Würde, los!

Die Welt feiert die 12 Jungen aus Thailand und ihren Trainer und all die Helfer, die sie gerettet haben, als Helden. Dabei ertrinken hunderte Kinder jährlich im Mittelmeer und die Helfer auf den Rettungsschiffen sollen nun vor Gericht gestellt werden. Höhlentourismus und Asyltourismus haben anscheinend nicht weniger Unterschied, als das Recht auf ein Leben, auf das ehrliche Bemühen der Weltgemeinschaft, eine Lösung zu finden.

Doch wir wollen uns lieber als Menschheit auf die Schulter klopfen, ob unserer Solidarität in Not, ob unserer technischen Raffinesse, gegen den Unbill der Natur. Wir tun dann so, als wären wir Verstandeswese und berauschen uns an unserer Überlegenheit als Menschen. Doch derselbe bewusstseinsfähige Narzissmus sorgt dafür, dass wir Kinder in Wüsten und Meeren umkommen lassen, damit sie uns nichts weg nehmen – anstatt ihnen durch fairen Handel und gute Ausbildung eine Perspektive zu geben.

Waren es gute Jungen, die da in Thailand gerettet wurden – oder islamische Machos? Wieso darf man das nicht fragen, wenn es doch sonst, über Abschiebung, Leben und Tod entscheidet? Kaum jemand hatte Mitleid mit dem Jungen, der als Kleinkrimineller diese Woche nach Afghanistan abgeschoben wurde und sich dort das Leben nahm.

Letztlich sind unsere Menschenrechte nie ein Maßstab gewesen, sondern nur ein Mittel westlicher idealistischer Selbsterhebung. Die Würde des Menschen war nie unantastbar, jedenfalls nicht die, der meisten Menschen. Vielleicht wäre es ehrlicher, den Wert des Menschen, seine Würde an sein Verhalten zu knüpfen, seine Bereitschaft mit Bildung und Anstand durchs Leben zu gehen. Unsere gefühlte Menschenwürde entscheidet längst schon danach.

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