Achtsamkeit

Eine Freundin, eine Mutter, stellte bei einem Abendessen die Frage nach der Selbstliebe. Es war eigentlich die Frage danach, wie weit man selbst ein schönes Leben haben könne, ohne schuldig zu werden, an der Zukunft des eigenen Kindes bzw. aller Kinder. Es ist wahrscheinlich die entscheidende Frage unserer Zeit. Und es gibt keine Lösung für das Problem.

Es war interessant, wie die anwesenden Männer das Thema aufgriffen. Sie waren alle philosophisch interessiert und um die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Leben bemüht. „Im Einklang mit sich und der Natur sein, Bewusstheit, Achtsamkeit üben“, waren ihre Lösungen auf den Konflikt, irgendwo zwischen eigenem wirtschaftlichem Erfolg und Schuld an der Zukunft der nachfolgenden Generationen. Steckte in dieser Antwort aber nicht immer noch so viel Wichtigkeit, Gewese um das eigene Ich? Können wir mit „Umdenken“ oder „tiefer Fühlen“ schon genug ändern?

Wir haben gerade drei wichtige Wahlen erlebt, in Bayern, Hessen und den USA! Ein wenig mehr (grünes) Bewusstsein war darin zu merken. Doch eigentlich wird sich nichts ändern. Alle hofften irgendwie auf eine Sensation, weil viele wissen, dass die eigene Selbstliebe bereits viel zu viel Schuld an der Welt angehäuft hat. Und gleichzeitig sind nun auch alle froh, dass es sie noch nicht trifft, mit der Bezahlung ihrer Schuld. Wir hoffen alle darauf, dass ein Wunder geschieht, wir weiter billig fliegen und billig Auto fahren können, Fleisch essen und unser Leben, wie bisher, weiter gestalten können. Und gleichzeitig wissen wir (die einen mehr, die anderen weniger), dass wir uns damit viel zu wichtig nehmen, dass das nicht gehen wird. Ein E-Auto oder eine neue, effiziente Heizung spiegeln letztlich die eigene Wichtigkeit in der Selbstentschuldung wieder, als wäre die Achtsamkeit doch noch eine mögliche Lösung.

In Frankreich sind gestern die Menschen auf die Straße gegangen, gegen erhöhte Benzinpreise, die Macron durchsetzen will, gegen die Klimaerwärmung, für einen sparsameren Umgang mit den Ressourcen. Bei uns wären die Proteste wohl nicht anders. Anscheinend denken wir immer noch, wir haben ein Recht auf unser wichtiges, uneingeschränktes Leben und der Umweltschutz fängt wo anders an, bei unseren Kinder – und wir kämen mit ein bisschen Achtsamkeit davon.

 

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