Mir san mir – summe was da will

Wir Bayern scheinen nach dem Seehofer-Scheuer-Desastern jüngster Zeit rehabilitiert: 1 Millionen Menschen haben bei uns für die Bienen und gegen die CSU und die sie wählenden, bräsigen Bauern gestimmt! (Ich auch.)

Auch wenn man sich wirklich diebisch freuen kann, wie der Herr Söder jetzt unter Druck gerät, hat der Bauernverband direkt zurückgeschlagen – und gleich die empfindlichste Stelle des Wohlstandbürgers getroffen: Das Portemonnaie. Denn es wurde direkt darauf verwiesen: Wer eine öko-konforme Landwirtschaftsreform haben will, wird dafür selbst zahlen müssen, über die steigenden Lebensmittelpreise.

Deshalb wäre es wohl wahrhaftiger gewesen, wenn man nicht nur für mehr Artenvielfalt unterschrieben hätte, sondern auch gleich sein Einverständnis damit abgegeben hätte, einen höheren Anteil seines Einkommens für gesunde Lebensmittel auszugeben. Wahlweise hätte man auch ankreuzen können, worauf man dafür konkret bereit ist zu verzichten (sinnvollerweise): Einen Billigflug im Jahr, 20 Billigkleidungsstücke, 500 km mit dem eigenen Auto. Auch könnte man nur noch 1x die Woche Fleisch essen. All das wäre quasi eine Win-Win-Situation für die Bienen – und für uns alle, auch die Bauern. Denn die werden ja auch auf diesem Planeten Bauern bleiben müssen (auf dem Mars Bauer zu sein, stelle ich mir sehr eintönig vor).

Das seltsame ist ja: Es gibt keine Alternative zu diesem Weg. Da wirkt der Vorwurf von Herrn Söder: Der Bürgerentscheid wäre an vielen Stellen realitätsfremd, eben genau so: realitätsfremd.

Ich erinnere mich an ein Wahlplakat aus den 80er Jahren: Darauf war eine Blumenwiese zu sehen und drunter stand: „Viele Blumen, aber kein Strauss!“. Das war von der SPD und gegen Joseph Strauss als Bundeskanzler gerichtet. Heute haben wir hier nicht mehr viele Blumen. Dafür einen Söder und Scheuer. Und die ignorieren die Realität, dass Blumen und schnelle, dicke Autos, gesunde Natur und Massenlandwirtschaft nicht beides zu haben ist. „Mir san mir“ ist die infantil-narzisstische Voraussetzung für den Exodus – nicht nur in Bayern (auch wenn wir das, im Gegensatz zu den USA oder England, schon immer so gemacht haben).

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