicher Spionage zugunsten der Deutschen zu lebenslanger Haft auf der berüchtigten Teufelsinsel verurteilt worden. Als sich bei einer erneuten Untersuchung seine Unschuld und Major Falsin – Estherházy (us altem Adel) als der wahre Täter herausstellten, hielt der Generalstab dennoch an der Täterschaft Dreyfus’ fest, der Jude und Elsässer war. Zola verwies in seinem Artikel auf den „Mangel an seriösen Beweisen“. Heute würde man sagen: Der Prozess unterlag rundweg Fake-News.

Zola bezichtigte ranghohe Offiziere des Generalstabs und der Militärjustiz sowie einige an dem Fall beteiligte Gutachter und konservative Presseorgane der Judenfeindlichkeit, der Lüge und der bewussten Rechtsbeugung im Fall Dreyfus. Zola wurde daraufhin der Verleumdung angeklagt, wie er es am Ende des Briefs vorausgesehen und in Kauf genommen hatte, und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Um der Haftstrafe zu entgehen, floh er nach England, von wo er erst im Juni 1899 nach der Begnadigung zurückkehrte. Der französische Staat wäre fast kein Rechtsstaat mehr gewesen, all seine Errungenschaften in der geschichte standen in Frage.

Die französische Gesellschaft zeigte sich zu der Zeit als tief gespalten: Wer an Dreyfus’ Unschuld glaubte und Zola unterstützte, gab sich damit als Anhänger einer liberalen, säkularen Republik zu erkennen, der den Menschenrechten Vorrang vor den Staatsinteressen einräumte; wer an Dreyfus’ Schuld festhielt, verlieh damit seiner Sympathie für eine rechtskonservative Haltung Ausdruck, die in Militär und katholischer Kirche unverzichtbare Stützen des Staates sahen, denen im Zweifelsfall auch das Schicksal eines Einzelnen zu opfern war. Am Ende gewannen bei der Wahl 1902 die Linken und Staat und Kirche, Wissen und Glauben wurde per Gesetz getrennt. Dreyfus wurde 1906 erst freigesprochen und rehabilitiert.

Heute ist „J´accuse…“ Teil des französischen Nationalbewusstseins und Emile Zola liegt neben seinem Freund und Mitstreiter Victor Hugo im Pantheon, neben all den anderen großen Franzosen, in einem steinernen Sarg. Was würde er heute raten, in Zeiten der Globalisierung, der Einwanderer- und Terror-Problematik und all der Zweiteilung in der Gesellschaft, die er hier in Paris an jeder Ecke zu sehen bekäme? Was würde er sagen, zu einem verschuldeten Staat, der sich seinen sehr hohen Sozial- und Angestellten-Standard nicht mehr leisten kann und gleichzeitig (wie eh und je) von einer völlig abgehobenen Elite regiert wird? Wie sähe sein „j´ accuse“ heute aus?

Es gibt auch hier eine Wahrheit. Und wir müssen sie benennen, wenn uns nicht weiter alles harterrungen Gute, die Gerechtigkeit und Menschenrechte zwischen den Fingern zerrinnen soll. Wir brauchen sie, um endlich Taten daran anzubinden, die dringend das „Immer-Schlimmer“ verhindern müssen, gegen den aufkommenden Nationalismus, Rechtsradikalismus und all der Fake-News.

Man sagt hier in Frankreich, Albert Camus hätte mit seinem Fatalismus gewonnen, gegen die Linken, mit ihrem großen Ziel für die Geschichte. Denn von den Menschenrechten ist nicht nur hier unter dem Eifelturm nicht mehr viel übrig geblieben, wenn man ehrlich hinschaut. Und die meisten Menschen nehmen das fatalistisch hin. Menschenrechte sind auch hier nur noch ein Feigenblatt an den Scheibenwischern der SUVs mit denen man seine Kinder (in aller Betroffenheit) doch lieber in die „guten“ Schulen, in den guten Gegenden fährt.

Rollen wir also einfach, wie es Camus in seinem „Mythos vom Sisyphos“ beschreibt, den Stein hoch und runter? Oder klagen wir an? Hat die Linke ausgedient, weil dem Menschen nun mal nicht zu helfen ist und er über kurz oder lang wieder hinter alle Grenzen zurück fällt, die er so mühsam errungen hat? Hat er kein Talent zur Freiheit und gehört einfach besser verwaltet?

J´accuse wäre heute wohl eine Anklage gegen Handlungslosigkeit, die an eigenen Idealen festhält, obwohl sie längst weiß, dass wir niemals zuungunsten unseres Lebensstandards wirklich die Menschrechten verteidigen würden, unseren Luxus teilen und uns beschränken würden. Darin sind wir der katholischen Kirche gleich, die damals massiv hinter der Dreyfuss-Affäre unchristlich handelte, um die Erhabenheit der eigenen Seele zu verteidigen. Letztlich wissen wir leider, was die Wahrheit ist.

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Paris und die Welt

Paris zeigt, wie in einem Spiegel, den Zustand der Welt. Jedenfalls hat es den Eindruck, wenn man selbst von außen in diese Stadt kommt, um hier einen Monat zu verbringen (man ist nicht mehr Tourist und natürlich weit davon weg, Einwohner zu sein).

In der Sprachschule, die ich gerade besuche, mit all den Koreanern, Chinesen, Japanern, die sich mit der französischen Pronuntiation noch schwerer tun als Brasilianer und wir Deutsche, wird klar: Frankreich und vor allem Paris ist immer noch die vielbewunderte Kultur und Stadt, die das gute Leben, die Lässigkeit verspricht. Und deshalb gibt es so viele junge asiatische Designstudenten, die hier mühevoll und wahrscheinlich auch mit enormen Kosten, erst Sprache und Kultur und dann Design lernen. Doch eigentlich kann man das eben nicht lernen, dieses „je ne sait pas“, dieses „Savoir vivre“.

Deshalb stehen ihre touristischen asiatischen Mitbürger in der Galerie Lafayette Schlange, vor dem Guggi- und Hermes-Abteilungen, um Taschen für 4000 Euro oder mehr zu kaufen. Alle Welt ist in Punkto Status in der Mode: französisch. Und die jungen Studenten aus China und Korea wollen ähnliche Weltmarken kreieren, wie sie mir erklärten, um eines Tages Taschen im Wert von tausenden Euro nicht nur made, sondern designed in China oder Korea, zu verkaufen.

Doch wie entsteht so eine „je ne sait pas“-Wertgefühl für eine Tasche, so ein „savoir vivre“ der Lässigkeit in der Mode? In Frankreich ist es über Jahrhunderte entstanden, an den Fürstenhöfen, die den ersten Chic entwickelten und immer weiter überdrehten, wie sie die Kochkunst und die Lebenskunst entwickelten und über die Fürstenhöfe Europas expandierten – samt dem Subjonctiv, diese seltsamen Konjugation ins überdrehte Mögliche, die es in keiner anderen Sprache sonst gibt.

Was dabei auffällt: Alle asiatischen Kulturen halten die Franzosen (aber im Grunde alle Europäer) für unhöflich. In Europa ist man zu direkt, haut dem anderen seine Meinung um die Ohren, hat eine Streitkultur, die miteinander gegeneinander diskutiert. Das macht man nicht in Asien. In gesamt Asien? Ja, denn anscheinend gibt es dort weder in China, Korea, Japan etc. irgendein Dorf, dass in den Widerstand geht, nicht mal Fokushima. Man redet höchstens mit Gleichgesinnten im engsten Kreis, sich gegenseitig bestätigend in der gemeinsamen Meinung. Man zeigt seinen Status mit z.B. Handtaschen oder dem Studium der Kinder im Ausland: Jeder kann mit einem Blick sehen, wo der andere ökonomisch steht. Es gibt nichts anderes zu diskutieren.

Und bei Nachfrage, wie mit Problemen umgegangen wird: allgemeines Schultern zucken. Irgendein Politiker muss das regeln. Der hat den Status dazu.

Seltsamer, beängstigender Umgang mit den Problemen dieser Welt. Aber die Franzosen stellen auch nur Handtaschen her, die sie mit Lässigkeit über ihre Boulevards tragen, während alle anderen versuchen es ihnen nachzumachen, als gäbe es keine anderen Probleme. Macrons Beliebtheit stützt sich gerade schon nur noch auf den Chic seiner Frau….

 

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Liberté, Egalité, Fraternité

Diese Woche bin ich in Paris angekommen und werde den ganzen September hierbleiben. Paris ist ein bewohntes Museum, (für Deutsche) seltsam vom Krieg verschonte ganze Straßenzüge mit Cafés und Geschäften, wie eine Kulisse, in der das Pariser Leben aufgeführt wird. Den ganzen Tag, das ganze Jahr, für manche Menschen sogar das ganze Leben lang.

Vergleichbar mit New York scheint es zu reichen, wenn man sein Leben einfach hier verbringt: Man war mittendrin im echten Leben, in der echten Kultur, da wo alle immer sehnsüchtig hin wollen. Man war Teil einer Inszenierung, die das Leben selbst bedeutet und alles, was es essenziell ausmacht. Man war Teil eines Mythos, auch wenn die großen Zeiten dieser Städte längst vorbei scheinen. Menschen wandeln immer noch durch die Kulissen und das scheint das Leben vollauf zu erfüllen, ihm den einzig wahren Sinn zu geben.

Und es gehört zur Essenz des Lebens, dass in Städten wie Paris und NY Armut und Reichtum aufeinanderprallen, wie kaum sonst: Menschen liegen hier überall zwischen dem Müll auf der Straße und daneben gehen wunderschöne Frauen in teuren Designerkleidern mit Handy am Ohr ihrem freien schönen Luxusleben nach. Es ist manchmal schwer, das auszuhalten. Die Freiheit (die freie Gestaltung des Lebens), die auf der Gleichheit aller aufbaut, braucht grundsätzlich die Brüderlichkeit, das Mitgefühl. Das steht hier an jedem öffentlichen Gebäude, wie ein Mantra französischer Identität: Liberté, Egalité, Fraternité. Doch genau daran scheitert gerade nicht nur Paris.

In China werden Menschen, vom Internet überwacht, mittlerweile sozial „gerankt“, nach ihrer politischen Korrektheit, ihrer Intelligenz, Fleiß, Bildung und sozialen Umgebung bewertet. Wer sich mit „schlechten“ Menschen umgibt, dem wird das negativ angerechnet und umgekehrt. „Waste“ heißen Menschen, die sich in diese Leistungs- und Konkurrenz-Denke nicht eingliedern. In Paris und NY wird sinnbildlich deutlich, was gemeint ist.

Doch was würde passieren, wenn immer mehr Menschen diesem Druck nicht mehr Stand halten? Oder wenn sie sich die Freiheit nehmen, so wie ich, einfach einen Monat in Paris zu verbringen? Würde mir das Plus- oder Minuspunkte einbringen? Wollen wir so eine uniforme Leistungs-Bewertung, nur damit wir sagen können: Ich hab mich angestrengt, ich bin sicher oder ich habe das schöne Leben verdient? Was würde wir zulassen, um keine Menschen mehr auf der Straße sitzen und liegen sehen müssen, damit unsere Brüderlichkeit nicht andauernd in Frage gestellt wird? Soll man sie wegsperren oder zwangseingliedern, nur weil sie am Traum vom schönen Leben in den schönsten Städten der Welt offensichtlich gescheitert sind? Gibt es demnächst Aufnahmeprüfungen, um einen Monat in Paris oder NY verbringen zu dürfen?

 

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Die ewige Wiederkehr des Gleichen

Nietzsche sprach von der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“: In der Geschichte der Menschheit sind immer wieder Grundmuster des Verhaltens aufgetaucht, die anscheinend viel mit unserer psycho-somatischen Natur, den Kernphänomenen des Menschseins zu tun haben. Immer wieder versuchen wir z.B. Paradiese zu erreichen, wir versuchen unsere Sterblichkeit zu überwinden, mit verschiedenen Mitteln jung und schön oder heldenhaft und stark zu werden oder zu wirken. Wir häufen Besitz an, wenn wir können, schon im Mittelalter hatte jeder Bauer und Handwerker mit wirtschaftlichem Erfolg, Truhen voller Kleider und Luxusgegenständen (der Besitz von vielen Status-Artikel ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern eine der psycho-somatischen Evolution). Und wir werten andere Menschengruppen/Völker gerne ab, geben ihnen die Schuld an allem Übel, während unsere Lebensweise die bessere und uns zustehende ist, der wahre Fortschritt.

So passiert, im Sinne der ewigen Wiederkehr des Gleichen menschlicher Natur gerade, was den sogenannten indigenen Völkern in Zeiten der Kolonialisierung schon passiert ist: Wir werden aus einem analogen Leben in ein digitales umerzogen – angeblich zu unserem Besten, angeblich im Sinne der Zivilisation. Es wird uns erzählt (von Menschen die damit viel Geld verdienen), wir wären bisher analoge Wilde in veralteten sozialen Strukturen gewesen, digital-unzivilisiert und alles würde in Zukunft besser, weil das so sein muss, weil das der Fortschritt ist, die zukünftige Zivilisation, unabwendbar.

Heute sind, nach 300 Jahren der Ausbeutung, Umerziehung, Abwertung, Enteignung und Verknechtung der indigenen Völker, ihre „traditionellen Lebensweisen“ unter Artenschutz gestellt. Sie dürfen wieder leben wie ihre Vorfahren – aber natürlich auch nur noch wie im Museum ihrer eigenen Kultur. Wir bewundern ihren Einklang mit der Natur, ihr Wissen um Überlebenspraktiken und natürliche Zusammenhänge. Wir bewundern ihr inneres Gleichgewicht, ihre Selbstverständlichkeit gegenüber Leben und Tod, soziales Miteinander. Wir haben aus heutiger Sicht ein schlechtes Gewissen, wegen der Arroganz unserer westlichen Kultur und all dem Unrecht, das diese Hybris mit sich gebracht hat.

