#Menot (reloaded)

Gerade hat wieder eines der letzten erfolgreichen TV-Events angefangen, dass über Wochen das gute alte Fernsehen mit dem Internet versöhnt, hier wie dort für ehebliche Zuschauerzahlen sorgt: GNTM. Deutschlands nächstes (angebliches) Top-Model wird gesucht, von unserem bekanntesten Model, das selbst nie Top-Modell war, nie für einen der großen Designer gelaufen ist (was die zweifelhafte Qualifikation für ein echtes Top-Model ist), sondern als Bademoden- und Unterwäschen-Modell Karriere gemacht hat.

Als würde es die gerade laufende #Metoo Kampagne nicht geben, werden also junge Mädchen, zum Teil noch nicht mal volljährig, zum Beispiel vollkommen nackt, vor einem vielfach männlichen Fototeam, sich sexy räkelnd, am Strand gezeigt. Sie werden gedemütigt und reduziert auf ihren Körper und ihren entspannten oder lüsternen Gesichtsausdruck. Und die Teilnehmerinnen und jungen Zuschauerinnen machen alle begeistert mit, lassen sich von Industrie, zweifelhaften Juroren und Mitbewerberinnen auf das reduzieren, was allüberall gerade als einseitiges Frauenbild angeklagt wird: Körperformen und deren Präsentation.

Der berühmte französische Soziologe, Pierre Bourdieu, nannte diese Mitttäterschaft der Opfer: symbolische Gewalt. Die Mädchen und Frauen unserer Gesellschaften praktizieren, worunter sie selbst leiden. Bei jungen Mädchen kommt das daher, dass sie sich (wie junge Männer auch) an den „Leaderinnen“ ihrer Kultur orientieren, an den vielbewunderten hochgestellten Figuren. Und das sind und bleiben seit Jahrzehnten: Models, also Frauen die nichts können müssen – außer gut auszusehen. Sie müssen bei Männern ankommen, die die eigentliche Macht haben und wenn sie damit besonders erfolgreich sind, dann dürfen sie Heidi Klum sein.

Es gibt bei der Show einen Modelvertrag zu gewinnen und ein kleines buntes Cabriolet – nicht etwa ein Stipendium, für eine gute Uni oder ein Gründerinnenkredit, für eine eigne Fima (in den nächsten 10 Jahren abrufbar). Nein, das Spiel des Präsentierens, des ohnmächtigen Sich-Zeigens, Bewundertwerdens, soll weitergeht. Die Industrie und somit die mächtigen Männer, haben ein großes Interesse, an diesen ohnmächtigen Weibchen, die glauben, Schönheit würde ihr Leben glücklich machen. Und wenn sie begrapscht werden: Hey, das gehört dazu…wer sexy ist und sein will darf sich da nicht wundern.

Was würde wohl passieren, wenn alle Kleider und Artikel zukünftig von perfekten Roboterfrauen vorgeführt werden? Im Silicon Valley gibt es schon eine Firma, die diese perfekten Puppen produziert, als Sexpuppen. Man stelle sich vor, keine Frau müsste sich mehr nur über ihr Äußeres Anerkennung verschaffen, müsste sich nicht mehr demütigen lassen. Der Protest dagegen wäre wohl noch größer, als die #Metoo-Proteste.

 

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