Umwelt-Ferkel

Heute, am Sonntag, habe ich auf der Seite www.uba.co2-rechner.de meinen persönlichen CO2-Fußabdruck ausgerechnet, den ich jährlich hinterlasse. Ergebnis: 7,4 Tonnen.

Die Deutschen erzeugen im Durchschnitt 11 Tonnen CO2 im Jahr. Damit es keine weitere Klimaveränderung mehr gibt, müssten wir diesen CO2 „Fußabdruck“ auf 2,5 Tonnen reduzieren – sofern der vieler armer Erdenbewohner nicht steigt. Doch wie will eine demokratische Regierung den materiellen Konsum und die Mobilität der Menschen in Deutschland auch nur auf weniger als ¼ einschränken, wenn sie nicht abgewählt werden will (und dabei sind Artensterben, Fischfang, Vermüllung etc. noch nicht eingerechnet, als unsere Umweltsauerei)?! Wie will sie wenigstens eine wirtschaftliche Stagnation verordnen, ohne wachsende Arbeitslosigkeit, ein Heer von Hoffnungslosen und Abgehängten und wachsende Verteilungskämpfe zu schaffen (abgesehen vom Thema der freien Lebensgestaltung)? Wird auch in entwickelten Volkswirtschaften mit Umwelttechnologie mittlerweile Geld verdient, kommt das im Zusammenhang mit dem sich stetig verschlimmernden Gesamtzustand der Erde einer Art Greenwashing bzw. moralischen Selbstentschuldung gleich.

Dabei sind es heute nur 1,5 Milliarden der 7,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, die einen äußerlich freien demokratisch-kapitalistischen Lebensstil verwirklichen können. Der westliche Lebensstandard gilt als Richtmaß für ein würdevolles glückliches freies Leben – und ist das Maß der Menschenrechte, in ihrem garantierten Streben nach Glück. Von diesen 1,5 Milliarden Menschen, die äußerlich frei die demokratischen Möglichkeiten haben, ihrer Selbstverwirklichung nachzugehen, verursachen gerade mal 15 Millionen Menschen (10% der westlichen Bevölkerung) 36% der weltweiten Klimaerwärmung und Umweltzerstörung: Die demokratische Elite und Oberschicht.

Die neuen Technologien (Solar- und Windstrom, Recycling, künstliches Fleisch, energiesparende Technik etc.) können den Verfall längst nicht mehr aufhalten. Denn jede Einsparung wird von neuen Energieansprüchen der aus Armut Befreiten und Wohlstandsverwöhnten mit ihrem wachsenden Konsum zu Nichte gemacht. Darüber hinaus verschlingt die Herstellung neuer Technik (Batterien, Solarpanels, effizienter Steuerungscomputer) Unmengen an weiteren Ressourcen und Lebensflächen.

Im Durchschnitt müsste jeder Bürger der westlichen Welt seinen heutigen Lebensstandard auf 1/3 bzw. sogar ¼ reduzieren, um die Erderwärmung nicht über zwei Grad ansteigen zu lassen: Nur eine massive Verringerung unseres Verbrauchs von Energie, Fleisch, Kleidung, Reisen etc. kann eine weitere Zerstörung unseres Lebensraums stoppen. Der Lebensstandard Vietnams, Marokkos oder Jamaikas wäre das globale Maß, für heute 7,5 Milliarden Menschen und bei weiteren drei Milliarden müsste der Lebensstandard noch weiter abgesenkt werden, um die Menschenrechte, die Würde des Menschen als Recht, ein gutes Leben anzustreben, mit der Erhaltung des Lebensraums in Einklang zu bringen. Doch jede Regierung, die eine Umverteilung wirklich anstreben würde, würde sofort abgewählt.

Daher kann ich kaum stolz sein auf meine 7,4 Tonnen, auch wenn es fast 4 weniger sind als der Durchschnitt.

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