Vielleicht werden die Menschen in 100 Jahren kopfschüttelnd oder mit Wehmut und lächelnd über so viel Naivität zurückblicken, auf den Beginn des Jahrtausends, auf die Zeit, als Gesichtserkennung durch Überwachungskameras, Datenchips unter der Haut, die Abschaffung des Bargelds und die Totalvernetzung des Lebens ihren Anfang nahmen: Die vielen großen Versprechen der Digitalisierung und Vernetzung werden, wie das Versprechen von der unsinkbaren Titanic, dann als Größenwahn bekannt sein, als Peinlichkeit der menschlichen Natur, die wieder mal glaubte, ihr stünde das Himmelreich zu.

Vielleicht sind dann die Mahner und die, die damals (also jetzt) schon wussten, dass diese totale Digitalisierung, die Umrechnung des Menschen in kontrollierbare Daten, auch nicht das wirkliche Glück und irgendeinen wirklichen Fortschritt bedeuteten, keine ewigen Pessimisten mehr, sondern Menschenkenner (so wie vor 100 Jahren Kurt Tucholsky und Sigmund Freud oder eben Nietzsche). Vielleicht wird dann der freie Wille, der gemäßigte und durchdachte Gebrauch der neuen Technik propagiert, nach all dem Leid, den uns die Kolonialherren aus dem Silicon Valley zugefügt haben.

Sicher ist: Der Mensch bleibt der Mensch – oder er ist eben kein Mensch mehr. Wir brauchen soziale Verbundenheit und Anerkennung. Wir brauchen Perspektiven und Gerechtigkeit. Der einzige wahre Fortschritt war bisher deshalb die Gleichstellung der Frauen und die Anerkennung der Kindheit als wichtige Entwicklungsphase. Beides wurde möglich durch Maschinen, die Gerechtigkeit herstellten, weil sie Muskelkraft überwanden. Heute gibt es viel Ungerechtigkeit zwischen den Völkern. Nur hier könnte die Digitalisierung für wirklichen Fortschritt sorgen. Doch dazu wird, gemäß der ewigen Wiederkehr des Gleichen, wohl erstmal Leid entstehen, das dem zweier Weltkriege entspricht, dem ewigen Versuch entsprungen, den Fortschritt der Maschinen erstmal für den Größenwahn und nicht im Sinne des banalen besseren sozialen Lebens und mehr Gerechtigkeit zu verwenden.

 

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Freiheit und Frieden

Wir sollten so schnell wie möglich selbstfahrende Autos im Straßenverkehr einsetzen. Denn mit diesen wäre ein terroristischer Anschlag auf Passanten unmöglich: Weder Islamisten (wie in Spanien, Nizza, Berlin), noch Rechte (wie in der USA) könnten in ihrem Größenwahn ihre angeblichen Gegner der eigenen Größenphantasien einfach tot fahren. Die Autos würden einfach vor jedem Hindernis automatisch stoppen.

Aber selbst nach der Attacke in Charlottesville diese Woche, nach Trumps offenem Bekenntnis zu Rechts, würden ihn immer noch 34% der US-Bürger wählen. Das heißt, sie finden es o.k., wenn mit Gewalt rechte, nationalsozialistische Ideologie umgesetzt wird, Demokraten niedergemetzelt werden.

Allgemein begegnen mir in vielen Statistiken, die sogenannte „Fail-Outs“ erfassen (also Menschen, die scheitern, herausfallen aus einem kompromissbereiten, reifen, konfliktlösenden Verhalten, aus normalen bisher gekannten Lebensumständen oder dem, was wir dafür bisher gehalten haben), eine 35-50% Gruppe. Das heißt, extremes Verhalten ist ca. bei einem Drittel bis zur Hälfte der Bevölkerung verbreitet. Das Wählen von Donald Trump zähle ich dazu, aber auch die narzisstischen Auffälligkeiten bei Kindern in Deutschland (34%) und natürlich das ihrer Eltern, die dafür verantwortlich sind. Man kann mittlerweile davon ausgehen, dass ein Drittel der Menschen in westlichen demokratischen Staaten eigentlich keine gesunden Beziehungen führen und 35-50% der Ehen scheitern werden (je nach Wohnort), mit langwierigen psychologischen und finanziellen Folgen. Wohl 47% der Menschen werden in den nächsten Jahren vom Arbeitsmarkt nicht mehr gebraucht werden. 50% sind zu dick und 25% sogar im Bereich von Adipositas, also krankhaft übergewichtig, mit entsprechenden Folgen für ihren Körper und das Gesundheitssystem. Und Frauen bekommen nur halb so viel Rente wie Männer und über 30% werden zukünftig von Altersarmut betroffen sein (gerade sind es schon über 20%).

Es scheint also so, als ob mindestens 1/3 der Menschen mit den Umständen der westlichen Kultur nicht gut zurechtkommen: Sie essen falsch, erziehen ihre Kinder falsch (reproduzieren die Probleme also), führen ihre Beziehungen falsch und sind nicht gut genug qualifiziert, um weiterhin nicht durch Maschinen ersetzbar zu sein (dazu gehören auch viele Juristen, Bauingenieure etc.) oder ausreichend Rente zu bekommen. Und dabei sind die wachsenden Gruppen der Süchtigen und Süchte, Kindesmisshandlungen, die oft durch den Lebensfrust verursacht werden, noch nicht einbezogen, genauso wenig, wie psychische Probleme, die zunehmend diagnostiziert und behandelt werden. (Hier ist sowohl die Dunkelziffer groß, aber auch die Verfälschung durch schlechte Erhebungen aus früheren Zeiten, die zum Vergleich stehen).

Was wird aus diesen Menschen, in einer von Menschenrechten, von Würde und dem „Streben nach Glück“ bestimmten Kultur? Lange dachten wir, es muss nur genug politische Freiheit geben und dann wird alles gut, die Menschenrechte, demokratische Freiheit mit kapitalistischem Wohlstand, ermöglichen direkt das Glück der Menschen. Vertragen diese Menschen die Freiheit nicht? Kommen sie nicht damit klar sich zu mäßigen, willensfrei ihr Verhalten, ihren Umgang mit ihrem Körper, mit ihren Kindern und Partnern selbst zu maßregeln, zu verbessern, wenn das keine moralische oder politische Instanz mehr tut? Es ist erst seit 70 Jahren möglich, dazu Beobachtungen zu machen: was anhaltender Wohlstand, die konstante Versorgung der Primärbedürfnisse mit Menschen macht, was passiert, wenn sie Möglichkeiten der Lebensgestaltung erhalten.

Die Gegenfrage ist natürlich die: Ging es den Menschen vorher besser? Sicher nicht. Hunger, Patriarchat und Kirchenmoral sind sicher nicht die Lösung. Vielleicht gibt es gar keine Lösung. Vielleicht gab es die 35-50% Regel schon immer: schon immer kam das untere Drittel der Menschen arm-seelig, hilflos und sehnsüchtig nicht gut zurecht mit dem Leben und weitere 15% hatten berechtigte Angst, dorthin abzurutschen, mussten hart kämpfen, um Würde und Selbständigkeit, Gesundheit und etwas Lebensstandard zu wahren. Doch dazu gibt es keine statistischen Erhebungen, sie sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

Und die Moral von der Geschicht? Sigmund Freud hat mal gesagt, dass das Glück der Menschen im Schöpfungsplan der Welt nicht vorgesehen ist. Trotzdem haben wir im neuen Jahrtausend eine wirklich neue einmalige Situation in der Menschheit. Maschinen und Datenanalysten machen zunehmend alle Arbeit. Der Mensch könnte frei sein – so unbestimmt er sich das immer vorgestellt hat. Er müsste neue Umverteilung, Verhaltensregeln und einen antimaterialistischen Sinn, anti-materialistische Statussymbole schaffen, ein soziales freundliches Miteinander, statt ein konkurrierendes Gegeneinander. Doch dazu müssten wir uns unseren Narzissmus selbstkritisch eingestehen, Regeln gegen größenwahnsinnigen Narzissmus und Wachstumsstreben finden, die Träume von etwas Höherem (außer einem friedlichen, gerechten Leben) aufgeben.

Vielleicht bricht ja, bevor die mindestens 34% Nationalisten und Islamisten etc. weiter ihre unheilvollen Gedanken der Zerstörung anderer vorantreiben, das Zeitalter selbstkritischer Bescheidenheit aus. Aber politisch-korrekt wegdiskutieren lassen sie sich sicher nicht mehr.

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Kunst und Krempel

Letzte Woche war ich auf den Salzburger Festspielen: Eine heile Welt im schönsten Dorf der Welt. Ich saß im Café Bazar an der Salzach mit Blick auf die barocke Skyline. Neben mir am Tisch hatte sich eine Gruppe Studenten der Kunsthochschule eingefunden: Eine Russin, eine Ungarin, ein Spanier (halb Deutscher) und ein Franzose. Sie sprachen alle möglichen Sprachen miteinander, studierten alle möglichen künstlerischen Fächer, spielten alle möglichen Instrumente, zeigten sich Videos auf ihren Smartphones und tauschten Ideen aus. Sie waren optimistisch, als gehöre ihnen die Welt (ohne Klimakatastrophe und ohne Flüchtlingswellen und Kriege). Es war schwer vorzustellen, dass sie je ein Problem mit der Globalisierung oder Digitalisierung haben könnten.

Dann kamen zwei Rentner und betrachteten im Stehen die Speisekarte. Der Kellner in Livree beäugte sie wirsch. Sie trabten mit kurzen Hosen, Klettverschlusssandalen und von Bäuchen ausgebeulten T-Shirts davon: Die Terrasse war für sie kein vorgesehener Ort, der Kellner wolle sie da sitzen haben. Auch mir waren die jungen euphorischen Menschen am Tisch lieber, als glotzende Rentner. Und das ist natürlich politisch völlig unkorrekt. Und auch die Studenten gingen mir mit ihrer Selbstüberschätzung nach einiger Zeit auf die Nerven: Als hätte diese ausgelaugte, ungerechte Welt nur auf sie und ihre Ideen gewartet, als würden sie endlich alles zum Guten wenden.

Es scheint zunehmend zwei Welten zu geben: Eine, die wir nicht mehr ertragen in ihrer Hybris, Rücksichtslosigkeit, Größenwahn und eine, die wir nicht mehr ertragen, mit ihrer Problemschwere, Unästhetik, Armut, ihren gescheiterten Träumen. Dazwischen sitzt man im Café und hört Konzerte, wohnt in kleinen Pensionen und sieht kritische Theaterstücke und fragt sich, wo man selbst hingehört, was die Antwort ist, auf all den sinnlosen Wandel und all die sinnlose Erstarrung.

Immerhin zeigt einem die Kunst, dass es nie anders war. Immerhin wird einem in der Oper klar, dass Donald Trump und Kim Jong-un gewöhnliche Witzfiguren der Geschichte sind, wie es sie in jedem Dorf, an jedem Hof, in jeder Regierung gab. Vielleicht ist das Schwierige an unserer heutigen Zeit: das aufkommende Bewusstsein, dass es keinen wirklichen Fortschritt gibt, dass trotz Waschmaschine und Atombombe immer Menschen da sind, die es ganz o.k. finden in der Welt und andere die kämpfen und wieder andere benutzen alles und jeden für ihre Interessen und tun so, als wäre das in Jedermanns Sinne und wieder andere gestalten eine Zukunft, die auch nicht wirklich anders wird.

Ach ja, am Domplatz wurde „der Jedermann“ gegeben, ein mittelalterliches Mysterienspiel, wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr waren einige Kritiken gut und andere schlecht, am Jedermann…

 

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Kein unmoralisches Angebot

An dieser Stelle hatte ich vor zwei Wochen die Überlegung angestellt, was wohl passieren würde, wenn (wie einst Stalin) Aggressoren der aktuellen Geschichte (Erdogan, Trump, Orban, Kaczynski etc.) einfach tot umfallen würden. Für all die Resonanz bedanke ich mich. Sie reichte von Eingeständnissen ähnlicher Alltagsgedanken, über die Mahnung den Weg des demokratischen Diskurses nicht zu verlassen, bis zum Verweis auf den typischen Satz in Märchen „…in einer Zeit, als das Wünschen noch helfen konnte…“

Letzter trifft die Idee hinter dem Beitrag wohl am genauesten. Denn natürlich ist mir klar – und ich lege es hier seit fast 7 Jahren an dieser Stelle immer wieder vor -, dass es wichtig ist, solche Despoten nicht, wie Kinder mit Wünschen, sondern mit einem demokratischen Prozess los zu werden. Letztlich müssen nationalistische Denke und Sehnsucht nach Selbsterhebung (völlig unbegründeten und daher unwahren als „wir sind aber die ethnisch Besten“ – und nichts anderes ist Nationalismus), erfahren, was wirklich passiert, wenn man diese Denke in Realität umsetzt: Handelskriege, Ausweisung und Anklage Unschuldiger, Zensur, Rechtsunsicherheit, bis hin zum Krieg der Ethnien, wie in Syrien etc. und hoffentlich nicht in Kenia jetzt bei der Wahl. Und wenn diese nationalen Selbsterheber dann kapieren, dass die ethische Selbsterhebung eben nicht ohne all diese Bedrohungen zu haben ist, dass natürlich alle anderen das anders sehen und am Ende keiner gewinnt, ist vielleicht etwas gelernt.

Insofern können wir Spät-Geborenen von Glück reden, dass wir die Abschreckungen des real erlebten Massensterbens aufgrund von Nationalismus nicht erleben mussten – wie (in meinem Fall noch) unsere Eltern. Und gleichzeitig wird klar, wie wenig und kurz diese Abschreckungen vorgehalten haben. Und wie ungerecht das ist.

