arm-selig

Diese Woche war Welt-Frauentag. Dazu wurden in verschiedenen Sendungen zahlreiche Bloggerinnen und Schriftstellerinnen befragt. Artig sagten sie alle ihr politisch-korrektes Sprüchlein auf. „Mehr miteinander reden, mehr Respekt für die andere Seite etc.“ Dabei waren sie alle originell gekleidet, hatten individuelle Frisuren und/oder ein extravagantes Make-up. Der ganze Eindruck war: Hallo, ich bin voll emanzipiert und lasse mich nicht (mehr) in irgendeine (patriarchale, kapitale) Schublade stecken. In seiner Gleichförmigkeit wirkte das Ganze wie ein einziges großes Schauspiel über angeblich unabhängige Weiblichkeit.

Mal davon abgesehen, dass ich keinem, der viel über ein Thema redet, glaube, dass er oder sie es für sich gelöst hat und eine wirkliche Antwort gefunden hat, finde ich diese Dauerdarstellung des politisch-korrekten Kampfes um Gleichberechtigung lächerlich. Nach meiner Erfahrung denken wirklich gleichberechtigt lebende Frauen nicht mehr über das Thema nach. Das zeugt, für mich als Psychologin, nur von Unsicherheit, teilweise bis in die Hysterie, gepaart mit einer Art passiv-aggressiver, dauertrotziger, zickiger Einforderung: Los, gebt uns alles endlich zur Hälfte ab!

Es wäre etwas anderes, wenn, wie in vielen Ländern immer noch, die Rechtssituation eine nicht-gleichberechtigte wäre. Dort kann man gar nicht laut und hysterisch genug schreien und alles machen, um mit dem Gegner zu streiten. Doch bei uns bestimmt eher der gelebte Alltag die wirkliche Entwicklung des Themas.

Oder, um es anders zu sagen: Wenn ich eine Abwertung erfahre und wenn es nur eine flapsige Bemerkung ist oder ein dummes Kompliment, gibt’s ne saftige Erwiderung. Wenn, wie lange nicht mehr geschehen, jemand sogar übergriffig wird, gibt´s saftig was hinter die Ohren (und zwar nicht im übertragenen Sinn). Wenn ich nicht so bezahlt würde, wie ich das will, gibt´s ne höfliche, aber bestimmte Nachfrage. Ansonsten meide ich schwache Männer, genauso wie schwache Frauen. Das gelingt mir berufsbedingt schnell und gut. Und dazu muss ich mir keine „witzig-emanzipierte“ Ponny-Frisur schneiden oder knallroten Lippenstift auftragen und ständig über das „Frau-Sein“ philosophieren oder über Weiblichkeit. Was soll das sein? Ich kennen nur starke oder schwache, selbstgerechte, arm-selige oder gute Menschen. Auch das im wahrsten Sinne der Wörter.

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