Christliches Corona

Wenn die Coronakrise jetzt schon, zu Ostern, etwas deutlich macht, dann ist es die Zweiteilung unserer westlichen, angeblich humanistischen-christlichen Gesellschaften. Das marode Gesundheitssystem in vielen Staaten weist darauf hin, dass unser vielgepriesener medizinischer und technischer Fortschritt, die Errungenschaften der Aufklärung und des wachsenden Wohlstandes, nur für die begabten, gebildeten Leistungsträger gilt. Wie im Zeitraffer wird deutlich, dass nur noch die Gewollten, Gewünschten, mit ihren kapitalen Fähigkeiten, die Früchte der Aufklärung genießen werden. Und diese Tatsache wird unsere Zukunft bestimmen.

Unsere christlichen Werte, die Fleiß und Strebsamkeit als gottgefällig etabliert haben, glaubten an die Trennung unseres höheren Verstandes von den niederen narzisstischen Trieben, die es zu beherrschen und erforschen gilt. Wir haben in den 90er Jahren das Ende der Geschichte ausgerufen, im Glauben daran, dass unser Verstand, unser technischer Fortschritt nun bald allen Menschen Wohlstand, Freiheit, Frieden und medizinische Versorgung bringen wird.

Arme, Ungebildete, Übergewichtige haben heute scheinbar mit ihrem Verstand nicht gottgefällig genug ihre Triebe beherrscht. Wären sie da mal lieber fleißiger gewesen und hätten sich mit den angeblichen unbegrenzten Möglichkeiten der Bildung besser selbstoptimiert! Sie sind demnach an ihrem Zustand selbst Schuld und haben auch keine Beatmungsmaschinen verdient, die ihre minderwertigen Leben retten. Sie werden als Entwertete gerade von einem Virus aussortiert, der einen kruden Biologismus mit protestantisch-christlichen Wertvorstellungen vereint.

Deutlicher kann es kaum werden, dass das Ende der Aufklärung erreicht ist. Unsere metaphysische Selbsterhöhung als Verstandeswesen und die Fortschrittsidee ist hinfällig. Wir sind so unmoralisch in unserem Wohlstands-Streben und unserer Bildungsbürger-Selbstgerechtigkeit, wie wir als Menschen und Lebewesen immer waren. Sich auszurechen, wie es weiter geht, in zunehmend zerstörten Lebensregionen, mit einer immensen Überbevölkerung und wachsenden Verteilungskriegen, aufgrund unseres technischen Fortschritts, der immer mehr Ressourcen verbraucht, ist nicht schwer.

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