Ich plädiere ja seit längerer Zeit für ein psycho-somatisches, narzisstisch-bewusstseinsfähiges Menschenmodell, als Ausgangpunkt jeder wissenschaftlichen Vermessung des Menschen und der Lösungsplanung. Unser Verstand und nachhaltiges generationsübergreifendes Lernvermögen schneidet darin jedoch recht schlecht ab: Wir sind nur bedingt willensfrei; ein gereifter Narzissmus mit hoher Sozialkompetenz und Weitsicht, Selbstkritik und Objektivität, haben nur wenige Menschen. Daher wird es immer wieder Despoten und ihre Anhänger geben – und somit auch immer wieder den Wunsch, sie mögen doch einfach tot umfallen.

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Un-natürliche Anführer

„Ich suche immer wieder nach einem Mittel, so zu werden, wie ich so gerne sein möchte“, schrieb Anne Frank als letzten Eintrag in ihr Tagebuch – nach 757 Tagen im Amsterdamer Hinterhausversteck. Diese Suche nach Selbstveränderung, noch im Erleben größter Bedrohung und einer Welt, die aus den Fugen geraten war, transzendiert ihren Tod, in das allzumenschliche Leben, das ihr von anderen Lebenden genommen wurde. Die Alltagswerteordnung ihrer Zeit, wies Menschen wie ihr, mit falscher Wissenschaft, Wertlosigkeit zu. Diese Wertlosigkeit ließ sich in der echten Lebenswelt nicht beweisen, war einseitige Deutung von falsch erhobenen Daten.

Auch die heutige Hirnforschung, die immer noch die bio-chemischen Prozesse in unseren Gehirnen als Ursache für unser Verhalten festnagelt, betreibt falsche Deutung ihrer ohnehin dürftigen Daten – und fügt den Menschen Leid zu. Nur weil wir meist nicht können, wie wir selbst wollen, sind wir nicht „determinierte“ Casper unserer Moleküle und Stoffwechselprozesse. Denn diese sind ebenfalls nur Erfindungen unseres Willens zum Wissen, unserer Casperei mit Erkenntnis.

Was gilt dann aber? Unser Erleben und die Regelmäßigkeiten darin, die Kernphänomene des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Hunger ist so ein psycho-somatisches Kernphänomen. Der Mangel an biochemischen Molekülen (Nahrung) ist nur eine Seite der Medaille. Der Zustand unseres Selbst, unser Ich und wie es die Welt wahrnimmt (bei starkem Hunger niemals entspannt, ohne Altruismus und mit viel Willen für Nahrungsuche), ist die andere, völlig gleichwertige Seite. Das gilt auch für all unsere narzisstischen Befindlichkeiten: Ohne Status, Einbindung in die Gruppe, Ansehen und Zugehörigkeit können wir nicht überleben. Unser Körper hat einen biochemisch-beschreibbaren Zustand und ein Erleben, dass bei jedem Erniedrigten, Ausgestoßenen das gleiche wäre (wie bei jedem Hungernden auch). Wir mögen durch die Jahrhunderte und Kulturen hindurch andere Nahrung zu uns genommen haben, wir mögen aus immer wieder anderen Gründen Menschen abwerten und ausstoßen (aktuell, weil sie aus Afrika kommen oder keine Arbeit mehr haben oder Frauen sind etc.). Doch das Hungern und Ausstoßen (als Erleben und als Stoffwechsel) bleiben gleich, menschlich.

Wenn wir die Welt ändern wollen, müssen wir nicht auf biochemische bzw. technische Lösungen hoffen. Wir sollten unser Erleben, unsere zu unserem Hirn gewordenen Erfahrungsmuster, verändern, durch neue Erfahrungen. Und wir sollten den Naturalisten unter den Hirnforschern klar machen, dass der direkte Weg von ihrer falschen Deutung, ihrem falschen Menschenmodel, zum Populismus führt, zum Ruf nach den „natürlichen Anführern“.

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Tod als Gerechtigkeit

Maryam Mirzakhani ist tot. Sie ist mit 40 Jahren an Krebs gestorben und hinterlässt eine kleine Tochter. Sie war Professorin für Mathematik an der Standfort Universität und hat als erste und einzige Frau die Fields Medaille bekommen, die höchste Auszeichnung für Mathematiker, auch Nobelpreis der Mathematik genannt.

Immer wenn ich so etwas lese, wird mir klar, wie gottlos und ungerecht diese Welt ist, wie sinnlos und wie sehr wir alles tun und glauben, um dem zu entgehen. Warum stirbt nicht einfach so mal jemand wie Kim Jong-un, Erdogan, Putin, Orban oder Trump? Hirnschlag, Herzinfarkt oder sogar Krebs, wo langsam die Kräfte schwinden und diese Narzissten zusehen müssen, wie ihnen ihre eigene Macht dahinschwindet, maximaler Schmerz, für die, die anderen, Millionen, völlig rücksichtslos und selbstsüchtig Schmerz zufügen, ohne einen Funken Selbstkritik. Sie glauben ganze Völker würden ihnen gehören. Wir Deutschen wissen wohin das führt. Narzisstische Störungen sind das Übel dieser Welt und der schnelle Ausweg wäre erstmal der Tod dieser Menschen.

Immerhin ist Alexander Kaczyński gestorben. Aber wie es der Teufel will, gibt es den zweimal und jetzt treibt sein dummer kartoffelköpfiger Bruder Polen in eine Diktatur, auf demselben Weg, wie Hitler es getan hat, den Kacznski allzugerne den Deutschen vorwirft. Auf Hitler wurden am Ende, als die ganze Schrecklichkeit seiner Weltsicht und Politik schon für Millionen zur tödlichen Realität geworden war, ein Attentat von höchster Stelle ausgeführt. Heute sind die Attentäter Helden, doch sie haben nicht verhindern können, dass weitere Millionen sterben mussten im letzten Kriegsjahr. Alles wegen eines Narzissten, der allen schwelenden Narzissmus angeheizt hat, alle dumme Kleingeistigkeit, allen falschen dämlichen Nationalstolz der Menschen, die sonst zu nichts fähig sind, auf das sie stolz sein können. Allzuschnell springt hier der Funke über, wenn jemand ihn anheizt.

Wer glaubt, man dürfe niemanden den Tod wünschen, der soll bitte sofort mindestens einen Flüchtling aufnehmen, der es durchs Mittelmeer geschafft hat. Wir nehmen ständig den Tod von Tausenden hin, weil wir unser schönes Leben behalten wollen. Warum nicht wünschen, dass die sterben, einfach so tot umfallen, die das schöne Leben Tausender gefährden?! Der plötzliche Tod von Stalin hat Tausenden das Leben gerettet. Ist das also nicht ein gerechter Wunsch?

Wir tun so, als würden wir die Diktatoren-Anwärter mit demokratischen Mitteln bekämpfen können, als würde sich das „schon irgendwie“ wieder regeln. Vielleicht bin ich zu deutsch und meine Familie zu betroffen von der deutschen Geschichte. Aber ich weiß als Psychologin, dass die Monster der falschen nationalistischen Selbsterhebung, die Monster des Größenwahn-Narzissmus nur allzugerne und allzuleicht sich erheben lassen, mit ihren Träumen von eigener Überlegenheit „einfach so“, nur weil man deutsch ist, polnisch, türkisch, ungarisch, russisch oder America first irgendeinen dummen Inhalt braucht und sei es die Zerstörung unserer aller Erde und Klima. Dieser Sehnsucht nach Überlegenheit „einfach so“, aus dämlichen Nationalstolz, setze ich meine Sehnsucht vom plötzlichen Tod „der Richtigen“ entgegen, statt jemand wie Frau Mirzakhani möchte ich, dass es jemanden trifft, dessen Tod die Welt besser macht und nicht ärmer an Genie und Wissen. Ganz einfach, einfach so.

Ein einziger Hirnschlag, ein Tumor oder Herzinfarkt könnte so viel besser machen, wenn es mal die Richtigen träfe. Wie viele mögen das genauso denken und nie sagen. Das frage ich mich.

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Matrix. Oder: Zum Glück sind wir Narzissten


In dem Film Matrix wird der Held Neo aus der Fremdbestimmung der Maschinenherrschaft, die in sein Gehirn ein Schein-Leben einprogrammiert hat, gerettet und in die reale Meta-Welt gebracht. Doch die echte Welt hinter der programmierten Schein-Welt, in der man gegen die Maschinen kämpfen muss, ist ein trostloser Ort. Hier, wo Körper und Geist vereint sind im echten Leben, scheint das Leben ein einziger Kampf zu sein, voller Selbstzweifel und Ängste und Erwartungen anderer Menschen.

Der Film Matrix, der dem Leib-Seele Dualismus der Aufklärung folgt, kommt aber trotz (oder gerade) durch seine ganze Trostlosigkeit nicht ohne Utopie aus, um (tiefenpsychologisch) zu funktionieren: Neo ist „der Erlöser“, „the One“, ein vielbewunderter und beachteter Retter der Welt, der Hero, der am Ende das schöne Mädchen bekommt. Er trainiert seine Geisteskraft zu einer Art höheren Intelligenz voller übernatürlichen Fähigkeiten und bleibt dabei gerade zutiefst menschlich. Letztlich hat er nur die Wahl zwischen der Fremdbestimmung durch den „Heldenkult“ oder die Fremdbestimmung durch die Computer.

Um Menschen zu werden, müssten Maschine Narzissten werden, einen Lebenstrieb haben, der bewusst-narzisstische Strategien einschlägt. Doch dazu müssten sie eben: leben. Sie müssten herangewachsen sein, mit individuellen Erfahrungen, die sie körperlich erleben, in der sozialen Gemeinschaft und die durch Emotionen eine narzisstische Wertung erfahren. Denn wir sind und bleiben alle ein leben Lang Narzissten – einige sogar mit einer narzisstischen Störung. Das fällt dann auf. Doch auch der Rest von uns verfolgt seine zutiefst narzisstischen Ziele vom besseren (Über-)Leben, mehr Status etc.

Maschinen kommen dagegen fertig auf die Welt, selbst wenn sie dann Menschenverhalten versuchen zu kopieren. Sie können Menschen aber immer nur nacharmen: Das Leben, das von sich aus (aus dem großen X heraus) leben will, ist eben das: Leben – und keine Rechentechnik. Es ist eine auf spezielle Art gewertete Energie, in menschlicher Organisationsform. Sie ist geltungslogisch, wirklich und findet evolutioniert und intersubjektiv statt – ohne logische Intelligenz, aber mit der narzisstischen Intelligenz des Lebens. Aus einer Ursuppe von Molekülen entsteht unendlich variables Leben – doch nicht aus Bits und Bytes. Zellen und komplexe Zellorganismen sind das Resultat von Leben – und nicht seine Ursache.

Computer sollen dagegen genau das nicht sein: narzisstisch. Sie imitieren Narzissmus nur und haben gerade dann keinen Sinn, denn sie sollen uns in unsrem Narzissmus-Streben helfen. Sie sollen logisch funktionieren, um geltungslogisch Sinn zu machen: Sie müssen berechenbar sein, um uns zu helfen.

Versucht man umgekehrt ein biologisches System (den Menschen) zu berechnen und diese berechneten Daten als künstliche Intelligenz aufzubereiten, stolpert man über drei Denkfehler:

1.)Maschinen machen andere körperliche Erfahrungen als evolutionierte menschliche Körper.

2.)Leben ist keine Anzahl von interagierenden Molekülen. Es ist irgendetwas mehr (das große X).

3.)Biologie und Bio-Tec sind ein menschliches Erkenntnissysteme, beschreiben vom Menschen erkannte und gewertete Muster. Sie sind von unserer narzisstischen Qualität verzerrt und nicht absolute Wahrheit.

Menschen entsprechen nicht intelligenten Systemen, die mit Erfahrungen Informationen sammeln und aus Rückschlägen und Fehleinschätzungen lernen, Muster erkennen und Lösungen finden. Unsere Synapsen, die unsere Neuronen verknüpfen, bilden sich nicht durch Lernerfahrungen, die als Information eingespeichert werden. Sie bilden sich durch die körperliche Erfahrung im Raum, emotionale, „narzisstisch-lebenswillige“ Wertung und Erfahrungsverarbeitung, die prinzipiell auf unser individuelles Selbstwertgefühl als (Über-)Lebens-Barometer ausgerichtet ist.

Ein Algorithmus ist nur so gut, wie die menschliche Wertung, die er errechnen soll, wie die Über-Lebens-Wichtigkeit und Richtigkeit der Daten, die man ihm einfüttert. Er kann das nicht eins zu eins ersetzen.

(Auszug aus meinem Buch „Willensfreiheit, Wahrheit und Narzissmus“, das nächstes Jahr erscheinen wird.)

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Ent-Täuschung

Diese Woche hat mir ein schwuler Freund geantwortet, dem ich zur neuen Möglichkeit der Eheschließung gratulierte: „Ist wirklich gerechter, warum sollt nur ihr Heteros in Ehen leiden müssen!“

Nichts ist wohl so überfrachtet mit Erwartung und Enttäuschung wie Eheschließungen, nichts führt uns Menschen so an den Rand der Irrationalität und des infantilen Narzissmus, wie die Hoffnung auf totales Glück, für immer durch jemand anderen verantwortet– und der zwangsläufige Realitätsabgleich. Nur die Wahl des amerikanischen Präsidenten ist vielleicht ähnlich regelmäßig mit horrender Enttäuschung auf übermäßige Zukunftsphantasien verbunden.

Fast 50% der Ehen scheitern. Doch was ist eigentlich mit den anderen 50%? Angeblich sind es die glücklichsten, die es je gab: Befreit von Zwang der Versorgung und materiellen Abhängigkeit, bereichert mit zahlreichen Urlauben und Bequemlichkeiten, von denen keine Generation vorher je auch nur zu träumen wagte. Aber wieso gehen dann trotzdem 50% unter? Reicht denen selbst diese Luxusrealität nicht?

