Das innere Kind will Klopapier

Wenn kleine Kinder anfangen die Welt für sich zu entdecken, entsteht durch diese ersten Erfahrungen der selbständigen Bewegungen in der Welt, auch nach und nach das eigene Selbst. Gleichzeitig benötigen sie noch eine intensive Interaktion mit den Bezugspersonen, um die Regeln und Gefahren zu lernen, sich weiterhin geborgen und gebunden zu fühlen: Unser individuelles „Ich will“ (auch Narzissmus genannt), muss sozialisiert werden, heranreifen, ein reifer sozialer Narzissmus werden: Wer Ich sein will, muss sozialisiert werden, um in der Gruppe und ihren Regeln überleben zu können.

Es gibt dabei einen entscheidenden Schritt: Wenn das Kind erstmals merkt, es selbst hat auch Macht, es kann seinen Eltern etwas geben oder ihnen diese Gabe verweigern. Das reicht vom Kochlöffel, Spielzeug, bis zum „Mitmachen“ bei der Körperpflege. Sigmund Freud hat das die „anale Phase“ genannt, weil gerade auf dem Töpfchen wir erstmals für unser eigenständiges Mitspielen nach sozialen Regeln gelobt werden – oder unseren Eltern genervte Reaktionen entlocken, sie also ziemlich ärgern können, wenn wir nicht (mit)machen.

Als Erwachsene zeigt sich bei Stress und existentiellen Notständen ein Rückfall in diese kindlichen Verhaltensweisen und Gefühlswelten (eine sogenannte Regression). Das innere Kind trotzt gegen die Regeln, gerade weil es wieder machtlos ist. Es verhält sich nicht erwachsen und weitsichtig, sondern kann nur sich und seinen Willen in der Ohnmacht und Verunsicherung sehen – also ein typisches Verhalten der analen Entwicklungs-Phase. Das gehamsterte Klopapier ist daher sinnbildlich. Diese „Verkindlichung“ unseres Verhaltens ist eine typische unreife Verhaltensweise. Das „innere Kind“ will Klopapier kaufen, um dadurch auf einfachstem Weg wieder sich selbst minimale Eigenständigkeit und Macht zu verschaffen, in einer ohnmächtigen, verängstigenden Situation (ohne Vertrauen auf „gute Erwachsene“, eine stabile Versorgung des eigenen Körpers).

Diese Bruchstellen unseres Selbst, die unreifen Teile unseres Charakters, treten immer in Extremsituationen hervor. Herr Söder nennt Corona deshalb auch „Charaktertest“ – wobei man ihn darauf hinweisen sollte, dass das auch für Politiker gilt, die versuchen, Zustimmungswerte in Krisenzeiten zu hamstern, indem sie ständig „vorrangehen“ wollen, um den starken Mann zu markieren….

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