Oktoberfest

In München wird schon eifrig auf der Theresienwiese das Oktoberfest aufgebaut, in 4 Wochen geht es wieder los. Und natürlich sind die Vorberichte schon im vollen Gang: Werden wir wieder einen neuen Besucherrekord haben? Werden wir wieder einen neuen Bierpreis-Rekord erreichen? Werden die Steuereinnahmen für die Stadt durch das Fest wieder mal getoppt? Wieviel Brathendl, Mastochsen, Schweine werden diesmal verschlungen?

Wie viele Städte, die Touristen anziehen, ist auch in München während des Oktoberfestes eigentlich kein normales Leben mehr möglich. Zumindest die Innenstadt am Wochenende, haben wir auch sonst längst den Touristen übergeben – die unsere Schadt so reich gemacht haben. Man stelle sich nun vor, wir müssten diese Wachstumsidee bald aufgeben, damit die Welt nicht weiter aus den Angeln fällt. Wir müssten uns freuen über Besucherrückgänge. Es gäbe Kontrolle und die Polizei würde, wie in Rom an der spanischen Treppe, jeden mit 400 Euro Strafe belegen, der sich irgendwo hinsetzt, wo er nicht hinsoll. Wir müssten Eintritt bezahlen und alle bayrischen Schmankerl aus Fleisch wäre plötzlich doppelt so teuer, weil es den Tieren und der Umwelt dann doppelt so gut geht. Es ist nahezu unvorstellbar.

Doch das Versprechen, wir könnten mit Öko-Wachstum die Welt retten, ist schlichtweg eine Lüge. Jede neue Technologie brauch wieder mehr Strom und Ressourcen, die die Einsparungen nichtig machen. Wenn das Kilo Hack nur 30 Cent mehr kosten soll, drehen die Bürger schon durch. Und vor allem unsere „Wachstums-Sehnsucht“, unser narzisstischer Anspruch, das Leben möge immer besser werden, steht jeder wirklichen Einsparung entgegen. Wir konsumieren nun mal gerne, Bier und Hendl. Reisen und Events sollen unserem sinnlosen Leben wenigstens den Kick der besonderen Erfahrung geben, die wir dann mit anderen teilen können.

Das Oktoberfest ist überall auf der Welt bekannt, ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich irgendwo erzähle, ich wohne in München, wer da alles schon war und begeistert hinwill. Letztlich geht es immer um unser allzumenschliches Streben, das die überfüllten Reiseziele ausmacht und all die anderen Dinge, die wir dieser Erde antun. Wer glaubt, wir könnten das noch ändern, muss sich – zentral – dieser Wachstumssehnsucht stellen, die so verständlich menschlich ist – und doch alles zerstört, durch unsere Sehnsucht und unseren narzisstischen Anspruch.

Doch mit wem können wir das verhandeln, dass wir nun mal so weiter machen wollen? Was würde passieren, wenn man die frohe Botschaft vom Besucherrückgang des Oktoberfestes verkünden würde, die Freude, dass die Innenstadt auch wieder für die Münchner lebenswert ist, weil weniger Tourristen kommen?

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