Gerade wenn es um Beziehungen geht, um Scheidungen und Trennungen, wird das ganze Potential des narzisstischen Irrsinns, das wir Menschen verzapfen, alltäglich sichtbar. Es schwelt hier immer schon unter der Oberfläche. Doch heute wird es auch darüber hinaus zunehmend ungehemmt ausgelebt: Schließlich macht der Präsident der USA es vor. Vorstellung und Wirklichkeit, Traum und Erwartung scheinen immer deutlicher an vielen Stellen unseres Lebens auseinander zu fallen. Angeblich sind nur noch 1-2 Personen von 20 wirklich sozialkompatibel und gesund arbeitsfähig in den Unternehmen. Der Rest lebt dort seine Neurosen, Minderwertigkeitskomplexe und Größenwahnvorstellungen aus. Das war bei G20 diese Woche nicht anders.

Wohin führt all unser Kampf um mehr Gerechtigkeit und Freiheit und Gleichheit, um Wohlstand und Sicherheit, wenn der Irrsinn parallel zunimmt, Beziehungsfähigkeit und gesunder Menschenverstand immer seltener scheint? Da schaffen wir die Diskriminierung an einer Stelle ab, entmachten die Reste der irrsinnigen Weltmacht Kirche und schauen doch völlig hilflos dem Machtmissbrauch des Kapitalismus zu, der gerade wohl seinen Höhepunkt erreicht. Da kommen sie zusammen, die Staatschefs: Ein paar Hoffnungsträger und viele schlimme Narzissten, auch auf der Seite der Demonstranten. Und wahrscheinlich wird es wieder 500 Jahre dauern (wie nach dem Ablasshandel als Spitze des Machmissbrauchs der Kirche), bis wir die letzten Ungerechtigkeiten des Kapitalismus mit seinen Paradiesversprechen beseitigen, während dann schon wieder ein ganz anderer Irrsinn tobt, der mal als Hoffnung begonnen hat.

Oder sehen wir das alles nur so schlimm, weil wir von unserem Idealismus, wie die Menschheit zu sein hat, ständig enttäuscht werden? Haben wir ständig viel zu große Erwartungen an unsere kurzzeitige Verbindung mit der Lebensrealität, die aufgrund unserer banalen narzisstischen Natur zwangsläufig enttäuscht werden müssen?

Doch würde sonst jemand sich auf das Leben und die Ehe einlassen? Hoffnung und Enttäuschung, mehr gibt es wohl nicht. Das Leben, Homo-Ehen und G20 Gipfel, wie sie sein sollten, aber nie sein können: Wir sollten endlich unsere Erwartungen an uns selbst, den Menschen, runter schrauben. Als angebliche Verstandeswesen sind wir echt ein Witz – leider kein sehr lustiger.

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Birnen-Dämmerung

Vor einigen Jahren musste ich die Beerdigung einer Verwandten mitorganisieren. Ich war erstaunt, als die Pfarrerin auch nach den schlechten Seiten der toten Person fragte. Sie sei selbst schon auf Beerdigungen gewesen, wo sie glaubte, sie sei auf dem falschen Begräbnis, da der gelobhudelte Inhalt der Trauerreden ungefähr das Gegenteil gewesen wäre, von dem, was die tote Person ausgemacht hätte.

Mir ging es diese Woche so beim Begräbnis von Helmut Kohl: Der patriarchalen, selbstherrlichen „pfälzer Birne“ meiner Jugend. Ich weiß noch, wie unerträglich es für mich als 19-Jährige war, dass diesem Idioten, der für alles stand, was ich im jugendlichen Eifer ablehnte, die deutsche Einheit zufiel (zumal meine Familie von Teilung und Einheit Deutschlands sehr betroffen war). Auch jeder meiner Freunde wusste: Der eigentliche Impuls kam aus der Sowjetunion, Kohl musste nur „ja, ich will“ sagen. Und dafür wird er bis heute gefeiert, geehrt. Während der Rest seiner Untaten, Verrat am deutschen Rechtssystem (in der Spendenaffäre), sein kränkbares kleinbürgerliches Denken und Verhalten und seine Ehefrauen (die eine hat er mit Rücksichtslosigkeit und Lieblosigkeit in den Tod getrieben, im selbstsüchtig-narzisstischen Verhalten der anderen findet man Kohls Charakter bestätigt) unter den Tisch gekehrt werden.

Man soll über Tote nicht schlecht reden, denn sie können sich nicht wehren. Diesen Satz fand ich immer schon seltsam. Zum einen hätten sie sich ja zu Lebzeiten wehren und ändern können, denn die Vorwürfe gegen Tote sind niemals neu. Zum anderen können wir alle etwas daraus lernen: Am Ende bleibt die Erinnerung an den guten oder schlechten Charakter. Was in Erinnerungen an Menschen im Fokus steht, ist ja (gerechter und wahrhaftiger Weise), nicht der Erfolg, Geld, Macht. Es ist der Mensch, sein Verhalten, unsere Meinung über die Qualität seines Alltagsdaseins. Und das Schlimmste ist wohl, wenn es bis zum Grab hin arge Streitigkeiten gibt, aus den vom Toten verursachten alten Verletzungen heraus. Wer nicht will, dass alle denken: „Endlich ist er unter der Erde“, der sollte zu Lebzeiten was dagegen unternehmen.

Der Begriff „streitbar“ ist auf Beerdigungen ein einheitliches Wort für das schwierige, rücksichtslose, unbelehrbare Verhalten des Toten im Leben. Das hat mir die Pfarrerin damals erklärt. Ich hoffe auf meiner Beerdigung redet man über meine rasende Wut, wenn ich glaube Menschen würden aus Feigheit und Schwäche anderen (mir) Leid zufügen, meiner tiefen unverhältnismäßigen Verachtung für Dünnbrettbohrer und patriarchales Gehabe, meinen völlig überzogenen Glauben an die Wissenschaft und was sie zu leisten vermag, gepaart mit der bedenklichen Wut auf Religion, besonders die katholische. Aber man möge bitte niemals sagen, ich wäre streitbar.

Kohl wird für mich immer die birnenförmige Strichzeichnung sein, auf dem Autoaufkleber eines Freundes. In diesem Cartoon hielt sich der Altkanzler ein Bügeleisen ans Ohr und in der Sprechblase war zu lesen: „Hier Kohl“. Am Ende bleibt eben immer der Charakter.

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Gleichwertigkeit first

Diese Woche war ich einmal beim Beach Boys Konzert und zum anderen bei den Skatebord Meisterschaften in München. Zum einen stand ein alter Mann auf der Bühne, der vom Surfgefühl des Wellengleitens sangen und den tollen Autos und Mädchen seiner Jugend. Zum anderen sprangen junge und sehr junge Männer auf rollenden Brettern über Rampen. Beides ging es um: Jugendkulturen, Fun, Lifestyle, das, was das Leben sein sollte. Beide Male waren Mädchen: Zweitrangige Menschen, Dekogegenstand, Zuschauer, immer nur im Plural (nie als Individuen).

Besonders auffällig wird dieser Sachverhalt, der sich zwischen 1961 und 2017 nicht geändert hat, wenn man sich das umgekehrte Szenario mal vorstellt: Ein Haufen Frauen machen coole Dinge, Surfen, Skaten und werden dabei von Männern begleitet und beklatscht. Und die Mädels würden diese Jungs nur als Masse wahrnehmen, nur von hübschen Jungs sprechen, wenn sie Jungs meinen und alle anderen ignorieren.

Es mag seltsam sein, dass jemand sich an etwas stößt, das scheinbar nicht zu ändern ist. Jungs machen nun mal ihr Ding, wollen cool untereinander sein und Mädchen außen vorhaben, sie beeindrucken, aber niemals sein, wie sie. Niemals würden sie nur bewundernd dabei sitzen, sich nur in hübsch und weniger hübsch klassifizieren lassen, ohne irgendeinen persönlichen, identitären Aspekt, wie Autos eben, Gegenstände, die am Rande des coolen Mädchenleben stehen.

Ebenso wenig, wie ich weiß, wie es ist schwarz zu sein oder körperlich behindert (und daran nichts ändern könnte), wissen Männer, wie es ist, im Alltag tausendfach benachteiligt, zweitrangig, ja abgewertet zu werden. Wenn man auf die 50 zugeht, hat man es in vielen vielen Kleinigkeiten (wie einem Beach-Boys-Konzert und einem Skatebordnachmittag) so oft erlebt, dass man müde wird, von diesem Kampf, um echte Gleichberechtigung, Gleichdenke, Gleichwertigkeit. Besonders wenn man sein Leben wirklich erfolgreich auf die Reihe gebracht hat, trotz dieser Widerstände, die bei Mitschülern, Schullehrern, Sporttrainern anfangen und Kollegen, Uniprofessoren, Schwiegervätern, Ärzten, Handwerkern, Bankangestellten aufhören, frustriert diese Dauerabwertung. Und es hört scheinbar nicht auf, auch nicht in der nächsten Generation.

Ich kritisiere selbst oft Frauen und eigentlich immer, wenn sie sich in diese alte Minderwertigkeit fügen, versuchen durch angebliche Schwächen zu profitieren, Männern die Macht lassen, um sich nicht anstrengen zu müssen. Ich versuche andere niemals grundlos, weil sie zu irgendeiner Gruppe gehören, abzuwerten. Vielleicht liegt es in unseren Genen, dass wir mit Gleichgeschlechtlichen eine bestimmte Form von Gemeinschaften bilden, wo wir uns besser verstehen, zusammenhalten. Aber wieso, bitte wieso, muss man die andere Gruppe, nicht nur ausschließen, sondern pauschal zum Beiwerk, Gegenstand, zur Zweitrangigkeit machen? Warum kann man nicht jemand sein und jemand anderes darf gleichwertig sein?

Das gilt übrigens auch für die Weltpolitik. Warum muss America first sein? Warum heißt es nicht: America is great like others?!

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Abschalten

Diese Woche habe ich einen seltsamen interessanten Vorschlag von einem Kollegen gehört, zum Thema Weltverbesserung. Der Mann ist in der Kinder– und Jugendpsychologie tätig und kämpft täglich gegen die Zunahme all der Entwicklungsstörungen auf diesem Gebiet: ADAS, Aggressivität und Unausgeglichenheit. Kinder lernen heute keine gesunde „Reizberuhigung“ mehr, über das Nachahmen des Verhaltens der Eltern, weil diese lieber mit dem Smartphone kommunizieren als mit ihnen. Von klein auf, beim Wickeln, Füttern, Essen, Schulaufgaben machen etc. ist das Gerät der Konkurrent um Aufmerksamkeit. Der Kollege erzählte mir neulich, dass er mehrfach den Satz bei seinen kleinen Patienten gehört habe: Die Mama/ der Papa mag sein Telefon lieber als mich.

So schlug er also vor, nicht das Internet, aber alle sozialen Netzwerke abzuschalten.

Da ich selbst ca. 3 Minuten in der Woche auf Facebook bin, um eben diese Texte hier zu posten und mich sonst auf Tagesschau und Spiegel oder FAS verlasse, die alles Wichtige etwas später erzählen und mit objektiven und zeitlich beruhigten Kommentaren versehen, hätte der Vorschlag keinerlei Konsequenzen für mein Leben. Doch da bin ich wohl eine der wenigen meiner Generation, denn gerade die 35-50 Jährigen sind die schlimmsten Netznutzer, wie eine Studie gerade bewiesen hat.

Was würde mit ihnen allen passieren, wenn es ab morgen, sagen wir viertelnachzwei, kein Intergram, Twitter, Facebook mehr gibt?

Ich glaube, eine Woche lang wären viele Menschen verwirrt. Sie würden ständig nach ihren Geräten greifen, ohne den kleinen erwünschten Belohnungskick zu bekommen? Aber dann würden sie anfangen, wieder „normal“ Kontakt aufzunehmen, zu Menschen, die sie in der analogen Welt kennen, ihnen direkt Mails oder SMSen schicken. Sie würden Nachrichten-Seiten besuchen im Netz und nach dem suchen, was sie interessiert und nicht mehr „futtern“, was ihnen geschickt wird. Vielleicht würden sie sich sogar wieder die Mühe machen und mehr telefonieren (Wahnsinn!).

Es würden keine unsinnigen Challenges mehr geben, wer die knochigsten Hüften hat oder sich mehr Kübel Eiswasser über den Kopf gießt und es würden keine dämlichen Katzenbilder mehr die Weltsicht zum Spassfaktor verblenden und wenn ein YouTube Video lustig wäre, müsste man es weiter mailen, statt zu posten und zu glauben, man stünde damit wie ein Star im Fokus fremder Aufmerksamkeit. Es gäbe keine Internet-Schminke-Mädchen mehr mit Millionen Followern und keine Shitstorms und keine Aufrufe von Rechts oder vom IS. Stalking wäre richtig schwierig und kein Chef könnte mehr die peinlichen Sauffotos von vor 10 Jahren recherchieren. Kein Mittagessen würde mehr sinnlos kalt, weil es erst fotografiert und gepostet wird und kein Kind würde mehr von seiner selbstherrlichen Mutter der Internetgemeinde vorgeführt. Man müsste den Beziehungsstatus wieder vorsichtig erfragen und nie wieder würde einem jemand schreiben „Isch find disch geil!“

Was würde uns fehlen? Mir fällt nichts ein.

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Wohin mit den Begabten?

Es kommen immer noch 10000 Flüchtlinge im Monat nach Deutschland. Es sind nur noch die Wohlhabendsten und Stärksten, die die Sahara, die Lager in Lybien und das Mittelmeer überleben oder die immer teurer werdenden Schlepper in Syrien oder Afghanistan bezahlen können. Doch wir bekommen das nur noch am Rande mit. Die Grenzen und das Elend sind verlagert, nach Griechenland, Italien und Libyen.

Wir wissen, wie privilegiert wir hier sind (außer vielleicht die AfD Wähler und Pegida Demonstranten). Wir schämen uns, aber wir wollen nicht auf unseren Lebensstandard verzichten. (Wir fahren ja sogar die dicken SUVs weiter, obwohl wir unsere eigene Atemluft damit verschmutzen und unser unstetes Klima selbst produzieren.)

