Risiko-Mädels

Das BGH hat entschieden: Ich muss mich in Bankformularen als „Kunde“ bezeichnen lassen, auch wenn ich eine Kundin bin. Eine 80Järige hatte wiederholt, ihr und mein Recht auf das richtige Geschlecht, eingeklagt und ist mit dem Argument der „wachsenden Komliziertheit“ abgewiesen worden.

Ein Freund von mir spielt gerne mit anderen Männer-Freunden das alte, analoge Brettspiel „Risiko“. Frauen sind bei diesen Spieleabenden nicht zugelassen. Es hatte sich bei einigen Versuchen gezeigt: Der verbitterte Kampf bis morgens um sechs Uhr, damit dann endlich „DER GEWINNER“ feststeht, der der alle „platt“ gemacht hat und als Sieger vom Tisch aufsteht – das interessiert Frauen nicht. Sie brechen vorher ab, weil sie müde sind, eine harte Woche vor sich oder hinter sich haben. Dabei sind sie auch nicht so konzentriert auf das Spiel und den Kampf, sondern schwätzen nebenher über anderes.

Wenn ich meinen Freund frage, wie der Abend gelaufen ist, was es Neues gibt, bei den anderen, welche Ehen, Kinder, Jobs gerade wackeln, dann weiß er davon auch nach 10 Stunden Spiel nichts zu berichten. Man hätte sich höchstens gegenseitig geärgert, am liebsten mit Mädelsnamen (Alex heißt dann Alexa, Tom wird zu Tanja und Andi zu Andrea etc.). Die erste Provokation des Abends, noch vor dem Aufbau des Spiels, ist die Begrüßung unter Jungs mit einem: Hallo Mädels.

Ich habe versucht zu verstehen – als Frau und Psychologin – warum ist „das Weibliche“ für Männer minderwertig genug, um die Kumpels damit zu ärgern. Umgekehrt ist es ja nicht so, im Gegenteil: Es ist eher ein Kompliment, wenn eine Frau kämpft wie ein Mann, erst dann wird ihre Leistung ernst genommen, gesehen. (Ja und ich weiß, sie meinen es nicht so, die Männer, und sie wollen auch gerne mal unter sich sein, damit wir Frauen uns nicht schon wieder über ihr Missverhalten Gedanken machen, weil sie sich Mädchenamen geben, um sich zu necken… blabla)

Die ehrliche Antwort ist wohl, auf die Frage nach der Abwertung der Frau, die eigentliche Abhängigkeit von Frauen, die man niedermachen muss, schlichtweg: weil es so ist. Als Psychologin kenne ich eine Menge Frauen, die gerne alleine leben, ihre Netzwerke haben, ihre Jobs, ihre Freunde – ohne einen Mann im Privatleben, auch nicht am Lebensende, zu vermissen. „So einen tu ich mir nicht mehr an“, hört man dann. Ich kenne dagegen kaum einen Mann, der so gut alleine zurechtkäme. Alterseinsamkeit trifft Männer härter, Männer kriegen nach Scheidungen weit schlechter die Kurve, als Frauen. Und diese Abhängigkeit wird nieder gemacht, um das eigene Selbstwertgefühl zu heben: Die anderen sind die Mädchen, also quasi die Abhängigen Jungs. Jahrtausende haben Männer vor nichts so sehr Angst gehabt, wie vor unabhängigen, gleichberechtigten Frauen. Zu Recht, wie sich heute zeigt. Man muss einen reifen Charakter haben, damit die Frau freiwillig bleibt. (Umgekehrt, bei schwachen weiblichen Charakteren, leben Frauen lieber allein, ohne „die bösen Männer“ – aber das ist ein anderes Thema.)

Und natürlich bleibt es Mädchenkram, wenn man sich mit seiner Abhängigkeit auseinandersetzt. Lieber wird verdrängt oder so getan, als wäre Mann der Sieger, am Ende in diesem Risikospiel der Einsamkeit.

Wie würden Männer wohl reagieren, wenn sie auf jedem Formular als Kundin bezeichnet würden, mit dem Argument, ihr Geschlecht schaffe separat nur Verwirrung? Denn diese Beleidigungen unter Freunden haben natürlich in der Öffentlichkeit eine andere Bedeutung: Da hört der Spaß auf, wenn man als Pussy bezeichnet wird. Und es stört die am meisten, erfahrungsgemäß, die die größte Abhängigkeit von Frauen haben, die nicht genug Stärke haben, um sich mit dieser Abhängigkeit auseinander zu setzen. Doch ein Versuch wäre es wert: Vielleicht sollte man nur noch von Richterinnen sprechen, da der Richter da ja auch schon mit drinsteckt. Die sollen sich da mal nicht so haben, die Mädels, in ihren roten Talaren…

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