Eigenverantwortung und Integration

Neulich erklärte mir jemand, dass Menschen, also alle Menschen, die im Leben versagen, letztlich selbst schuld daran sind, egal, was das Schicksal ihnen auch zugemutet hat. Man kann aus allen Voraussetzungen etwas machen. Der Grund des Scheiterns ist: Mangelnde Eigenverantwortung.

Als Psychologin habe ich mich lange mit dem Thema Willensfreiheit auseinandergesetzt. Letztlich ist hier die Frage entscheidend: Warum schaffen es einige willensstark ihr Schicksal zu wenden – und so viele nicht? Den größten Anteil an der Antwort auf diese Frage findet man in der Kindheit: Hier treffen Veranlagung und Erziehung aufeinander und bei einer 50% zu 50% Verteilung ist alles möglich. Wir können aus unseren Anlagen mit guter Erziehung 100% herausholen oder 0%. Die ersten Lebensjahre sind entscheidend, in Form des sozialen Umfeldes, mit hoffentlich liebevoller, fördernder Erziehung. Das gilt für alle Menschen. Und nur an dieser Stelle können wir Gerechtigkeit herstellen, hier können wir als Wissende die Stellschrauben gezielt verändern – und haben es auch seit Jahrhunderten schon getan.

Was wird aber aus denen, die trotzdem nicht die Kurve bekommen? Was wird aus all den Menschen, die zu uns kommen wollen, weil sie hier die besseren Chancen sehen – aber nichts dafür tun? Was wird aus denen, die gekommen sind und sich anpassen würden, an unsere Kultur – und keine Chance dazu bekommen? Sie stehen im Moment so sehr im Mittelpunkt der Diskussion, dass alle die, die bereits bestens integriert sind (oder auf dem Weg dahin) völlig an den Rand gedrängt werden. Es sind Menschen, die unsere Kultur und Sozialsysteme bereichern und von denen sehr wenig berichtet wird. Fragt man sie, loben sie meist bestimmte Menschen in ihrem Leben, ihre Eltern, bestimmte Lehrer und Förderer, die ihnen eine Chance mitgegeben haben, die sie selbst zu nutzen wussten, gerade auch als Flüchtlinge. Und: Sie fühlen sich bedroht, von all den Menschen, die zufällig die selbe Hautfarbe oder Herkunft haben, bei uns im Elend hocken und sich schlecht benehmen, keine Eigenverantwortung übernehmen, kein Deutsch lernen. Und davon gibt es auch zahlreiche Deutsche.

„Man kann nicht alle retten“, heißt es gerade wieder und das ist wahr. Doch man kann die guten eigenverantwortlichen Menschen von den unwilligen unterscheiden und benennen – und das auch in unserem Land. Es ist eine Sache, nach gerechteren Löhnen zu rufen, gegen eine Ausbeuterindustrie zu kämpfen (von der Post bis zur Fluggesellschaft). Und es eine andere Sache, nach mehr finanzieller Hilfe vom Staat zu rufen. Es ist eine Sache, nach Europa einwandern zu wollen, weil man hier angeblich schnell reich werden kann oder eine soziale Hängematte vorfindet, ohne dann jede weitere Anstrengung der Integration zu unternehmen. Und es ist eine andere Sache, sich schon im Heimatkontinent um Möglichkeiten gekümmert zu haben. So haben viele Flüchtlinge aus Afrika das Geld für die Schleuser in Afrika verdient. Und statt davon in Afrika eine Ausbildung zu bezahlen oder ihrer Familie ein Haus zu kaufen (was ebenfalls 4000-6000 Euro kostet), soll der noch größere aber unrealistische Traum von Europa wahr werden (weil die Familie das so will und immer jemand im Dorf wohnt, der das angeblich geschafft hat). Auch hier werden all die Menschen, die in Afrika bleiben und dort in den großen Städten ihre Chancen nutzen, Wohlstand aufbauen, wenig beachtet.

Das einzige, was wir machen können, um auf dieser globalisierten Welt mehr Gerechtigkeit zu schaffen, liegt im Bereich der Jugend und ihrer Prägung. Europa müsste Schulen und Universitäten in Afrika bauen, um dort mehr Chancen zu schaffen. Wir müssten bei uns eine Kindergartenpflicht ab dem zweiten Lebensjahr einführen, um Vernachlässigung, aber auch Überprotektion von Kindern in mehr Chancengleichheit zu verwandeln (die narzisstischen Auffälligkeiten bei Kindern liegen aktuell bei 34%). Wir müssten bei uns jeden, der nach einem Jahr kein Deutschexamen auf dem Niveau von A III besteht, ausweisen, um den willigen Rest besser zu integrieren. Und Ländern, die ihre Leute nicht zurücknehmen, sollte die EU die Konten der Eliten sperren oder deren Nachwuchs von teuren westlichen Universitäten werfen.

Ich glaube nicht, dass es „einfach so“ Arme und Reiche, glückliche und unglückliche Schicksale auf der Welt gibt – mir san mir, basta. Wir haben ein paar Stellschrauben, wir haben die Willensfreiheit als Wissende, um die Willensfreiheit der Menschen zu erweitern. Vielleicht sollten wir mal darüber reden – und nicht über ein paar Hansel, die an einer Grenze zurückgewiesen werden. Ganze Ethnien oder Völker in Lagern und Wüsten zu quälen oder sterben zu lassen, trennt weiterhin nicht die guten von den schlechten Menschen.

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