53 Milliarden Euro werden jedes Jahr nach Afrika geschickt, von denen, die es nach Europa geschafft haben und mit ihren Hungerlöhnen daheim die Familie unterstützen. Auch in den arabischen Staaten versucht jede Familie einen in Europa zu stationieren, der die anderen versorgt. Oft sind sie ohne Genehmigung hier, geduldet am Rande der Gesellschaft. Und begehen sie Straftaten, wie an Sylvester oder bei Amoktaten, dann fühlen wir uns entlastet von unseren Schuldgefühlen und fordern schnellere Abschiebung. Es sei denn natürlich, der Abgeschobene ist ein bereits deutschsprechender, gut integrierter Schüler. Die Guten, Lernwilligen, Freundlichen können ruhig bleiben. Die mit den Paradies-Vorstellungen, die nur Fordern und nichts tun wollen, nicht mal die Sprache bereit sind zu lernen, sollen gehen.

Die Formel: „Schafft die Fluchtgründe ab“, hat gleich der jahrzehntelangen Formel vom Hunger in Afrika, der zu stillen ist, dazu geführt, dass die nun nicht mehr Hungernden die Schlepper bezahlen können. Und unsere Vorstellung von Demokratie hat das arabische Chaos heraufbeschworen. Und unsere Demokratie funktioniert auch nur, weil sie mit dem Kapitalismus einhergeht, dem Versprechen vom wachsenden Wohlstand. Und den haben wir nur durch die Ausbeutung der armen Länder.

Unser Rechts- und Selbstverständnis ist völlig bigott. Und es scheint keine Lösung zu geben, für unseren  Wohlstand und gegen das Elend.

Vielleicht wäre ein von Europa bezahltes Schulnetz, Universitäten und Handwerksinstitute – flächendeckend – eine Lösung, in all den Ländern, um dort Perspektiven zu schaffen. Und jede Familie würde ihren begabtesten Nachwuchs dort kostenfrei hinschicken – und nicht aufs Mittelmeer, in den Tod oder in Hungerjobs.

 

 

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Unfreiwilliger Messias


Es gibt ein auffallendes Phänomen, bei uns narzisstischen Menschen: Nichts schweißt uns so zusammen, schlichtet Streit und schafft gemeinsames Handeln, wie ein gemeinsamer Feind. Das musste die Welt und Donald Trump diese Woche erfahren: Selbst die amerikanischen Großkonzerne und Russland, China und ganz Europa sprechen sich für den Klima-und Umweltschutz aus – und vor allem gegen Trump. Wie ein „flow“ wehte, dank Donald, das erste Mal seit Beginn der Globalisierung diese Woche das Bewusstsein durch Länder und Regierungen: Wir sind eine Menschheit.

Und so muss man sich bei Trump quasi bedanken: Durch sein asoziales Verhalten hat er bisher Unglaubliches geschaffen, hat allen anderen gezeigt, wo man hinkommt, wenn der Stammtisch mit seinen dummen infantil-narzisstischen Parolen regiert. Europa ist sich plötzlich bewusst, es muss zusammen arbeiten; China rückt kooperativ an andere Länder heran; alle wissen, es geht nur eine nachhaltige Zukunftsplanung, Protektionismus ist Mist und das Internet richtet, unkontrolliert, Katastrophen an (wie die Wahl von Donald Trump). Wünschenswert wäre jetzt noch eine Lösung für den arabischen Raum und Afrika. Trump sollte dort alle so beleidigen, dass sie zusammenfinden, ihre gemeinsame Identität entdecken.

Leider hat dieses Prinzip bei den Frauen aber nicht zur gewünschten Wirkung geführt: Ivanka und Melanias oberflächliches Auftreten und Papa Trumps Frauenansichten habe in ihrer überzüchteten, dummen Dreitigkeit, ohne Gehalt, ohne Wissen oder Interesse als für irgendetwas anderes als äußeren Schein, noch nicht dazu geführt, dass Heidi Klums Show endlich verboten wird. Hier wäre ein fundiger weiter Skandal vielleicht auch noch notwendig: Donald Trump findet Frauen könnten ruhig an Magersucht zu Grunde gehen. Oder noch besser: Donald Trump überlegt das Frauenwahrecht ans Körpergewicht zu koppeln.

Und vielleicht könnte Trump auch noch, bevor er dann abgesetzt wird, die Amigo-Kultur bayrischer CSU- Politiker loben, damit endlich Herr Seehofer verschwindet. Dann könne er immerhin zu Recht und ohne Fake behaupten, ihm sei Unglaubliches gelungen.

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Ich, Mensch

Wir Menschen sind verletzlich. Wenn man unsere Kinder bedroht oder sogar tötet, unsere selbstverständliche Sicherheit angreift, unser Wohlstand gefährdet scheint, sind wir schnell verunsichert. Doch was wäre gewonnen, wenn es nicht so wäre? Wir sind dieser Tage wieder mal gekränkt, erschüttert, erinnert, an unsere Sterblichkeit und an die Zerbrechlichkeit demokratischer Freiheiten und Selbstsicherheiten. Wir wollen dagegen auf „die Barrikaden“ gehen, denken uns: Das kann ja wohl nicht wahr sein, dass Fremde oder Andersdenkende oder andersdenkende Fremde uns in unserem Selbstverständnis des guten Lebens angreifen.

Ich habe bis diese Woche den Namen Ariana Grande noch nie gehört. Sie hat 100 Millionen (in Worten Einhundert Millionen) Follower auf Instagram, 7 Milliarden! Mal wurde ihre Videos geklickt. Sie ist damit Nummer 2 weltweit, in der absoluten, globalen Werteskala unserer Zeit: Aufmerksamkeit im Internet. Sie verkörpert in ihren Bildern das Maximum an Sexyness, das perfekt inszenierte Leben. Millionen von sehr jungen Menschen, Kindern, nehmen sich das als Vorbild.

So ungefähr das Gleiche kann man von den inszenierten Bilder des IS sagen: Männliche Sexyness, Heroentum in schwarz, Männer, die sich als Sieger mit göttlichem Auftrag bebildern und viele viele Bewunderter finden. Auch wenn es nicht an einer Person fest zu machen ist, geht es hier wie da um Sehnsucht, Image, das totale Paradies der Anerkennung: Narzissmus in seiner reinsten Form.

Junge Leute probieren diese Rollen ihrer Vorbilder, die ihnen einen tollen Platz in der Gemeinschaft, Anerkennung und ein tolles Leben versprechen, in Gedanken und Träumen aus. Das ist normal. Und es interessiert mich nicht (außer vielleicht als entwicklungspsychologisches Merkmal).

Es interessiert mich aber, dass jede Art von Narzissmus, der andere in Mitleidenschaft zieht, von der Politik, für die ich Steuern zahle, unschädlich gemacht wird. Das gilt für Heidi Klum, die junge Mädchen in eine lebenslange Magersucht, Selbstzweifel und Unglück lockt, genauso wie für Terrorjugendliche. Bei all der Datenflut, die besonders diese narzisstisch Instabilen im Netz hinterlassen, ist es leicht, rechtzeitig Abhilfe zu schaffen, rechtzeitig Prediger aller Art zu verbieten oder zu verhaften.

Aber weiter möchte ich mich damit nicht beschäftigen. Ich hatte selbst nie einen besonders narzisstischen Hang, für irgendeinen Vorbild zu schwärmen, nicht mal mit 15 hat mich sowas interessiert. Ich weiß auch, dass im Jahr über 3000 Menschen im Straßenverkehr sterben und nehme trotzdem, wie fast jeder, ohne Furcht und Zweifel weiter daran teil. Der Mensch ist verletzlich. Er ist Mensch. Punkt. Gegen meine narzisstischen Größenwahnphantasien kann ich immerhin selbst was tun. Gegen die Gefährlichen sollte die Politik dringend was tun, auch gegen die, in unserer Kultur. Ansonsten kann ich nur jedem raten, am Narzissmus-Hype jeder Art im Netz einfach nicht Teil zu nehmen. Stell Dir vor, Heidi Klum demütigt junge Frauen und keiner will das mehr sehen; stell Dir vor Ariana Grande postet was und keinen interessiert es; stell dir vor, es ist Terror und die Polizei kümmert sich drum, wie um die Verkehrstoten (übrigens auch übermäßig viele Kinder und junge Menschen). Was wäre wohl, wenn wir uns nicht mehr so wichtig nehmen würden, mit unseren narzisstischen Träumen und unserer Unsicherheit?

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Prometheus


Prometheus hatte den Göttern das Feuer gestohlen und zu den Menschen gebracht. Zur Strafe wurde sein Bruder mit Pandora verheiratet (einer aus Lehm geformten Frau), die den Menschen das Übel bringen sollte: Durch eine Büchse, die sie kurz nach der Hochzeit öffnete. So kam Leid und Tod und Krankheit und Mühen in die Welt und alles andere, worunter der Mensch noch heute leidet. Doch Pandora öffnete die Büchse noch ein zweites Mal und so entwich der letzte Inhalt: Die Hoffnung.

Der Philosoph Nitzsche hat behauptet, die Hoffnung wäre das größte aller Übel, weil sie den Menschen im Hamsterrad seines elenden Geschicks festhalte, weil sie ihm quasi immer weiter die Karotte seiner Phantasien vom besseren Leben vor´s inne Auge halte und das Elend gerade durch die Hoffnung so immer weiter gehe.

Die Warnungen vor Klimawandel und Überbevölkerung, vor (zukünftigen) Kriegen und Völkerwanderungen der Armen, vor Seuchen und Datenspionage und anderem Unheil begleiten uns dauerhaft. Die Warnungen vor Politikern wie Trump, sind grotesker Alltag geworden. Doch seine Wähler halten zu ihm, weil er ihnen eine absurde verlogene Hoffnung gibt.

Früher waren die Hoffnungen auf ein perfektes, luxuriöses Jenseits gerichtet, das all das Leid vergolden würde. Heute zeigt sich das Paradies in neuen glamourösen Louis-Vuitton-Stores und Porsche-Show-Rooms, im Traum vom Wohlstand oder sogar vom großen Ruhm, der gegen das Elend schützen soll. Er zeigt sich aber auch im Traum vom perfekten Partner oder im Anspruch an das perfekte, leistungsstarke Kind (siehe Blog von letzter Woche). Und viele verlieren ihr Leben dabei, weil sie ihr Leben lang diesem Traum hinter her rennen.

In der Philosophie gibt es sogenannte a priori Annahmen: Behauptungen, die nicht weiter begründet werden, von denen angenommen wird, sie sind grundsätzlich und daher wahr. Bei Kant war es z.B. der menschliche Verstand mit seinem kausalen, logischen Denken (in wenn-dann Zusammenhängen) und seinen Kategorien (was gehört mit was zusammen). Aber der Verstand war – im Gegensatz zu Kants Annahme – nicht das, was den Menschen eigentlich ausmacht. Heute wissen wir der menschlicher Verstand macht nur 5% der neuronalen Vorgänge im Hirn aus und er ist nicht zu separieren von den Emotionen, die wahr und falsch bestätigen, denn ob etwas logisch richtig ist, ist ein Gefühl.

Heute kann man behaupten die Hoffnung d.h. die Sehnsucht nach einen besseren Wohlbefinden ist a priori eine Eigenschaft des Menschen, etwas wovon man immer ausgehen kann. Sicher ändert sich der Inhalt der Hoffnung (früher war es die Hoffnung für immer satt zu werden, heute sind es diarröh-braune Handtaschen mit drei verschlungen Buchstaben). Auch unser Selbstwertgefühl ist stark an die Hoffnung nach Besserem gebunden. Als ich für mein letztes Buch („Mr. Right. Von der Kunst den Richtigen zu finden. Und zu behalten.“) in New York Erfolgsmenschen auf der Suche nach der Liebe interviewte, war der zentrale Satz, den ich immer wieder zu hören bekam: „Jeder hier hofft immer noch <was Besseres> zu finden.“

Die Hoffnung (auf Besseres): Angeblich das, was in der Büchse der Pandora als letztes zurück blieb und dann dem Menschen gegeben wurde, um sein Dasein zu ertragen… Es fragt sich nur, was wäre aus dem Menschen geworden, wenn es die Hoffnung nicht gegeben hätte, wenn sein Hirn sein Streben, seinen Selbstbild nicht darauf ausgerichtet wäre, ein höheres Wohlbefinden zu erlangen? Er wäre wohl als Mensch nicht vorstellbar. Und deshalb kann man sich darauf einstellen, dass es auch zukünftig diese elenden Populismus geben wird, denn nichts hat der Mensch bisher geschaffen, was seine Hoffnung so sehr anspornt und gefangen hält, wie überlegen zu sein, einfach so, weil man Deutscher ist oder Amerikaner oder Franzose. Das kann fast jedes emotionale Elend verblenden. Wer nichts hat, worauf er hoffen kann, hofft einfach so alles verdient zu haben, ist es auch noch so widersinnig

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Opfer sollten Frankfurter Allgemeine Zeitung lesen

Die Franfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat heute ein Beilagenheft: „Elitenreport“ steht als Titel darauf und drinnen gibt es allerlei Anlagetipps. Daneben sind Fotos von Anlageberatern abgebildet, die kein Caster hätte besser zusammenstellen können. Vorzugsweise mit Brille und leicht übergewichtig versuchen sie seriös-freundlich in die Kamera zu lächeln, als würde sie den Wohlhabenden dieser Welt damit vermitteln wollen: Habt kein schlechtes Gewissen, ihr habt es verdient mehr zu haben als die anderen, ihr seid die Schlauen, Fleißigen, die überhaupt was bewegen, in dieser Gesellschaft, für die ganzen Schmarotzer mitsorgen.

