Ich ist kein anderer

Unser Ich besteht aus unseren sozialen Erfahrungen. Es hat keinen Kern, den man, verschüttet ganz tief unten als eigentliches Ich finden könnte (wie zahlreiche Werbesprüche und Küchenpsychologen uns weis machen wollen: Werde Du selbst, Du entscheidest, werde der Du bist etc.) Unser Ich kann nur mit neuen Erfahrungen verändert werden, die positiv, gesund, sozial-selbstwertstärkend sind. Sie müssen die bisherigen, schlechten sozialen Erfahrungen in der sozialen Gruppe, der Familie, Gesellschaft, die Abwertung unsers Daseins überschreiben. Das dauert. 

Das einzige, was also hilft, Menschen zu verändern, sind korrigierende soziale Erfahrungen: Konkrete Handlungen, Erlebnisse, durch die Menschen sich nicht länger abgewertet, sondern gewollt fühlen. Genau das bieten die Rechten für all die Looser des Kapitalismus und Ungewollten an, für all die Enttäuschten, die ihren Wert nirgendwo in der Realität bestätigt finden. Niemand sonst will diese Menschen, gibt ihnen das Gefühl der Teilhabe und eine Perspektive: Nur die AfD und anderen rechten Gruppierungen kümmern sich um diese Entwerteten. 

Die Politik jenseits der Rechtsparteien hat keine Antwort. 

Was will man mit Menschen machen, die im kapitalistischen System keiner mehr braucht, deren mangelnde Bildung nur den Sozialstaat belastet. Und diese Entwertung betrifft bald die ganze unter Hälfte der Bevölkerung – 50% – deren Perspektiven schwinden, die gerne mehr hätten und weniger bekommen, enttäuscht und entwertet sind, vom wachsenden Wohlstand der oberen 50%, der ohne sie stattfindet. Mit den „Ausländern“ hetzen viele ihre eigene Wertlosigkeit durch die Stadt Chemnitz, in einem System, das auf ihre Wünsche und Sehnsüchte keine korrigierende Erfahrung der Aufwertung mehr anbieten wird – im Gegensatz zu den Rechten.

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