Mutti und Vati

„Die Migration ist die Mutter aller Probleme“, hat Horst Seehofer gesagt. Das stimmt nicht, weder psychologisch noch politisch (was eigentlich das Selbe ist). Die Mutter aller Probleme ist unser Narzissmus, in seiner unreifen Form: Seinem kindlichen Geltungsdrang, seiner Angst vor Entwertung und Mittelmäßigkeit. Insofern ist der unreife Narzissmus, was das Thema Migration angeht, besonders männlich. Es kommen mehr männliche Migranten nach Deutschland, und auf den Straßen von Chemnitz sieht man auch fast nur Männer, die mit Hitlergruß herumlaufen. Die diskreditierten „Kopftuchmädchen“ oder NSU Mädchen stehen eher als Zuschauer daneben oder behaupten, nur daneben gestanden zu haben (wie Frau Zschäpe).

Die Väter aller Probleme heißen daher heute auch: Trump, Putin, Erdogan, Orban und eben auch Seehofer. Es sind alte, infantil-narzisstische, unreife „Haudrauf-Rollenbilder“, die sie und ihre Anhänger/Wähler verkörpern. Und wie sich in der #Metoo-Debatte gezeigt hat, leiden auch viele Männer selbst unter diesen Menschen und ihrer Art, andere als minderwertig zu behandeln. Dazu gehören wiederum auch viele Männer, die keine Migranten sind, sondern als Staatsbürger herabgewürdigt werden, vom Machtwahn und Dominanzverhalten dieser Dominanz-Männer (und sehr weniger Frauen).

Im echten Leben hat ja ein Wandel von Familienstrukturen stattgefunden (vielleicht hat Horst Seehofer das noch nicht mitbekommen oder er fühlt sich in seinem Wertedenken gerade davon unter Druck gesetzt….). Familie entwickelt sich weg von der traditionellen Stammfamilie mit patriarchalem Oberhaupt – und hin zur Patchworkfamilie, wo in einer Art Klan viele Kinder von vielen Vätern und Müttern zusammenfinden. Väter und Mütter übernehmen zusammen Verantwortung, Verdienst, Haushalt und Erziehung. Gibt es Probleme, sind alle zuständig, weil das Leben selbst die Ursache ist und man muss das zusammen bewältigen. Der Mensch ist nämlich ein Gruppenwesen. Wer nicht mitmacht und unproduktiv gegenschießt, wird ausgeschlossen, zumindest von den Entscheidungen: Der Familienrat entscheidet heute – und nicht mehr der Patriarch.

In Bayern tagt der Familienrat am 14. Oktober. Und Seehofer wäre wohl nicht der erste Vati, der sich wundert, dass seine Familie ihn aufs Abstellgleis stellt, weil er mit seiner Denkweise völlig von gestern ist und den Problemen nicht mehr gewachsen: Er war der Familie „bei der Heimes Pflege schon des längerem im Wege“. Grau und müde darf er dann an seinem Stammtisch, mit seinen ausrangierten Kumpeln, auf ein fiktives Gestern anstoßen, in dem sie noch das Sagen hatten – während er im Heute endlich keinen Schaden mehr anrichtet.

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