Direkt im ersten Teil der FAS gibt es dann auch noch einen Artikel, über Torsten Albig. Der ist zwar kein Finanzanlagenberater (obwohl er genauso aussieht), dafür aber genauso verteufelte. Als Ministerpräsident von Schleswig Holstein wurde er letzte Woche abgewählt bzw. abgestraft vom Wähler. Grund: Nicht seine Politik, sondern seine Meinung über die Ehe, also seine Ehe und seine Frau, von der er sich getrennt hatte. In der Zeitung Die Bunte erzählte er dann auch noch, dass sie als Heimchen am Herd mit den Kindern einfach nicht mehr auf Augenhöhe mit ihm war. Dazu schreibt die FAS, dass es auch Ex-Kanzler Schröder so erging und er Ähnliches am Ende seiner vierten Ehe (war es die vierte?) sagte.

Die FAS unterstützt die Alphatiere der Politik in ihrer Lebensführung genauso, wie die Finanzanleger: Männer, die nicht anders können (selbst von der SPD), nimmt man in Schutz, weil auf ihnen sonst immer nur alle, im Zuge politischer Korrektheit, herumgehacken. Erwiesener Maßen besitzen Frauen nur selten eigenes Vermögen und wenn dann zumeist ererbtes. Das liegt wohl daran, dass sie vor lauter Kinderkriegen eben nicht auf Augenhöhe bleiben, weder bei den Finanzen noch in der Beziehung zu ihren Männern.

Frauen sind also wieder (oder immer noch) die Opfer der finanzanlegenden potenten Männer. Fragt sich nur, wer sie dazu zwingt, kein Geld zu verdienen, sich mit Kindern selbst zu verwirklichen und dabei geistig stehen zu bleiben. Es gibt die Pille und Frauen machen seit Jahren häufiger und die besseren Examen. Und wenn sie heiraten, ist zumeist auch schon ein paar Jahre Beziehung und Lebenserfahrung vorhanden und die Karriere des Mannes, sein Alpha-Tier-Gehabe zeichnet sich ab.

Warum heiraten Frauen also nicht Krankenpfleger oder Verwaltungsangestellte und machen dann selbst Karriere, überlassen dem Mann die Kinderpflege? Oder haben Sie schon mal eine FAS Beilage gesehen, wo lauter leicht übergewichtige, bebrillte Frauen nett-seriös sich um Ihr Geld kümmern wollen oder getrennte Politikerinnen-Ex-Männer der Bunte ihr Leid klagten, dass sie nun mal die armen Opfer der Familienplanung sind, während ihre Frauen schuldbewusst bekennen (wie Albig und Schröder), dass sie an der Trennung schuld sind, weil ihre Männer mit dem Kindergedöns nun mal nicht mehr auf Augenhöhe sind?!

Ist es nicht schon eine versteckt Bestätigung der Minderwertigkeit und Ohnmacht von Frauen, stets nur ihnen zur Seite zu springen, anstatt ihnen mal kräftig in den psychologischen Hintern zu treten?! Wer erzählt denn den Töchtern das ewige Märchen von der Hochzeit in Weiß und dem Prinzen, der für einen sorgt? Wieso erzählen Eltern, also auch Mütter, das nicht ihren Söhnen, sondern halten diese dazu an, Karriere zu machen? Wieso wollten diese Frauen, als sie in ihren 20ern auf Männersuche waren und Alphatiere bevorzugten, nicht sehen, dass  Kinder hochgradig die eigene Entwicklung gefährden, Rentenarmut mit sich bringen und die Abhängigkeit von Männern, denen das irgendwann zu dumm wird? (Ausnahmen bestätige die Regel und lesen seltener die FAS.) Warum verschonen wir die Frauen mit der Wahrheit, ihrer Verantwortung für sich und stellen sie dann als Opfer dar?

Hallo Mädels, sucht Euch einen kinderlieben Mann ohne Ambitionen und macht als Finanzberaterinnen Karriere! Dann steht ihr auch nicht irgendwann am Sonntag in der FAS als Opfer, sondern werdet als Top-Investment-Beraterin beworben.

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Von Lachsen und Franzosen

2009 legte Craig Bennett von der renommierten University of California einen toten Lachs in einen Hirnscanner und zeigte ihm Fotos von Menschen in unterschiedlichen sozialen Situationen. Wie die Auswertungen der fMRT-Daten ergaben, kam es im Gehirn des toten Fisches vereinzelt zu höheren Aktivierungen, während der Präsentation von Fotos, im Gegensatz zur Ruhephase ohne Fotopräsentation.

Es wäre in diesem Sinne und in Zeiten anwachsender Fake-News und machtpolitischer Manipulation nötig, einen klaren Unterschied zu machen zwischen: Information, Wissen und Weisheit. Information sind Fakten, etwas, das in der Wirklichkeit da ist. Dazu braucht es erstmal noch keine Deutung oder Interpretation: Etwas ist oder ist nicht. Zur Deutung brauchen wir dann den gesunden Menschenverstand. Aber was ist das eigentlich?

An den Fakten hapert es schon vor der Deutung. Das hat die heutige Präsidentschaftsbewerberin Marie Le Pen, genauso wie ihr Kollegen Trump, Putin, Erdogan gezeigt. Es sind wenige Menschen bei Trumps Ernennungsfeier gewesen. Punkt. Das ist Fakt. Die Deutung ist dann noch etwas anderes.

Dabei fällt auf, dass die selben Fakten oder Fake-News, von der zweigeteilten Gesellschaft immer genau zwei Deutungen erfahren. Beide Deutungen verbindet: Die eigene Perspektive auf ein bessere Leben, die eigene narzisstische Strategie. Doch das wird von kaum einer Wissenschaft als solide Wahrheit abgebildet.

Letztlich wird aber gerade der Narzissmus, Angst, Sehnsucht, Entlastung über Hassprojektionen, der Glaube an eigene Größe und daran, auf der „besseren Seite“ zu stehen, zur Grundlage aller Deutungen – ob nun Fakten oder Fake-News zugrunde liegen.

So müssen wir die narzisstischen Strategien der Menschen behandeln, denn wir sind – wie hier schon oft erwähnt – alle Narzissten. Es gibt welche, die sehen ihren Vorteil in der Vergangenheit, wobei das immer vergangene Größe meint. Und es gibt welche, die sehen ihre Größe in einer Zukunft, voller technischer Bequemlichkeiten, globalen Einheit der Flexiblen und Leistungsfähigen.

Nur den Regeln unseres narzisstischen Selbstwertgefühls werden beide nicht entkommen. Das sind die eigentlichen Fakten, unabhängig von Zeit und Kultur. Narzissmus hat schon immer unser menschliches Handeln bestimmt. Er hat uns nach Fakten suchen lassen und nach Fake-News und beides für den eigenen Vorteil in Stellung gebracht. Also bleibt die Frage: Welche narzisstische Strategie ist die bessere?

Es ist die, die besser funktioniert, d.h. unser Zusammenleben auf dieser Erde zu mehr nachhaltigem Wohlgefühl führt. Und hier erst kann man Fake-News und ihre Vertreter angreifen: Nationale Werte haben nur Unglück, Leid und Zerstörung gebracht, immer.

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Schmähdandler

Gerade war ich mal wieder in Wien. Und da habe ich ein ganz wichtiges neues Wort gelernt:

„Schmähdandler.“ 

Schmähdandler kann man aus dem Österreichischen nicht direkt ins Deutsche übersetzen. „Dummschwätzer“ ist nur eine ungefähre Richtung. Ein Schmähdandler ist darüber hinaus aber noch eine Art Betrüger, der vorgibt mehr zu sein als er ist, also neu-global: Einer, der Fake-News verbreitet. Oder einer, der sehr bewusst testet, ob andere glauben, was er sagt und das dann zu seinem eigenen Vorteil ausbaut. Es ist auch einer, der schmierig schöne Frauen angräbt. „Schleimer“ aber wiederum würde es verharmlosen, denn es steckt mehr Vorsatz im Schmähdandler – der Schmähdandler hat also eine höhere Schuldfähigkeit als der Schleimer. Er will Anerkennung, aber verfolgt damit Machtbestrebungen. Also eigentlich jemand wie Donald Trump, nur ohne Atomwaffen. Jedenfalls hat man sich bisher nicht vorstellen können, dass ein Schmähdandler mal atomwaffen-gefährlich würde.

Besitzt der Schmähandler eine gewisse Intelligenz, in seinem Fall Bauern-Schläue, kann er es weit bringen. Schon manch ein Schmähdandler hat es zum Politiker gebracht – und zwar nicht über seine Leistung, sondern über seine gezielten Stammtischlügen und falschfreundlichen Manipulationen. Er ist die berühmte „Kollegen-Sau“, die bei der kleinsten Möglichkeit einen eigenen Vorteil wittert und dann, im Falle der Machtergreifung, nur Ja-Sager um sich scharrt.

Man kann ja sagen was man will: die Österreicher sind vielleicht sogar noch korrupter und rechter als wir Deutschen. Aber sie können es wenigstens benennen und das – bei aller Unappetitlichkeit – völlig ohne Fekalienwörter: Meister im Schmähdandeln eben. Und die Amerikaner haben meines Wissens immer noch kein Wort für ihren „Master of Schmähdandler.“

Aber immerhin haben die Amis jetzt auch schon weibliche Schmähdandler: Ivanka Trump (es lebe die Gleichberechtigung). Ein Modemäuschen, macht auf Geschäftsfrau, weil Dady ihr eine Modefirma gekauft hat und wird von der Kanzlerin eingeladen, damit diese an den Papa ran kommt.

Da kann man sehen, wie gefährlich es ist, wenn Schmähdandler an die Macht kommen. Man findet keine Worte mehr. Oder sind wir Menschen, mit unserer Moral und unseren Ansprüchen einfach nur noch ein Witz der Selbstwahrnehmung: Schmäh eben?!

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Umzug

Da ich spontan umziehe am Wochenende und die gewohnte Tiefe meiner Texte in irgendeinem Umzugskarton liegt, fällt der  Blog / das Blog diese Woche mal aus . Sobald alles ausgepackt ist, geht es weiter.

Liebe Grüße an meine Leser und besonders an die treuen….

K. Ohana

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Great again – great ever

Der Spiegel hat seit einiger Zeit eine interessante Kolumne. Sie heißt: „Früher war alles schlechter“ und beweist, wie oft wir uns mit unserem Gefühl täuschen, gegenüber den Fakten, den statistisch bewiesenen Zahlen.

Kürzlich wurde dort gezeigt, dass 81% der Trump Wähler davon ausgehen, dass das Leben in den USA vor 50 Jahren besser war. Das mag erstmal nicht erstaunen. Doch beim näheren Hinsehen zeigt sich dazu, dass nur 19% von Hillary Clinton Wähler das auch so sehen. Man kann an so einer statistischen Relevanz wirklich sehen: Trump Wähler sind Nostalgiker. Sie Glauben an den Satz: „Make Amerika great again.“

Doch was war denn „so geat“, in Amerika vor 50 Jahren? Der Vietnamkrieg tobte, Rassenkonflikte waren im vollen Gang, es gab mehr Selbstmorde, Drogentote, Kriminalität, Morde. Die Leute starben 9 Jahre eher, hatten weniger Bildung. Sogar die Armut und Arbeitslosigkeit waren größer, im guten alten Amerika der 60er und 70er Jahre.

Das Gehalt des Mittelstandes in den USA ist erst seit 2008 stagniert bzw. gesunken. Doch niemand möchte die USA von vor 10 Jahren zurück.

Nostalgiker scheinen ihr Gefühl vom „besseren Früher“ also nicht an diesen Zahlen fest zu machen, wahrscheinlich nicht mal in erster Linie an diesen Parametern. Wahrscheinlich trauen sie nicht falschen Kriminalitätsraten und Drogenkonsum hinter her, sondern einem Optimismus, Perspektiven, einem klaren Schwarz-Weiß (im direkten und im übertragenen Sinn). Sie trauern um selbstverständliche Rollenbildern und Wirtschaftswachstum.

Was macht die Demokraten-Wähler also so viel positiver, in ihrer Einstellung der Gegenwart bzw. Zukunft gegenüber? Die Technikgläubigkeit? Die Freiheit von alten Rollenbildern? Das wäre dann eigentlich Selbststärke (bei den Hillary-Wählern) gegen Un-Selbst-Ständigkeit (bei den Trump-Wählern).

„Wir müssen von psychischen Schalentieren zu psychischen Wirbeltieren werden“, hat der Hirnforscher Gerald Hüther gesagt. So sind es nicht Arbeit und Rollenmodelle, die Amerika „great again“ machen. Es ist psychische Reife und Selbstreife, gemessen in Eigenverantwortung, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit. Das lässt sich schwerer in Zahlen und nicht in Wirtschaftsdaten ermessen, sondern im nachhaltigen Wohlbefinden, tragenden Beziehungen, einem erfüllten Leben.

Demnach können Nostalgiker eigentlich nie in der Gegenwart ein großartiges Leben haben.

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Fake-Olds. Oder: BlaBla-Möhrchen


Wotan Wilke Möhring sagt im neuen Werbeheft von Red Bull, das aussieht wie eine Frauenzeitung für Männer: „Wer neugierig bleibt, führt ein erfülltes Leben“. Er macht Fallschirmspringen und hatte eine Begegnung in Mexico mit einer Giftschlage. Mehr Klischee geht nicht. Während die „toxische Männlichkeit“ diskutiert wird, die die Gleichberechtigung und unseren Planeten zerstört, feiert eine zuckersüße Limo weiterhin die „Allzweckwaffe“ Männlichkeit. Umringt von Fotos mit Motorädern, Rennautos und halbnackten jungen Frauen (alles Powerfrauen, natürlich, das braucht Mann von heute, denn der Sieg wächst mit der Kraft der Besiegten, der man doch immer noch zeigen kann, wo´s lang geht).

