Auschwitz liegt mitten in Europa

Diese Woche habe ich mit einem iranischen Freund und einer österreichischen Freundin Ausschwitz und Birkenau besucht. Der Freund hat selbst lange Zeit in seinem Heimatland im Gefängnis gesessen.

Am Ende der 6 stündigen Führung meinte der Freund, dass es erstaunlich ist, wie zeitlos und global und identisch die Mittel der Folter und Entwürdigung sind. Die Gaskammern und die im Raum nebenan stehenden, eigens in Erfurt entwickelten Öfen zur Verbrennung von 1500 Leichen am Tag, sind allerdings einzigartig.

Von den 1,1 Millionen Toten von Ausschwitz sind 900 000 nie im Lager registriert worden, da sie entweder schon tot in den Zügen ankamen oder direkt in die Gaskammern geschickt wurden.

Die bräsigen, feisten, breitbeinig dastehenden Körper und Gesichter der Nazis auf den Fotos, im Gegensatz zu den gekrümmten Körpern und eingefallen Gesichtern der Gefangenen, schienen unmenschlich. Die hektargroße Ausdehnung des Geländes, Baracken und vielen Gaskammern und die Auslade-Rampe bis zum Horizont, ist nicht zu erfassen. Man denkt: Die Massenlatrinen und Massenstockbetten können nicht sein.

Ausschwitz wurde als Standtort gewählt, weil es genau in der Mitte lag, vom Machtgebiet der rechtsradikalen Weltvorstellung und man dort am besten den größten Massenmord und Friedhof der Menschheit verstecken konnte. Die Asche aus den Erfurter Leichen-Brennöfen wurde auf den umliegenden Feldern verteilt. Bauern finden heute beim Pflügen ständig Knochenteile.

Was mich aber am meisten schockiert hat, war das riesige Werbeplakat, direkt an der Ausfahrt von Ausschwitz, für die rechtsextreme Kandidatin der PIS – Partei für die Europawahl, die ehemalige Ministerpräsidentin von Polen.

Wir saßen mit Franzosen im Taxi zurück nach Krakau, 5 verschiedene Nationalitäten (inklusive des polnischen Fahrers) und unterhielten uns darüber, wie jung und global und wunderschön restauriert Krakau ist. Wir wünschten uns zum Abschied alle Glück für die Wahl.

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