Zwischen den Wahlen

Die Bürgerlichen Parteien sind in der Krise. Selbst in Bayern und selbst die CSU. Mir ist nur nicht klar, was daran so schlimm sein soll, solange kaum Stimmen an die AfD fallen. Jedenfalls hat man von denen im Wahlkampf kaum etwas mitbekommen, außer, dass sie jetzt eine Korruptionsaffäre am Hals haben, weil sie Parteigelder veruntreut haben. Tja, im Größenwahn rassischer Überlegenheit greift wohl schnell der ein oder andere nach Geld, weil er denkt ihm stünde das zu.

Doch diese Selbstgefälligkeit geht weit über die AfD hinaus und ist genauso in der bräsigen Selbstgerechtigkeit und einem ewigen „Wohlstands-Weiter-So“ der „Bürgerlichen“ zu finden, bei SUV-Fahrern und täglich Fleischessern. Hier sitzt sie fest und bedroht die Zukunft unseres Planeten. Hier lassen sich Wähler und Parteien von Autokonzern-Bossen mit Arbeitsplätzen erpressen, um selbstentschuldend keine unbequeme Veränderung zuzulassen. Ich kann mir das nur so erklären, dass der ein oder andere denkt, sein Wohlstand würde die eigenen Kinder und Enkel irgendwie schützen, sie für immer in einer Nische der Glückseeligen leben lassen. Doch dieser Planet wird für alle gleichermaßen zugrunde gehen, die Gierigen und Nichtgierigen, die Bequemen und Unbequemen sitzen in einem Boot.

Ebenfalls in der letzten Woche hat nämlich der Weltklimarat IPCC verkündet, was passiert, wenn die Klimaerwärmung über 1,5 Grad steigen sollte: 88% Dürresommer in Europa, Verwüstungen der Drittweltstaaten und einhergehende Verteilungskämpfe, Bürgerkriege und: Massen-Migration. Letzteres betrifft dann auch den bürgerlichen Wähler gerade in Bayern, denn sie werden von Süden kommen, um ihr Leben zu retten, währen wir vor unseren Schnitzeln sitzen.

Selbst die Maßnahmen, die die Klimakonferenz in Paris 2015 beschlossen hat, reichen nicht aus: Sie führen zu 3 Grad Erwärmung. Dabei werden nicht mal diese Maßnahmen ansatzweise umgesetzt. Daher muss bis 2030 – also in ca. 11 Jahren – 45% CO2 von jedem von uns eingespart werden. Bis 2050 müssen die Emissionen bei 0 sein (in Worten: Null!!!). Doch unsere Stellflächen reichen gar nicht für Solarpanels und Windräder und die notwendige Aufforstung zur Bindung des CO2.

Weltweit haben sich seriöse Wissenschaftler zusammengesetzt. Die Zahlen sind genauso deutlich wie erschreckend. Doch der unumgängliche Verzicht, selbst für die eigenen Kinder und Enkel, scheint bei vielen nicht anzukommen: Es wird weh tun so oder so! Und viele glauben dennoch, der Kelch würde an ihnen vorbei gehen, das alles wäre Panikmacherei. Selbst unser Sommer im Oktober ist da kein Argument.

Ich hatte neulich auch in meiner Familie die Diskussion mit dem ewig gleichen Argument: Die Politik muss was tun. Das ist aber nicht möglich, denn sie kann nichts tun, weil sie sofort abgewählt würde: Von den Bürgerlichen, die immer noch die Mehrheit im Land stellen, die Häuslebauer und Statusautofahrer, Sonntagsbratenesser und „Heimat-Einfrierer“. Nein: wir müssen was tun, jeder von uns muss einen Anteil seiner Kaufkraft für bessere Heizungen, Solarpanels und Bahn-Cards ausgeben und für Demeter-Nahrungsmittel. Doch wer auf neue Klamotten und neue Autos verzichtet, hat das ja ganz einfach wieder raus. Wir müssen unser Selbstwertgefühl endlich nicht mehr über gezeigten Wohlstand stabilisieren, sondern mehr Selbstreife beweisen. Man fühlt sich viel besser, wenn man seinen Selbstwert in sinnvollen Gemeinschaftsprojekten, dass wir alle in einem Boot sitzen, erfahren lässt.

 

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