Hach ja, und dann reiht sich im Laufe des Interviews Floskel an Floskel, wie in den dämlichen Liedern des neuen deutschen Pop. „Von Gewohnheiten muss man manchmal Abschied nehmen; Chaos tut auch mal gut; neuen Dingen muss man offen begegnen; Sport stößt den Geist an und man kommt auf andere Gedanken; der Wert eines Menschen hat nichts mit seinem Äußeren zu tun; es kommt aufs Innenleben an; niemand hat das Recht zu sagen, wie man sein soll; etwas aus erster Hand zu erfahren, ist besser als Halbwahrheiten wieder zu kauen ….“(ach was!).

BlaBla ist lange schon- viel länger schon als Fake-News – zum Standard geworden; Marketing regiert die Wahrheit des Alltags. Wenn man alle diese Floskeln mal mit Inhalt, Handlungen füllen würde, wäre die Welt eine bessere. Doch so ist es nicht. Nicht nur im Politischen werden Worte nicht zu Taten, der Diskurs geht an der narzisstischen Verhaltens-Wirklichkeit völlig vorbei. Insofern ist das ganze Life-Styl-Gerede auch nur Fake, Fake-Olds um genau zu sein.

Wilke Möhring sagt nicht: O.K. Jungs, es kommt ein neuer Film mit mir raus und ich will natürlich, dass alle da rein gehen und deshalb erzähl ich mal, worum es da geht. Der Regisseur ist ein Arsch, hat aber Ahnung von Drehbüchern und es war der Horror mit Kollege xy zu drehen, das ist ein dämlicher Narziss, das kann ich z.B. mit folgender Szene belegen … so oder so ähnlich. Wahrscheinlich würden alle den Film sehen wollen, denn seltsamer Weise stehen viele Menschen auf Ehrlichkeit oder vielmehr nervt sie dieses ewige Lifstyle BlaBla.

Das gilt natürlich nicht, für Menschen, die gerne deutschen Pop hören, wo immer mit Pseudo-Tiefgang von irgendwelchen Horizonten gesungen wird, wo dahinter alles anders ist und endlich die Freiheit lauert. Doch wer das glaubt oder auch nur hört, ist alles, aber nicht frei. Denn Freiheit und LifeStyle BlaBla schließen sich aus: Das eine erträgt man nicht, wenn man weiß, dass Freiheit von täglichen unbequemen realen Handlungen abhängt und nicht von Utopien und Horizonten. Und darüber hinaus verfestigt LifeStyle Blabla nur die Fremdbestimmung. Wer sowas liest, hört und ernstnimmt (und warum sollte man es sonst lesen und hören, es sei denn man will sich mal wieder so richtig aufregen oder es gibt zwischen Berlin und Frankfurt einfach keinen anderen Radiosender), hat ein Problem. Es ist das Problem der westlichen Kultur, die ihr Leben an Pseudofreiheiten misst und glaubt die Politik ist schuld, das man nicht so leben kann, wie in den Magazinen.

Unser gesamtes Getwitter und Gefacebooke ist voll von diesem BlaBLa, Floskeln von der Suche nach Lebensinhalt, aber bitte nicht zu unbequem. Und wehe man konfrontiert die Menschen mit ihren Heile-Welt-LifeStyle-Lügen…. Wir sind ja alle so nett, lieb, lustig und wollen nette und interessante Leute treffen… Sehen Sie liebe Leser: Manchmal bin ich regelrecht froh um Donald Trump und seine Fake-News. Er erhöht den Druck, auf all diese BlaBlaler, mehr zu werden, als Klischees.

 

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Mittelalte Männer


Mittelalte Männer stehen im Zentrum unserer heutigen Probleme. Sie haben sich verzettelt, wollen Dinge, zu denen sie nicht fähig sind, die so nicht mehr funktionieren, die von der globalen Entwicklung nicht mehr gebraucht werden.

Einer von ihnen soll es nun richten, allerorts. Einer, der es geschafft hat, aus den Untiefen des Lebens als Sieger hervorzugehen. Schnell entsteht der Sog der Utopie: Jetzt wird alles viel viel besser, besser noch, als in der besseren Vergangenheit. Dieser Führer ist Macher und Seelsorger zugleich, einer, der die Sorgen und die Kränkungen ernst nimmt, von mittelalten Männern, und ihnen endlich wieder alles verschafft, wozu sie selbst nicht mehr oder noch nie in der Lage waren.

Müßig zu sagen, dass das nicht mehr geht, Utopien noch nie irgendeine Verwirklichung erfahren haben, solange es Menschen gibt. Müßig auch die Frage: Warum sollen mittelalte Männer, die ihr Leben lang ihre eigenen Schwächen auf dem Rücken ihrer Frauen und Kinder ausgetragen haben, irgendein Recht haben, „einfach so“, wieder ihr Ansehen zu bekommen, dass ihnen nur in den seltensten Fällen im Laufe der Geschichte, hätte zustehen dürfen. Wären Männer nicht mit ihrer Muskelkraft überlegen gewesen, hätte es nicht bis zur Erfindung der Maschinen gedauert, ihre Vorherrschaft anzugreifen und geltungslogisch in Frage zu stellen. Auch wie irgendjemand je denken konnte, Männer hätten ihre Emotionen besser im Griff, als Frauen, ist durch nichts in der Geschichte gerechtfertigt.

Zurück zu den mittelalten Männern heute. Es ist ja nicht so, dass sie nichts könnten, sie wissen nur nicht so genau, wie man es am besten einsetzt heute, was man daraus machen kann, ohne damit einfach immer nur weiter seine eigene Überlegenheit anzustreben. Sie sind auch rechte redefaul, teilen nicht mit, wie es ihnen geht, was sie sich fragen. Dagegen wird lieber ein Schuldiger benannt, der die Umsetzungen des eigenen Machtstrebens verhindert (Fremde, Frauen, Politiker).

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Den Satz kenne ich seltsamer Weise noch aus meiner Grundschulzeit. Er wurde laut (und natürlich ohne eigentliches Verständnis) über den Hof gebrüllt, im ein oder anderen Bandenkampf. Aber Selbsterkenntnis ist nicht das Ding der meisten mittelalten Männer. „Toxische Männlichkeit“ heißt dieses Verhalten und Denken neuerdings und es ist auf eine bestimmte Altersgruppe zentriert: Die Mittelalten.

Für Frauen meines Jahrgangs (also auch die Mittelalten) ging es, entgegen den Behauptungen in unserer Erziehung, nicht einfach nur nach oben. Ich kenne Frauen, die bereuen es, doch nur Kinder bekommen zu haben und jetzt einen Teilzeitjob zu machen, der sie nicht befriedigt. Weil die Kinder (als eigentlicher Lebensplan) sind zunehmend aus dem Haus und nie wurde ein brauchbarer Gedanken daran verschwendet, was man jetzt wohl die letzten 30 Jahre seines Leben machen könnte. Ich kenne auch Frauen, die haben keine Kinder und eine Karriere (mehr oder weniger) und Angst vor der Einsamkeit. Es gibt auch welche, die haben beides und vor lauter Kampf, bleibt keine Zeit für Identitätsprobleme. Keine von ihnen hofft auf einen starken politischen Führer, der alles gut macht. Sie haben eigentlich keine Vorstellung davon, wie sie „eigentlich richtig“ wäre, die Welt. Sie erwarten vielmehr oft von ihren Männern, dass die sich verändern, mehr engagieren für private Belange. Aber die Männer träumen eben – mehr oder weniger – von irgendeiner Utopie und glauben „das Land geht vor die Hunde“.

Und hier liegt, glaube ich, der Schlüssel: Das Private ist politisch, aber das politische auch privat. Warum finden es Männer nur so furchtbar und unmännlich und schwach, sich um ihre Frauen zu kümmern, in der Familie geliebt und gebraucht zu werden? Und Punkt. Hier werden täglich Helden gesucht. Warum ist es für Männer unerträglich, weniger zu verdienen, als ihre Frauen oder ihre Frauen das Einkommen heimbringen zu lassen? Und eigentlich: Warum werden Frauen, ihr Sein und Tun, ihre Identität, von mittelalten Männer immer noch soooo abgewertet?!

 

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Erdogan und die Milchkühe

Diese Woche hat Recep Erdogan holländische Milchkühe abgeschoben, heim in die EU. „Die erste Gruppe Holsteiner ist verladen und wird zurückgeschickt“, hat der türkische Verband der Viehproduzenten verlauten lassen.Vielleicht droht Erdogan demnächst: Noch eine Wahlverbot irgendwo in der EU und ich komme in den Hausflur des Europaparlaments und schrei Sau!

Infantiler Narzissmus nennt man das in der Psychologie, der Volksmund nennt es Kindereien. Doch selbst als Psychologin fragt man sich unwillkürlich: Will er die totale Macht über ein Volk von vorwiegend humorlosen Deppen?

Da hilft nur beinharte, existentielle Philosophie:

„Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen“, hat Karl Marx gesagt. Und der realexistierende Sozialismus hat es dann, leider und für alle Utopisten nicht nachhaltig genug, geltungslogisch bewiesen. Dabei wusste man um die Zeitlosigkeit unseres Narzissmus als Kernphänomen des Menschen seit der Aufklärung: „Das ganz Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“, brachte es Blaise Pascal auf den Punkt der uns möglichen wirklichen Wahrheit.

Albert Camus drückt es in der Moderne, jenseits zweier technisch hochgerüsteter Weltkriege, gleich zu Beginn seines Buches „Der Mythos des Sisyphos“ nicht viel positiver aus: „Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Sich entscheiden, ob das Leben es wert ist, gelebt zu werden oder nicht, heisst auf die Grundfrage der Philosophie antworten.“ Immerhin: Sisyphos ist für Camus trotzdem ein glücklicher Mensch, denn sein Schicksal gehört ihm. Er allein kann als Wissender seiner Existenz wählen, ob und wie und welchen Stein er rauf und runter rollen will – im Gewahrsein der Sinnlosigkeit seines narzisstischen Strebens.

In der Idee vom „letzten Menschen“ hatte dann Nietzsche beschrieben was folgt, wenn man den Glaubens an etwas Höheres als ewige narzisstische Utopie überwindet, das menschliche Leben in seiner Sinnlosigkeit lebt, wie es am friedlichsten und leidlosesten möglich ist. Er beschreibt eine Gesellschaft, „wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Mensch hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!“ Diese Welt ohne Spannungen ist die Welt der “letzten Menschen“: Sie wollen weder regieren noch gehorchen. Nur ein gelegentliches Zanken bei baldiger Versöhnung ist wahrzunehmen, denn „sonst verdirbt es den Magen“. Sie haben „ihr Lüstchen für den Tag und für die Nacht“, liegen in der Sonne und blinzeln und sagen: „Wir haben das Glück erfunden.“

Aber Milchkühe heim schicken geht natürlich auch.

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Umwelt-Donald

Diese Woche hatte ich eine seltsame Idee: Was, wenn Donald Trump eigentlich ein ganz Schlauer ist und nicht mal seine Anhänger haben das bisher bemerkt und seine eigentlichen Pläne zur Weltrettung durchschaut?!

Ausgangspunkt für diese Idee war die Abschlusserklärung des G 20 Gipfels diese Woche in Baden Baden. In ihr fehlt, das erste Mal in der Geschichte dieser Zusammenkünfte der führenden Wirtschaftsnationen, die gegenseitige Versicherung zum Freihandel und gegen Protektionismus. Eine Zeitenwende: Das erste Mal ein Schritt GEGEN eine fortschreitende Globalisierung.

Da dies, vertraut mach Fachleuten, gleichbedeutend ist mit mangelndem weiteren Wirtschaftswachstum und schwindender Produktivität, dem Verschwinden günstiger Produkte und somit der Minderung der Kaufkraft der Unterschichten, wird Donald Trump dadurch auf lange Sicht vielleicht der größte Umweltschützer aller industrieller Zeiten werden. Denn wenn die Menschen der USA sich weiterhin nicht mehr leisten können und das wenige dann noch durch die heimische Produktion immer teurer wird, werden zukünftig weniger Containerschiffe die Meere verseuchen, weniger CO2 und Gifte bei der Produktion von Billigprodukten in China entstehen. Die Menschen können sich weniger private Reisen und Flüge leisten. Und auch die Weltwirtschaft an sich wird massive Abstriche machen in den Bonuszahlungen und Flugmailen der Manager, ihren energieverschwendenden Arbeits- und Lebensweisen.

Selbst Unruhen können daran wenig ändern: Welche Alternative gibt es denn zum Populismus und zum Faschismus? In der Türkei hat jetzt schon die Qualität des Meeres zugenommen, weil 30% weniger Touristen kommen. Wahrscheinlich gilt das auch für die Luft, durch die weniger Touristenflieger fliegen usw. Doch: Was werden die Unterschichten, die Abgehängten wohl machen, wenn sie merken, dass selbst die Stammtischparolen und Ideen von ihrer besseren Welt, ihnen zu noch weniger Wohlstand verholfen haben? Das ist die entscheidende Frage. Wissen wütende und enttäuschte Menschen, dass sie auch immer noch mehr verlieren können, aufgrund ihres irrsinnigen Verhaltens? Fangen sie irgendwann an, sich in ihre perspektivloses stagnierendes Schicksal zu fügen? Nehmen die Mittelschichten hin, dass sie eigentlich nur dankbar sein können, nicht noch weiter abzurutschen? Wird sich die Bildungselite mit ihrem abgehobenen Diskus, ohne politische Folgen, begnügen, im Lesen von Büchern ihre Erfüllung finden?

Nach dem zweiten Weltkrieg war das der Fall: Die Menschen haben mühsam die Schäden ihres eigenen narzisstischen Größenwahns beseitigt und sich ein „kleines Glück“ zurück geholt, das aus wenig Luxus bestand und viel Familiensinn besaß. „America first“: Vielleicht meint das etwas ganz anderes, als wir alle bisher vermutet haben.

 

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Erdogan, Ritter der Kokosnuss

Es gibt in dem Film „Ritter der Kokosnuss“, von der britischen Komiker-Truppe „Monty Python“, eine Szene, die mir diese Wochen immer wieder in den Kopf kommt, wenn es um den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan geht.

Ein Ritter hat im Zweikampf verloren, ihm wurden beide Arme und beide Beine abgeschlagen, es ist nur noch sein Torso übrig. Und trotzdem schreit er immer noch seinem Gegner entgegen: „Nein, ich hab nicht verloren. Komm doch, komm doch Feigling, Du hast mich nicht besiegt“.

Was in dem ganzen Trubel um die Türkei letzte Woche nur eine Randnotiz war, zwischen all den Nazi-Vorwürfen und Vergeltungsdrohungen (die seit gestern auch die Niederlande betreffen): Die Türkei hat Deutschland gerade um Hilfe gebeten, weil der Tourismus am Boden liegt. Sie hat riesige Stände aufgebaut, auf der gerade laufenden Tourismusmesse in Berlin. Doch Deutsche haben nicht nur Angst vor Anschlägen in der Türkei, die Erdogan mit seiner Kurdenpolitik vermehrt hat. Sie lehnen ab in ein Land zu fahren, das die Demokratie mit Füßen tritt. Sie lehnen ab in ein Land zu fahren – und sei es auch noch so billig –, dessen Präsident die Deutschen als Faschisten beschimpft, wären er selbst gerade, wie aus dem Handbuch für Faschismus, sein Land in eine Diktatur wandelt. Ach was.

Auch Investoren ziehen ihr Geld ab, aufgrund der zunehmend unsicheren Lage. Und mittlerweile denkt sogar auch die EU darüber nach, ihre Beitrittszahnungen an die Türkei einzustellen. Na sowas.

Aber Erdogan schreit weiter. Und die Menschen, die ihn hierzulande wählen dürfen und die ihn in der Türkei wählen, halten das für „türkische Stärke“. Sie fühlen sich sonst als Menschen zweiter Klasse, als minderwertige Nation – besonders gegenüber den Deutschen. Und Erdogan vermittelt ihnen, dass sie die eigentlichen Sieger sind, die beste Nation, die es mit allen aufnimmt und jetzt können alle mal zittern, vor den Türken. So!

Das, was jedoch noch nie in der Geschichte der Menschheit geklappt hat, ist die bloße narzisstische Behauptung der eigenen Stärke, ohne dass das mit irgendeiner entsprechende Tat oder Handlung oder Verhalten begründet werden kann. Und was schon gar nicht klappt ist, ohne Hände und Bein weiter zu schreien: „Ich bin der Größte, ich werde Euch alle nieder machen, das wird noch Konsequenzen haben….“. Konsequenzen wird es sicher haben, denn kein Nationalgefühl verträgt einen leeren Geldbeutel. Gerade die, die von Behauptungen leben, mehr als vom guten Verhalten und Handeln, suchen dann ganz schnell einen Schuldigen.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt



Was den Menschen am meisten schmerzt ist Hoffnungslosigkeit. Nimmt man Menschen die Perspektive auf ein besseres Leben oder immerhin ein besseres Leben für ihre Kinder, ist es das Ende jeder Toleranz und der Beginn von Unruhen und Revolutionen. Kann man in religiösen Gesellschaften den Menschen immer noch ihr Leid als Weg ins Himmelreich verkaufen, ist der Kapitalismus davon abhängig, im hier und jetzt andauernden Wachstum und Fortschritt zu schaffen, ein besseres Morgen bereit zu stellen.

Gerade können wir sehen, was passiert wenn es für viele Menschen dieses „bessere Morgen“ nicht mehr gib. Der Boden für abstruse und unsinnige Versprechen der rechten Populisten und nationalistischer Größenwahngedanken ist die Hoffnungslosigkeit. Die Abgehängt glauben, in ihrer existentiellen Verzweiflung, jedem, der ihnen ein noch so verlogenes besseres Morgen verspricht.

Denn der Mensch hat sein Bewusstsein mit dem Wissen um sein Leben und Sterben bezahlt. Er ist dadurch zum Narzissten geworden, der immer einem besseren (Über-)Leben entgegen streben will, sei sie auch noch so irreal (Paradies mit fliegenden Hähnchen, Vollbeschäftigung im Rust-Belt der USA, 72 Jungfrauen, alte Größe durch EU-Austritt, Reform der Harz IV Reform gegen den Auseinanderfall der Gesellschaft).

Die Menschen, die rechte Populisten gewählt haben, denken nicht daran, dass es auch noch sehr viel schlechter werden kann.

Unsere Erde als Heimat für 7,5 und bald 10 Milliarden Menschen lässt das diesseitige Wachstum aber nicht mehr zu: Es wird kein Morgen mit noch mehr Wohlstand für alle geben. Es sind einfache Rechnungen die diese Wahrheit bestätigen. Kaum einer will sie hören, keine Regierung und Wirtschaftsverwaltung richtet sich danach. Denn einhergehend mit unserer Hoffnung auf ein besseres Morgen, verkraften wir keine Verlust (das hat der Nobelpreisträger Kahneman schon festgestellt, in seinem berühmten Buch „Langsames denken, schnelles Denken“).

Man kann das Dilemma nur auflösen, indem man Umweltschutz zur gemeinschaftlichen Perspektive macht, zum Nationalstolz und Fortschritt, an dem alle, in kommunalen Gruppen und darüber hinaus, als Gesellschafts-Wert Teil haben – völlig unabhängig davon, was der Rest der Welt macht. Der Widerstand eines kleinen gallischen Dorfes gegen die Weltmacht der Römer, ihr eigener Weg zu leben und die Dinge zu sehen, hat nicht um sonst seit Generationen Menschen begeistern können.

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Die Banalität des Mr. Bannon

Gestern habe ich einen Brief bekommen, der mich dazu aufrief, einen Antrag zum Bürgerentscheid zu unterstützen: Die Stadt München, von Feinstaub belastet, unterhält auf dem Stadtgebiet ein Kohlekraftwerk, das ca. 20% der Luftbelastung verursacht. Man könnte es 2020 abschalten und alles wäre besser. Die Initiative geht von einer Hand voll Menschen aus, die ihre demokratischen Rechte nutzen, viel Einsatz und Zeit bereitstellen, um etwas zu verbessern, in ihrer Lebenswelt. Es gab mir das Gefühl: Die Menschen wachen auf, sie tun etwas, sie engagieren sich und motzen nicht nur.

Dann habe ich das Radio angemacht und die neusten Bedenklichkeiten über Donald Trump und seinen Chefideologen Stephen Bannon gehört: Sie erklären die kritische Presse zu Lügnern, Schädlingen des amerikanischen Volkes und sperren sie von Informationsgesprächen in Weißen Haus aus. Es ist mir selbst als Psychologin unerklärlich, wie man die Wahrheit so behandeln kann. Ich glaube durchaus, dass Donald Trump so narzisstisch gestört und ungebildet ist, dass er seine Weltsicht für die Wahrheit hält, vergleichbar einem Stammtisch, der die Welt in eigener narzisstischer Weise deutet. Aber Mr. Bannon ist schlau. Will er nur die Macht oder glaubt er, (vergleichbar dem Philosophen Heidegger oder dem österreichischen Schriftsteller Doderer während der Nazizeit), dass es etwas Höheres gibt, eine Art „Reinheit des amerikanischen Way of Life“ oder Reinigung durch Revolution, die es auch mit schrecklichen Mitteln des Krieges zu erreichen gilt?

Ich glaube, man kann nicht leben, ohne an eine bestimmte Wahrheit zu glauben. Selbst wenn man nach Macht strebt, muss man daran glauben, diese eigene Macht wäre das Beste für alle. Man kann nicht glauben, das die Wahrheit etwas anderes ist, als das was man tut, sei es auch mit unlauteren Mitteln, um die eigene Wahrheit umzusetzen.

Insofern glauben Trump und sein Trupp, selbst Mr. Bannon, an ihre seltsamen Verzerrungen, an ihre Zukunftsvisionen. Und deshalb glauben sie wohl wirklich daran, dass eine Zeitung wie die New York Times oder CNN lügen und dem Volk schaden. Egal, wie viele Bürgerinitiativen es gibt und Engagement für Umwelt und Demokratie und Frieden und Gleichberechtigung: Dass es Menschen gibt, die an etwas glauben, wie „America first“ und alles, was das bedeutet, die Selbsterhebung einiger Menschen über den Rest der Welt und die Leugnung der Tatsachenwahrheit, die dieser Selbsterhöhung immer entgegen steht, ist schlimm. Gerade, dass es solche Menschen gibt, zeigt wie wenig wir für etwas Höheres taugen, irgendeine Überlegenheit besitzen oder erreichen können – selbst, wenn wir gegen Kohlekraftwerke kämpfen und unser Leben in den Dienst des Guten stellen.

Unsere Banalität können wir nur selbstkritisch akzeptieren, um dann das Beste daraus zu machen. Alles andere ist Schrecken.

 

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Neue Helden

Die US-Forscher Held und Hein konnten 1963 erstmals das sogenannte „Embodyment“ nachweisen: Die Einbindung jeder Hirnleistung in die körperliche Erfahrung. Dazu schnallten sie jungen Katzen (direkt nach Öffnung der Augen) auf Rollgeschirre. Während die eine Hälfte der Katzen sich bewegen konnte, wurden ihre Geschwister – unbeweglich in ihrem Teil vom Gestell- mitgezogen.

Nach ein paar Wochen befreiten die Forscher die herangewachsenen Katzen allgemein aus den Geschirren. Die gezogenen, passiven Katzen, hatten zwar die gleiche Welt gesehen, wie ihre aktiven, laufenden Geschwister. Doch taumelten sie umher, stießen gegen Gegenstände und maunzten ängstlich: Sie hatten die Welt bisher nur sehend – und nicht körperlich – erfahren und waren daher lebensuntüchtig. Die bei Jungtieren typische Neugierde war einer Ängstlichkeit gewichen.

Und: Die beiden Hirnforscher fanden später bei der Obduktion der passiven Katzen ebenfalls anders ausgebildete Gehirne, als bei ihren Geschwistern, die Laufen gelernt hatten. Die motorischen Zentren waren deutlich unterentwickelt.  

Ist dieses Experiment auch zweifellos grausam, hat es doch deutlich gezeigt: Hirn und Erfahrung sind nicht zu trennen, bilden sich –existentiell – gegenseitig aus. Unsere Weltwahrnehmung der Welt, unsere Bewertungen und Reaktionen sind – existentiell und maßgeblich – von der körperlichen und sozialen Erfahrung bestimmt. 

Welche Erfahrungen müssen wir heute machen, um – befreit von Geschirren aus Wohlstand und bräsiger Sicherheit – unsere Ängstlichkeit abzulegen? Wie können wir neu laufen lernen, denken und wahrnehmen lernen? Sicher ist dabei: Wir müssen das selbst tun, denn jeder von uns hat ein Leben, in einem Körper, das nur er selbst neuen Erfahrungen aussetzen kann, um etwas zu verändern.

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Kampf um Humanität

Als ich in der Schule war, haben die Lehrpläne – typisch für meine Generation – jedes Jahr wieder irgendeine Abhandlung der Nazizeit vorgeschrieben. Wie kam es zur Nazi-Macht? Was heben die anderen Länder gemacht? Und vor allem: Der Holocaust. Als müsste gerade meine Generation, bestimmt durch unsere 68er Eltern und ihren Umgang mit der Schuld ihrer Eltern, ein für alle Mal die totale Abschreckung implementiert bekommen, um sie „für immer“ weiter zu geben, quasi genetisch einzuspeichern. Wie wir heute wissen, ist das nicht gelungen.

Die Schrecken der anderen Kriege wurden dagegen im Geschichtsunterricht rationalisiert, als typische Erscheinungen der Welt dargestellt, verschuldet von der „Institution Zeit“. Die KZs waren dagegen hochemotionale Abgründe des Menschseins, schienen mit dem Krieg an sich, dem logischen Elend der Schützengräben, nicht viel zu tun zu haben. Es schien so, als wäre Hitler eigentlich ein ganz normaler Mann und Staatsführer gewesen, wie der alte Fritz oder Wilhelm II – wenn da nicht die KZs gewesen wären.

Und so kam in mir die Frage auf: Warum haben sie es nicht geschafft, meine Großeltern und ihre Generation, diesen Mann zu erschießen? Warum haben sie nicht auf die Humanität verzichtet, bei diesem einen Mann, um die Humanität für so viele zu sichern – also die Humanität jenseits der logischen Kriege?

Dürfen die humanistischen Werte nur mit dem Diskus verteidigt werden (und Kriege gibt es sowieso)? Sind sie nicht deshalb immer irgendwie im Hintertreffen, bis der Hass und Narzissmus sich mal wieder so exorbitant ausgetobt haben, dass man sich wieder auf sein Bisschen Humanität besinnen kann, besinnen muss, bis dann der nächste Krieg wieder losbricht?! Ist die ganze Humanität ein einziges: „Hach ja so ist der Mensch eben“ – außer natürlich bei den KZs?

Ab wann war klar, dass Hitler Hitler war – und eben nicht irgendein anderer Kriegstreiber, wie sie die Geschichte hundertfach hervor gebracht hat, trotz all ihrem Bemühen um Humanität? Wie lange muss man den Versuch walten lassen, dass sich jemand selbst diskreditiert, die Humanität „einfach so“ doch mal siegt, statt neuer Kriegstreiberei? Muss man nicht – nach all der Erfahrung mit dem Menschen in der Geschichte – auch für die Humanität mit unhumanen Mitteln kämpfen dürfen, das aufziehende Unheil stoppen dürfen – zumal seine Folgen immer dieselben waren, wissenschaftlich somit gesichert sind?

Der Hitler Attentäter Georg Elser wusste anhand der Juden-Dekrete sehr früh, was Sache war, dass Menschen aus seinem direkten Umfeld nicht mehr als Menschen gelten sollten, dass sie entwertet, entrechtet und gedemütigt wurden, obwohl sie gerade noch die ganz normalen Nachbaren waren.

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